NAS in nachdenklicher Stimmung.
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Music

Nas' Rückblick auf sein Debütalbum „Illmatic“

Zwanzig Jahre nach Erscheinen seines Debütalbums erinnert sich Nas an seine Anfänge.
Von: Florian Obkircher
3 min readPublished on
Hip-Hop-Star Nas.

Nas is back, back, back

© Def Jam Recordings

Nasir Bin Olu Dara Jones wuchs in Queensbridge, einem Problemviertel von New York City, auf. Sein Vater verließ die Familie, und Nas brach die Schule ab – die klassische Laufbahn eines Drogendealers war vorprogrammiert, könnte man meinen. Doch stattdessen nannte er sich Nas und veröffentlichte 1994 im Alter von 20 Jahren sein Debütalbum „ Illmatic“.
Das Album erwies sich als wegweisend: Nie zuvor wurden die harten Geschichten des Alltags auf solch eine poetische und musikalische Weise erzählt. Das Album gilt bei Kritikern, Fans und Musikern – wie beispielsweise ScHoolboy Q – auch heute noch als einer der großen Meilensteine im Hip-Hop. Das Re-Release zum 20. Jahrestag enthält neben Demos und Remixen auch unveröffentlichte Tracks. Nas nahm sich die Zeit, um nicht nur zu feiern, sondern uns von der Zeit zu erzählen, als er „Illmatic“ im Studio aufnahm.
„Illmatic“ gilt als eines der einflussreichsten Alben in der Geschichte des Hip-Hops. War dir damals bewusst, dass du ein wahres Meisterwerk in den Händen hieltst?
Auf jeden Fall. Ich wollte ein Album machen, das alles verändern würde. Wenn es heute nicht immer noch ein Gesprächsthema wäre, wäre es für mich ein Misserfolg. Ich wusste, dass es etwas Besonderes war. Ich war sehr gespannt und gleichzeitig unglaublich zufrieden, denn ich wusste, dass ich die Szene damit aufmischen würde.
Wenn du jetzt an 1994 zurückdenkst, erinnerst du dich da an dein Leben, als du für die Albumaufnahmen ins Studio gingst?
Na ja, ich habe ein ganz normales Leben gelebt. In Queensbridge gab es ein paar nette Lokale, wo ich mein Mittag aß, dann fuhr ich durch die Stadt, traf mich mit Freunden aus anderen Vierteln. Wir hörten viel Musik im Auto – von Gang Starr über Nice & Smooth bis zu NWA. Run-DMC hatten damals einen tollen Song namens Down With The King herausgebracht.
„Illmatic“ war nicht sofort ein Erfolg. Aus Sicht der Plattenfirma erfüllte es in Sachen Verkaufszahlen nicht die Erwartungen.
Ja, es war schwierig. Die Rapper der Westküste verkauften mehr Platten als alle anderen, und ich hatte gehofft, dass ich der New Yorker Seite helfen könnte, genau das Gleiche zu tun. Aber als „Illmatic“ herauskam, wurde klar, dass es sich nicht so gut verkaufte wie The Chronic [von Dr Dre]. Aber es war mein erstes Album, und daher war ich froh, dass sich überhaupt jemand für meine Songs interessierte und das Album mochte.
Was denkst du, wenn du dir Illmatic heute anhörst?
Meine Plattenfirma hat mich vor zwei Tagen gezwungen, es mir anzuhören. Ich muss sagen, es ist immer noch ein gutes Album. Es ist eine gute Platte mit ehrlichen Songs.
Warum ist „Illmatic“ auch nach all den Jahren noch so von Bedeutung?
In dem Album steckt viel Geschichte. Damals wurde ein Typ namens [Jose „Kiko“] Garcia in Washington Heights von Polizisten erschossen, und ich erwähnte ihn in einem Song. Ich rappe über das Supreme Team, eine Drogengang in Queens, und ihren Boss Supreme, der jetzt im Gefängnis sitzt. Ich rappe auf dem Album auch über Ron G, der schon damals ein sehr beliebter Mixtape-DJ aus Harlem war. Es war das erste Mal, dass jemand über diese Leute sprach, der sie auch wirklich persönlich kannte.
Es gibt Gerüchte, dass du an einer Fortsetzung arbeitest…
Nee, nicht wirklich. Eine Fortsetzung ist wirklich nicht nötig.
In der Juni-Ausgabe von „The Red Bulletin“ könnt ihr noch mehr über die Songs lesen, die Nas‘ Album „Illmatic“ beeinflussten. Die internationale Ausgabe könnt ihr mit der Gratis-App für iOS oder Android lesen.