Games
Fallout meets BioShock: 8 Gründe Prey zu spielen
Prey ist kein Shooter, sondern ein Mischwesen. Wir verraten euch, was ihn besonders macht.
Prey ist in vielerlei Hinsicht ein Mischwesen: angefangen beim Genre, über die Designsprache bis hin zur Verwandlung zwischen Mensch und Alien. Wir verraten euch, warum ihr euch darauf freuen könnt.
Alternative Zeitlinie
Das Coole an alternativen Zeitlinien ist die “Was wäre wenn”-Fantasie. Im Fall von Prey lautet diese: Was wäre passiert, wenn John F. Kennedy keinem Attentat zum Opfer gefallen wäre? Nun, er hätte sich mit der Sowjetunion zusammengetan, um das Raumfahrtprogramm voranzutreiben. Ausgangspunkt für die Handlung in Prey ist die Raumstation Talos-1, die unter Kennedy gebaut worden ist, und 2032 als Forschungslabor in privater Hand liegt. Das Unternehmen TranStar lässt dort an der Alienrasse Typhon forschen, um deren Fähigkeiten kennenzulernen und im zweiten Schritt auf den Menschen zu übertragen. Klar, dass die Aliens keinerlei Interesse an Experimenten haben. Und auch die menschlichen Probanden dürften sich die Frage stellen, ob diese moralisch fragwürdigen Tests am lebenden Objekt nicht möglicherweise irreparable Nebenwirkungen für Körper und Geist haben.
Audio-Logs und stumme Helden
Gordon Freeman ist euch ein Begriff, oder? Der Wissenschaftler aus Half-Life, der Zeuge eines Labor-Unfalls wird, bei dem Aliens durch einen Risse auf die Erde gelangen? Und der anschließend im Alleingang die aggressive Alienbrut mit allerlei schwerer Bewaffnung zurück ins All schickt? Morgan Yu könnte verwandt mit ihm sein. Der Protagonist oder die Protagonistin – die Wahl liegt bei euch –, ist ebenfalls Wissenschaftler und als solcher freiwilliger Teilnehmer des Alien-Experiments auf Talos-1. Wie schon Gordon Freeman scheint auch Morgan Yu multitalentiert zu sein – und stumm. Obwohl ein Mann der Wissenschaft, scheint ihm der Umgang mit Waffen und der Kampf gegen Aliens vertraut und kein Widerspruch zu sein. Als Mann der Tat lässt er lieber sein Arsenal und seine neu gewonnenen Fähigkeiten sprechen. Er selbst gibt das ganze Spiel über keinen Ton von sich. Alles, was wir über Morgan Yu, das Experiment und die Aliens erfahren, bekommen wir über Audio-Logs erzählt. Alex Yu, der Bruder von Morgan und Hauptverantwortlicher der Experimente, fragt uns immer mal wieder nach unserem Gesundheitszustand. Oder aber gibt uns Infos zu der Umgebung, in der wir uns gerade aufhalten. Denn offenbar haben die vielen Tests Auswirkungen auf das Erinnerungsvermögen der Teilnehmer. Vieles, was Morgan eigentlich bekannt sein müsste, ist ihm genauso fremd wie dem Spieler.
Objektophilie und Nekromantie
Wie fühlt sich eine Kaffeetasse? Was macht eine Schreibtischlampe den ganzen Tag? Falls eure Empathie sogar für den kleinsten Gegenstand im Raum ausreicht, könnt ihr aufatmen. In Prey könnt ihr euch im wahrsten Sinne des Wortes in eine Kaffeetasse hineinversetzen. Die Typhon sind eine gestaltwandlerische Alienrasse, die keinen richtigen Körper besitzt. Stattdessen sind die schwarzen Wesen in der Lage, sich in nahezu jedes leblose Objekt zu verwandeln. Und ihr könnt das auch! Zumindest, wenn ihr gesammelte Erfahrungspunkte vorab in den entsprechend Skill gesteckt habt. Ganz nach eurem Gusto entscheidet ihr, ob ihr lieber klassisch brachial mit Waffengewalt gegen die Angreifer vorgeht. Oder aber die Alternative sucht. Die offene Level-Architektur auf Talos-1 bietet mehr als eine Route zum Ziel. Nur sind nicht immer alle auf Anhieb als solche zu erkennen. Ein Beispiel: Die Tür zur Waffenkammer ist mit einem Code gesichert. Diesen verrät euch ein Gefangener, sobald ihr ihn frei lasst. Wenn ihr euch allerdings etwas in der näheren Umgebung umschaut, werdet ihr feststellen, dass eine kleine Öffnung ebenfalls in die Waffenkammer hinführt – gerade groß genug für einen Kaffeebecher.
