Valentino Rossi
© Grazia Neri/ Gettyimages
MotoGP

15 Dinge, die Sie nicht über Valentino Rossi wussten ...

... oder vielleicht maximal geahnt haben.
Autor: Günther Wiesinger
6 min readPublished on

1. MARC 3 WORDS

2. SEX

Nach 22 GP-Jahren gibt es keine Frage, mit der Valentino Rossi nicht konfrontiert wurde. Ob er Mitglied im „mile high club“ sei, ob er also schon einmal im Flugzeug unehelichen Pflichten nachgekommen sei? Rossi darauf breit grinsend: „Sex? No. But something more easy.“

3. BARRY SHEENE

Rossi gilt als großer Bewunderer des charismatischen Lebemanns, 500-ccm-Weltmeister der Jahre 1976 und 1977. Nach seiner Karriere war er TV-Kommentator geworden, hier kreuzten sich die Wege. Nach Sheenes Tod mit nur 52 Jahren nahm Rossi bei seinem nächsten Sieg in Australien in der Auslaufrunde eine weiße Fahne mit Sheenes schwarzer Nr. 7 mit rund um die Strecke.
„Woher ich diese Flagge habe? Ich habe heute in der Früh gedacht: ‚Was mache ich, wenn ich gewinne?‘ Also habe ich das Bettlaken in meinem Hotel geklaut, dann haben wir es beschriftet.“ Ein Streich ganz nach Barrys Geschmack.
Auslaufrunde: Honda-Werksfahrer Rossi mit Sheenes Nummer 7.

Auslaufrunde: Honda-Werksfahrer Rossi mit Sheenes Nummer 7.

© REUTERS/Mark Horsburgh

4. FAUST AUFS AUG

Rossi stachelte sich immer durch gepflegte Feindschaften mit seinen Gegnern an: Biaggi, Gibernau, Stoner, Lorenzo, dann Márquez. Manchmal schreckte er auch vor Handgreiflichkeiten nicht zurück. Nach dem 500-ccm-GP in Barcelona 2001 (Rossi siegte 2,5 sec vor Biaggi) kam es zu einem Wortgefecht beim Aufgang zum Podest. Rossi brachte einen gezielten Faustschlag an, Max erlitt eine Platzwunde unter dem Auge. „Da hat mich ein Moskito gestochen“, stammelte der stolze Römer Biaggi gegenüber Journalisten.

5. ALLEIN

Normalerweise sind Pressekonferenzen von Rossi seit seinem ersten Sieg am 18. August 1996 auf einer Aprilia 125 von Journalisten umlagert. In seinen erfolglosen Ducati-Jahren 2011 und 2012 erreichte auch das öffentliche Interesse einen Tiefpunkt. Nach seinem neunten Platz in Silverstone verirrten sich gerade noch zwei Schreiber zum Media Debrief. Doch Rossi hatte auch in dieser finsteren Zeit seinen Humor nicht verloren: „Genau die richtige Anzahl für einen neunten Platz“, grinste er.

6. PARTY!

Jahrelang waren Rossis Späße in der Auslaufrunde beliebter Fixpunkt nach Siegen, doch nicht jeder verstand den Hintergrund.
Rossis Feierlaune auf dem Podium machten ihn zum Publikumsliebling.

Rossis Feierlaune auf dem Podium machten ihn zum Publikumsliebling.

© Getty Images

Als Erzfeind Biaggi angeblich Supermodel Naomi Campbell datete, schnallte sich Rossi eine Sexpupe auf den Sozius und nannte sie „Claudia Schiffer.“ Mal verkleidete er sich als Huhn, um einen Sponsor zu Aufmerksamkeit zu verhelfen, mal band er sich einen Affen auf die Schulter oder setzte sich auf dem Podest einen Doktorhut auf, weil ihn die Universität von Urbino zum Ehrendoktor ernannt hatte.
Was er sich dabei gedacht hatte, sich 1999 nach seinem Sieg in Jerez minutenlang in einer Zuschauer-Toilette zu verschanzen und die Siegerehrung zu verzögern, weiß er heute wohl selbst nicht.
Ein echter Rossi feiert auch abseits vom Podium.

Ein echter Rossi feiert auch abseits vom Podium.

© Gold & Goose

Der Siegestrunk für den Champ - aus einem ganz speziellen Behälter.

Der Siegestrunk für den Champ - aus einem ganz speziellen Behälter.

© picturedesk.com

7. AMORE

Valentino betrachtet sein Gerät nicht als seelenlosen Haufen Metall und Carbon. Abends, wenn er allein zu sein glaubt, spricht er in der Box regelmäßig mit seiner Yamaha M1.
Als er 2010 nach sieben erfolgreichen Yamaha-Jahren zu Ducati wechselte, verabschiedete er sich in einem handgeschriebenen Liebesbrief von seiner langjährigen Gefährtin. Literarischer Höhepunkt: „Es bleiben Erinnerungen, die uns niemand nehmen kann. Zum Beispiel an den Welkom-GP 2004, als wir den ersten Kuss ausgetauscht haben, im Gras neben der Piste. Du hast mir gerade und aufrichtig in die Augen geblickt und geseufzt: ,Ich liebe dich!‘“

8. JORGE LORENZO

Der Feind im eigenen Team: Rossi betrachtete den Mallorquiner, der im Jahr 2008 nach zwei 250er-WM-Titeln ins Yamaha-Team stieß, als Eindringling.
Sicherte sich exklusiv die schnelleren Bridgestone-Reifen, während der Teamkollege mit langsameren Michelin-Pneus vorlieb nehmen musste. Das Mehr an Risiko bezahlte Lorenzo mit Stürzen, die Rossi halfen, Weltmeister zu werden. Die Beziehung bei Yamaha war so zerrüttet, dass in der Boxenmitte ein Paravent aufgestellt wurde, um die Streithähne zu trennen.
Allerbeste Feinde: Jorge Lorenzo und Valentino Rossi.

