Rap 💯
Wenn Zino klingelt, gehen die Rapstars ran! Auch Joshi Mizu, der gerade sein jüngstes Album „Sonne und Regen“ veröffentlicht hat, ist da keine Ausnahme, und plaudert in dieser Folge des Rap Call aus dem Nähkästchen. Es geht um seine Jugend in Wien, seine künstlerische und persönliche Freundschaft mit RAF Camora und natürlich um seinen aktuellen musikalischen Output.
Wir haben uns die Hintergründe ein wenig genauer angeschaut und beleuchten den Werdegang von Joshi Mizu in acht Stationen – von seinen Anfängen als Freestyle-Wunderkind zum schillernden Deutschrap-Hitmacher.
Family Bizz (2006)
Am Anfang stand Family Bizz. Obwohl, nein, ganz am Anfang standen Formationen namens Acrotainment und die Impact Crew, mit denen Joshi als Teenager seinen Rap-Werdegang begann. Sein Ruf als Freestyle-Talent eilte ihm schon mit 15 voraus, er gewann in Wien Battles am laufenden Band und landete schließlich gemeinsam mit RAF Camora bei ebendieser Formation.
Family Bizz waren zu viert, rappten auf Französisch, Kroatisch und Deutsch und vereinten musikalisch Balkan-Einflüsse mit Dancehall und Reggaeton. Nach ersten Achtungserfolgen landete die Crew – da war Joshi gerade 18 – einen Major-Deal bei EMI Austria.
Für den Durchbruch über die Grenzen Österreichs hinaus reichte es zwar noch nicht – aber für „eine richtig, richtig geile, sorglose Zeit“, wie Joshi erzählt. Während RAF Camora nach der Trennung der Band fleißig an seiner Solokarriere arbeitete, war Joshi selbstverständlich Stammgast auf dessen Releases, zum Beispiel 2008 auf dem „N.T.M. Remix“ und 2009 auf „Rest In Peace“.
Der erste Hype: „Zu!Name“ (2012) und „Zu!Gabe“ (2013)
Als Newcomer ohne Deal und großes Tamtam mal eben die Server des Rap-Portals 16 Bars lahmzulegen – das ist schon ein Zeichen. So geschehen, als Joshi Mizu 2012 seine erste Solo-EP „Zu!Name“ für lau ins Netz stellte.
Gleichzeitig markiert dieses Release den Wechsel vom Wiener zum Wahlberliner, denn als RAF beschließt, in Berlin sein Label Indipendenza zu gründen, folgt Joshi ihm kurzentschlossen und lässt seinen Job als Croupier hinter sich. 2013 erscheint „Zu!Gabe“, eine erweiterte Version der EP, als Mixtape auf RAFs Label mit der symbolträchtigen Katalognummer INDI 001, und auf „XY“ erzählen Joshi und RAF die Geschichte ihrer bis heute anhaltenden Freundschaft einfach selbst. So als wäre es gestern gewesen.
Das erste Soloalbum: „MDMA“ (2014)
2014 war Joshi nicht nur ein wichtiger Teil des Albums „Zodiak“ mit Chakuza und RAF, sondern stellte endlich auch sein eigentliches Debütalbum fertig. „MDMA“ („meine Dimension, mein Alltag“) drehte sich um Freiheitsliebe und das Ausbrechen in Traumwelten und brachte Joshi ganz nebenbei erstmals in die Top 40 der deutschen Albumcharts.
Das gute Leben: „Chardonnay“ (2017)
Ein paar Jahre später, auf seinem dritten Album „Kaviar & Toast“, war Joshi Mizu im guten Leben angekommen und demonstrierte ganz nebenbei beste Connections in die neue Oberliga des Deutschrap: Bausa, Ufo361, Kontra K, Capital Bra und Maxwell waren zu Gast und der Sound war ganz im Hier und Jetzt. Kein Wunder, dass „Chardonnay“ so ein Streaming-Hit wurde.
Ab in die Singlecharts: Olé Olé (2017)
Apropos Capi: noch bevor alles komplett explodierte, gastierte Joshi im Gegenzug auch auf „BLYAT“ von Capital Bra und erlebte seinen ersten Ausflug in höhere Regionen der Singlecharts mit diesem Triumphruf.
Abfahrt: „Skifahren“ (2019)
Ab da ging es Schlag auf Schlag, Song auf Song, bis auf Platz 4 in den Charts mit 'ner Goldenen: das Erfolgsgespann Cratez-Bausa-Maxwell-Joshi auf der steilsten Piste, die man sich vorstellen kann, und der Après-Ski-Mitsing-Hit für jedes Wetter, hier beim Red Bull Soundclash in Stuttgart.
Most underrated: „Regen“ (2019)
Wie aus der Pistole geschossen und ein wenig überraschend kommt die Antwort, als Zino nach Joshis unterschätztestem Song fragt – die Vorliebe für das Nachdenkliche hat er jedenfalls nicht verloren. Außerdem bezieht sich die eindringliche Vorab-Single von „Sonne und Regen“ auf diesen Stuttgarter Deutschrap-Klassiker und beweist erneut Joshis weiten Horizont.
Status Quo: Lieblingsalbum „Sonne und Regen“ (2020)
Nicht nur, dass wieder viel gerappt wird und das Autotune-Plugin auch mal längere Pausen machen darf – auch inhaltlich geht Joshi Mizu auf Album Nummer fünf wieder tief. Das Motiv von Hell und Dunkel, Licht und Schatten (oder eben „Kaviar und Toast“) lässt den Wahlberliner nicht los und mündet in ein paar der spannendsten Songs, die er seit Jahren geschrieben hat. Joshi sagt, sein neues Album ist zugleich sein Lieblingsalbum, und wieder: Musik für alle Jahreszeiten. Gratulation!