HYROX-WM-Kampf: Ein Blick hinter die Kulissen mit Alexander Rončević
Wie sieht deine Taktik für die Weltmeisterschaften aus und hast du deinen Weltrekord im Blick?
Ich werde schnell starten, wie ich es immer tue. SkiErg und Sled Push sind meine besten Stationen, an denen ich mich wohlfühle. Ich habe ein gutes Gefühl dabei, mir nach diesen Stationen einen kleinen Vorsprung zu verschaffen, und werde dann sehen, wer mithalten kann. Von da an werde ich mein Rennen strategisch aufbauen. Wenn mich jemand einholt, werde ich versuchen, mich zu regenerieren und an der nächsten Station wieder zu pushen, um zu sehen, wo ich dem Gegner ein wenig zusetzen kann. Aber von Anfang an geht es immer um das Gefühl. Ich trage während des Rennens keine Uhr, ich schaue einfach, wie ich mich an dem Tag fühle. Ich gebe alles und achte darauf, ganz im Moment zu sein.
Alexander Rončević hat in Warschau einen neuen HYROX-Rekord aufgestellt
© Alex Trobough/Red Bull Content Pool
Ist es dein Ziel, den Weltrekord erneut zu brechen? Ist das etwas, das dich motiviert?
Die Zeiten hängen immer sehr stark von der Strecke ab. Ich will auf jeden Fall sehen, wie weit das alles noch gehen kann. Ich habe nicht das Gefühl, dass ich schon an meine Grenzen gestoßen bin, und ich verbessere mich von Saison zu Saison deutlich. Es wäre cool, die Zeit auf etwa 50 Minuten zu senken. Aber wie gesagt, es hängt immer davon ab, wie ich mich an dem Tag fühle, auch von der Strecke und so weiter. Wir werden sehen. Solange ich den Weltrekord halte, mache ich mir keine Sorgen. Es gibt keinen Grund, ihn noch einmal zu brechen. Wenn jemand anderes ihn bricht, dann werde ich es erneut versuchen!
Wer werden deiner Meinung nach deine Hauptkonkurrenten sein?
Tim Wenisch, Hunter McIntyre und Dylan Scott.
Am nächsten Tag wirst du mit Tim Wenisch im Elite-Doppel antreten. Wie schafft ihr es, an einem Tag Rivalen und am nächsten Tag ein Team zu sein?
Wir sind sehr gute Freunde geworden und verstehen uns auch außerhalb der Rennen gut. Auch am Veranstaltungsort, auf der Rennstrecke, kommen wir gut miteinander klar. Wenn wir im Starttunnel stehen, macht jeder sein eigenes Ding. Es geht weniger um den Wettkampf, obwohl es letztendlich eben doch ein Wettkampf ist. Wir streiten uns nicht auf der Strecke. Wer auch immer den besseren Tag hat und als Erster die Ziellinie überquert, dem wird gratuliert. Dann machen wir weiter. Da geht es um nichts Persönliches, das wir ausmachen müssen. Natürlich ist man auch enttäuscht, wenn man nicht gewinnt, aber dafür gibt es einen Grund, und man sollte dem Gegner gratulieren, vor allem, wenn es ein Freund ist.
Tim Wenisch wird in Stockholm sowohl Partner als auch Rivale sein
© Joerg Mitter/Red Bull Content Pool
Kennt ihr die Stärken und Schwächen des anderen besser und könnt ihr sie zu eurem Vorteil nutzen?
Natürlich hast du das als Athlet im Hinterkopf. Ich weiß zum Beispiel, dass Tim ein unglaublich starker Läufer ist. Er ist in seiner Jugend viel in den Laufschuhen gewesen, und an diese Leistung komme ich nicht heran. Aber ich weiß, dass ich beim Ergometer und beim Schlitten vielleicht einen kleinen Vorteil habe, und den versuche ich zu nutzen. Doch ich trete nicht nur gegen Tim an, sondern gegen 13 andere Teilnehmer.
Am Donnerstagabend bist du im Finale der Elite 15, und am Freitag trittst du mit Tim im Elite-Doppel an. Wirst du da noch die Anstrengungen vom ersten Tag spüren? Wie erholst du dich davon?
Natürlich spürst du es. Ich werde ja nicht jünger. Am nächsten Tag hast du überall Muskelkater, aber du weißt im Kopf, dass du wieder antreten musst. Adrenalin hilft da definitiv. Ein gutes Aufwärmprogramm hilft auch immer. Und es ist immer gut zu wissen, dass Tim dein Partner ist, denn wenn es mal hart wird, können wir uns gegenseitig antreiben und es gemeinsam durchstehen. Man ist nie ganz frisch. Das Einzel steht für uns im Vordergrund, das Doppel ist ein Bonus. Wahrscheinlich treten wir jetzt wegen der neuen Regeln zum letzten Mal zusammen an – also wollen wir die Saison natürlich auf einem Hoch beenden.
Hast du irgendwelche Rituale oder Routinen vor dem Rennen?
Ich habe meine Aufwärmroutine. Ich weiß genau, wann ich vor einem Rennen zum letzten Mal esse und trinke. Ich weiß auch genau, wann ich meine Elektrolyte und Gels zu mir nehmen muss. Ich habe immer ein frisches Paar Schuhe dabei, wenn ich an die Startlinie gehe, und ich laufe sie nur einmal während des Trainings ein. Meine Musik ist immer Old-School-Rock aus den 80ern/90ern, so etwas in der Art.
Worauf freust du dich bei den Weltmeisterschaften in Stockholm am meisten?
Es ist immer etwas Besonderes, wenn die Besten der Welt dabei sind – nicht nur in der Elite-Kategorie, sondern auch in den Altersklassen. Meine ganze Familie, meine Freunde und meine Freundin kommen mit. Es wird auf jeden Fall fantastisch werden, und ich bin mir sicher, dass es einige wirklich großartige Rennen auf hohem Niveau geben wird.
Du trittst seit acht Jahren bei HYROX an. Wie unterscheidet sich der Alex von 2018 vom Alex von heute?
Als Mensch bin ich derselbe wie früher. Mein Leben als Sportler hat sich jedoch stark verändert. Früher war es mein Hobby, heute verdiene ich damit meinen Lebensunterhalt. Für mich ist es viel professioneller geworden. Ich habe Trainer, achte etwas mehr auf Ernährung, Regeneration und solche Dinge. Aber rein als Mensch und was meinen Charakter angeht, hat sich nicht viel geändert.
Was sind deine Pläne für nächstes Jahr?
Tim wird zusammen mit Jannick Czapla in der Elite-Kategorie antreten, also werde ich mich vorerst wohl auf Einzelrennen konzentrieren. Sollte sich etwas ergeben, wie zum Beispiel gelegentlich bei einem regulären Profi-Rennen mitzulaufen, um einen Weltrekord zu brechen oder so, könnten wir ein Team bilden. Ich habe nächstes Jahr ohnehin schon genug zu tun. Mein Körper wird es mir danken, dass ich nicht jedes Jahr zwei- oder dreimal an den Start gehen muss.