Allerbeste Feinde: Jorge Lorenzo und Valentino Rossi.

© Getty Images

9. RELAZIONE

Parallel zur Yamaha datete er viele Jahre lang Linda Morselli, Model und TV-Moderatorin. Man sprach von Familie und Kindern. Doch 2016 trennten sich überraschend ihre Wege, kurz danach begann Linda eine Liaison mit Fernando Alonso. Rossi trug es mit Fassung. „Linda hat den Sprung in die Formel 1 geschafft, ich nicht“, meinte er trocken.
Vale besuchte die Formel 1, Linda blieb.

Vale besuchte die Formel 1, Linda blieb.

© GEPA

10. STEUER

Offiziell teilte sich Rossi bis 2007 mit seinem damaligen Manager Gibo Badioli eine 45-Qudratmeter-Wohnung in London. In Italien durfte er sich maximal 90 Tage pro Jahr aufhalten.
Die Guardia Finanza inspizierte seine Villa in Tavullia, die Kilometerstände seiner Autos und sogar die Chipkarte seines Fitness-Clubs. Die Finanz forderte 65 Millionen Euro an Steuernachzahlung, Rossi zahlte 35. Seither lebt er wieder in Italien – ganz offiziell.

11. CONTRA HONDA

Rossi begann in der Königsklasse bei Honda und wurde mit der Crew, die er von Legende Mick Doohan übernommen hatte, von 2000 bis 2003 vier Mal Weltmeister. Doch ihn ärgerte, dass Honda-Manager seine Erfolge in erster Linie dem Material zuzuschreiben, nicht dem fahrerischen Genie. Als sich Rossis Weggang abzeichnete, drohte Honda-Manager Kanazawa: „Wenn Rossi weggeht, bauen wir ein noch besseres Motorrad und zerstören ihn.“
Passierte nicht, wie wir wissen, und Vale machte Yamaha erfolgreich. Seither steht Rossi bei Honda auf der schwarzen Liste. Oder, wie Honda-Rennmanager Livio Suppo ätzte: „Die Nachfolgerin von Sharon Stone ist nicht Sharon Stone!“

12. VIER RÄDER

Vier Mal wurde Rossi von Ferrari zu einem F1-Test eingeladen. In Valencia blieb er 2,1 Sekunden hinter den anderen Piloten. Spekulationen schossen ins Kraut: Wann unterschreibt er für wieviele Millionen? Ein reiner PR-Stunt, denn Valentinos Talent ist auf zwei Räder beschränkt.
Rossi wechselt die Rösser: Viel Aufmerksamkeit, aber wenig Resultate.

Rossi wechselt die Rösser: Viel Aufmerksamkeit, aber wenig Resultate.

© GEPA

  1. Als er mit einem Seat-Rallye-Auto zielsicher den einzigen Baum im weiten Umkreis traf; Schrott.
  2. Als er bei der RAC-Rallye in Wales seinen Ford auf der ersten Sonderprüfung unrettbar in den Graben pfefferte.
  3. Als er beim Australien-GP verschlief, zur Strecke raste, in eine Radarfalle tappte – und die Fahrerlaubnis für das Land verlor.

13. GELD

Hinter dem schalkhaften Entertainer steckt ein knallharter Businessman, der mit seinen 41 Jahren ein kleines Imperium befehligt. Highlights: Mit seinen GP-Teams in den Klassen Moto3 (mit KTM) und Moto2 (mit Kalex) feiert er Erfolge und bildet Fahrer wie seinen Halbbruder Luca Marini, Romano Fenati, Nicla Bulega, Andrea Migno, Dennis Foggia, Celestino Vietti, Francesco Bagnaia oder Marco Bezzecchi aus.
„VR46 Apparel“ hingegen produziert und vertreibt Fanartikel. 15 prominente Fahrer sind seine Kunden. Nur vom prominentesten hatte er sich getrennt: Marc Márquez flog 2015 raus.

14. TAVULLIA

Vales Heimatort ist das Mekka der Fans in Gelb, oder eher der Vatikan, befindet sich das Hauptquartier des VR46 Fanclubs doch in einem Nebengebäude der Kirche. Der Pfarrer lässt nach jedem Sieg die Kirchenglocken für eine Stunde läuten, selbst wenn die Kunde in Tavullia mitten in der Nacht eintrifft. Und innerorts gilt analog zu seiner Startnummer ein Tempolimit von exakt 46 km/h.
Eine Stadt sieht gelb: Tavulia ist der Vatikan der VR46-Gläubigen.

Eine Stadt sieht gelb: Tavulia ist der Vatikan der VR46-Gläubigen.

© Getty

15. GENE

Valentinos Vater Graziano zählte in den späten 1970er-Jahren zu den besten GP-Piloten – in der 250er (mit drei GP-Siegen) und 500er-WM. Von Valentinos Mutter Stefania ist er längst geschieden. Sie hat wieder geheiratet und mit Luca Marini einen zweiten Sohn zur Welt gebracht.
Valentino nahm den Halbbruder unter seine Fittiche. Den Saisonauftakt 2020 in der Moto2-Kategorie in Jerez hat Marini souverän gewonnen. „Man sieht, dass Luca und Valentino das Talent von der Mutter geerbt haben und nicht vom Vater“, stellte Graziano fachmännisch fest. Immerhin: der Humor stammt vom Vater.