Back to School: alle 9 Teile unseres Lawinenkunde-Kurses
Der Schneedeckenaufbau und damit die Lawinensituation werden maßgeblich vom Gelände in Verbindung mit den Wetterverhältnissen beeinflusst. Wichtige Merkmale dabei sind: Hangneigung, Form des Hanges und dessen Exposition/Ausrichtung. Hier erfährst du, was es damit auf sich hat.
Einflüsse der Hangneigung auf die Lawinengefahr
Die Hangneigung steht im direkten Zusammenhang mit Lawinengefahren. 97 % aller Lawinenunfälle passieren in Hängen die steiler als 30 Grad sind. Nur 3 % der Lawinenunfälle ereignen sich in Hängen unter 30 Grad Neigung. Demnach wirkt sich die Steilheit des Geländes entscheidend auf die Bildung von Lawinen aus. Je steiler ein Hang ist, desto leichter kann eine Lawine ausgelöst werden. Dies liegt u.a. daran, dass mit zunehmender Steilheit auch die Hangabtriebskräfte und damit die Spannungen innerhalb der Schneedecke größer werden. Die Hangneigung hat auch Auswirkungen auf die Schneebeschaffenheit und den Schneedeckenaufbau, da die Sonneneinwirkung je nach Einstrahlwinkel den Schnee unterschiedlich beeinflusst. Dies hast du vielleicht auch selbst schon einmal beim Freeriden bemerkt: In flachen Mulden kann noch Pulverschnee liegen während die Schneeoberfläche an steilen Hangpassagen bereits verharscht ist.
Wichtig:
Bei der Beurteilung der Hangneigung ist stets die steilste Stelle des Hangs und die gesamte Fläche die abrutschen kann zu beachten. Wer auf das Befahren von Hängen über 30 Grad verzichtet, kann das Risiko einer Lawinenauslösung ganz erheblich reduzieren.
Wie bestimme ich die Hangneigung?
Ein unverzichtbares Hilfsmittel, Hangneigung, Hangform und Hangexposition zu bestimmen, ist eine topographische Landkarte. Je größer der Kartenmaßstab, desto besser lassen sich einzelne Geländeformen beurteilen. Ideal zur Orientierung sind Karten im Maßstab 1:25.000. Neuere Karten enthalten auch ein UTM-Kilometer-Raster für GPS. Die Höhenlinienabstände zeigen hierbei direkt die Neigung des Hangs an. Je enger die Linien beieinander liegen, umso steiler ist der Hang. Durch Ausmessen der Abstände zwischen den Höhenlinien kann man die Hangneigung ermitteln. Noch einfacher geht das bestimmen der Hangneigung mit einem Hangneigungsmesser. Die Bergtouren App von Ortovox bietet diesen sogar fürs Smartphone!
Faustregeln:
- Gelände das von Felsen durchsetzt ist, ist in der Regel steiler als 39°
- Gelände in dem sich Lockerschneelawinen von selbst lösen, ist steiler als 39°
- Bei Warnstufe drei (erheblich) keine Hänge über 35° befahren
- Bei Warnstufe zwei (mäßig) keine Hänge über 39° befahren
Hangexposition und Lawinengefahr
Unter Hangexposition versteht man die Ausrichtung des Hanges zur Himmelrichtung. Ein Nordhang zeigt demnach nach Norden und liegt demnach immer im Schatten. Südhänge hingegen werden am stärksten von der Sonne beschienen. Sonneneinstrahlung an südseitig ausgerichteten Hängen führt dazu, dass sich die Schneedecke verhältnismäßig schnell setzt und stabilisiert. In Nordhängen hingegen bleibt der Schnee länger unverfestigt und locker. Dadurch sind schattige Hänge mit einer Ausrichtung nach Nord, Nord-West, Nord-Ost und Ost wesentlich häufiger lawinengefährdet als Hänge die südseitig ausgerichtet sind. Im Lawinenlagebericht sind die akut gefährdeten Hangexpositionen exakt angegeben.
