Entrepreneurship
Min-Liang Tan: Vom Gamer zum Milliardär
Der 43-Jährige aus Singapur war ein begeisterter Zocker, der sich verbessern wollte. Hier erklärt er, wie ihn das zum jüngsten Selfmade-Milliardär seines Landes machte.
Min-Liang Tan spielt gerade „Fall Guys: Ultimate Knockout“ – dieses Battle-Royale Game für mehrere Spieler, das die Welt im Sturm erobert hat. Der 43-Jährige aus Singapur ist dabei definitiv im Vorteil: Er hat das Equipment, mit dem er das Game spielt, persönlich entwickelt, seine Firma Razer stellt es her. Das Unternehmen katapultierte Tan bereits 2012 auf die Liste der mächtigsten 40 Menschen der Gaming-Szene. Fünf Jahre später war er Singapurs jüngster Selfmade-Milliardär.
Dabei ist der Riesenerfolg des gelernten Juristen einfach nur auf den Wunsch zurückzuführen, besser zu spielen. „Wenn man danebenschießt, denkt man nicht: ‚Ich kann es nicht gut genug‘“, sagt Tan lachend. „Sondern: ‚Ich brauche eine bessere Maus‘. Also haben wir eine gebaut.“ „Boomslang“ war 1999 die erste Maus, die eigens für Videospiele entwickelt wurde. Heute gestaltet Razer nach dem gleichen Prinzip Gaming-Laptops, Gaming-Kopfhörer, Gaming-Smartphones und so weiter. Die Marke und Tan selbst haben inzwischen Kultstatus.
Wir gehen nicht in den Mainstream. Wir wollen lieber warten, bis der Mainstream zu uns kommt.
„Wir kriegen Tausende Fotos von Leuten, die sich das Razer-Logo irgendwohin tätowiert haben“, sagt er. „Einer hat sogar ein Tattoo von meinem Gesicht.“ Für Tan geht es, sagt er, weniger um den finanziellen Erfolg als um Gemeinschaft. „Ich habe mich nie als Geschäftsführer betrachtet“, erklärt er. „Ich war immer ein Spieler. Es geht darum, sich den entscheidenden Wettbewerbsvorteil zu verschaffen.“
Auch Nicht-Gamer sind von Razer begeistert
„Wir hatten gar nicht vor, mit der Boomslang viel Geld zu verdienen. Es war eher so: Wenn ich Verwendung dafür habe, dann gilt das sicher auch für andere. Als wir dem Gaming-Laptop ein megadünnes Design verpassten, kam das ganz schlecht an. Die Leute sagten, das ist nichts für Gamer, die wollen’s fett und kräftig. Aber dank der Techniker, mit denen wir gearbeitet haben, war’s bei uns eben schlank und kräftig.“
„Es ist schön, dass auch Nicht-Gamer unsere Produkte nutzen. Mediziner kaufen sie, weil sie so präzise sind, und im Fernsehen habe ich entdeckt, dass ein Raumfahrtprogramm unsere Mousepads verwendet. Wir hatten schon Anfragen aus der Finanzwirtschaft. Die nutzen dort unsere Tastaturen und Mäuse, weil damit Kaufen und Verkaufen schneller geht. Aber wir gehen nicht in den Mainstream. Wir wollen lieber warten, bis der Mainstream zu uns kommt.“
Vorreiter bei der Gamer-Farbe
„Wir waren die Ersten, die alles in Mattschwarz herausgebracht haben, heute ist das die Gamer-Farbe schlechthin. Dann haben wir LED hinzugefügt, erst mit einzelnen Farben, dann mit dem ganzen RGB-Farbraum. Design mit Licht ist ziemlich schwierig: Nimmst du zu wenig, bringt es nichts; zu viel, und es wird grell. Ich verhandle nun darüber, wie viel Licht das Treppenhaus unseres neuen Firmengebäudes verträgt. Es hat vier Stockwerke, und wir bauen mehrere Modelle, um die perfekte Lichtmenge zu finden.“
Verletzung als Inspiration
„Unlängst hatte ich einen Bandscheibenvorfall. Viele Gamer kennen das Problem vom zu vielen Spielen. Ich habe meinen Cheftechniker gefragt, was ich dagegen tun könnte. Er wollte mich zum Orthopäden schicken, aber ich habe gesagt: ,Nein, nein, ihr entwerft mir jetzt etwas, denn ich bin sicher, dass andere diese Lösung ebenfalls brauchen können. Lass dir was einfallen, dann verkaufen wir Millionen von Produkten!‘
Bald im Handel: Der ultimative Razer-Toaster!
„Ein Gamer wollte unbedingt einen Razer-Toaster. Ich habe ihm gesagt, wenn er eine Million Likes schafft, mache ich ihm vielleicht einen. Ein anderer hat gesagt, er lässt sich einen Razer-Toaster tätowieren! Daraufhin habe ich den Fehler gemacht, zu sagen: ,Wenn du zehn andere dazu bringst, das auch zu machen, baue ich den Toaster.‘ Tja, mittlerweile haben etwa fünfzehn Leute dieses Tattoo. Ich hab’s versprochen, aber ich hab keinen Zeitpunkt genannt. Ein paar Prototypen sind entstanden, die sind aber noch nicht so weit. Ich arbeite jetzt ernsthaft daran. Es muss der ultimative Toaster werden.