Eure Talente beschränken sich aber nicht nur auf die Mimikry-Fähigkeit, sondern gehen weit darüber hinaus. Mittels Telepathie lasst ihr einige Typhon-Exemplare ihresgleichen angreifen oder – noch cooler – ihr beschwört ein Phantom aus einer der zahlreichen menschlichen Leichen, die überall auf Talos-1 an die Gewalt erinnern.
Menschliche Moral
Warum ihr nicht einfach den Gefangenen freilassen solltet, fragt ihr euch? Nun ja, ein Blick in seine Akte offenbart, dass er zurecht eingesperrt worden ist. Klar, der Angriff der Außerirdischen ist eine Ausnahmesituation, aber deswegen gleich sämtliche moralische Werte über Bord werfen? Prey lässt euch die Wahl: Wollt ihr den Gefangenen aus seiner Zelle retten und so den Code für die Waffenkammer kassieren. Oder wollt ihr ihn lieber zu einem unfreiwilligen Teil des Tests machen und die Typhon auf ihn loslassen. Immerhin könnt ihr so in aller Ruhe die drei Exemplare scannen und wertvolle Erfahrungspunkte sammeln. Allerdings müsst ihr dann mit dem Vorwurf eures neuralen Echos leben, das euch in Form der mysteriösen January ins Gewissen redet und an eure Menschlichkeit appelliert. Apropos Menschlichkeit: Die scheint durch die Experimente und das Implantieren der Alienfähigkeiten stark in Mitleidenschaft gezogen worden zu sein. Zumindest suggerieren dies Alex´ sorgenvolle Anrufe, in denen er sich über eure “innere Verwandlung” äußert.
Der Chic der Art déco
Preys Architektur schwitzt aus nahezu jeder Pore die DNA von BioShock. Die Umgebungen und Levels fühlen sich an wie die gespiegelte Fortsetzung zu Rapture – nur eben im Weltall. Trotz seiner Größe und offenen Struktur verströmt auch die Raumstation Talos-1 die klaustrophobische Beklommenheit der Unterwasserstadt, die bei entsprechendem Lichteinfall schon ans Horrorgenre grenzt. Die Schatten der wabernden, diffusen Masse der Typhon sehen aus wie verzerrte Angstschreie. Und besonders fies: Da sich die Typhon in völlig unscheinbare Alltagsgegenstände verwandeln können, springen sie euch gerne und unvermittelt aus dem Nichts an – stand da nicht eben noch ein Schreibtischstuhl?
Zu dem besonderen Flair der Raumstation trägt auch die Designsprache bei, für die sich der Entwickler entschieden hat. Der Look und das Interieur erinnern an die Strömung der Art déco aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, gepaart mit einem Hauch Science-Fiction. Obwohl Talos-1 hauptsächlich der Erforschung der Alienrasse dient, sehen die Flure und Korridore aus, als hätten russische Star-Architekten das Design verantwortet. Die Raumstation verströmt die ausladende Opulenz einer Moskauer Metro-Station, sodass man bei aller Erkundung Gefahr läuft, sich zu sehr von den detailreich gestalteten Umgebung ablenken zu lassen. Und das kann schnell tödlich enden.
Sammeln, basteln, bauen
Morgan Yu beherrscht dank der Experimente zwar erstaunliche Fähigkeiten. Ganz ohne Waffen steht ihr den Typhon aber trotzdem nicht gegenüber. Neben klassischer Ballistik, etwa in Form einer Schrotflinte, greift Morgan auch auf unkonventionelle Waffen zurück: Die Gloo-Gun etwa verschießt klebrige Brocken, mit denen ihr die Typhon kurzzeitig “einfrieren” könnt, um sie anschließend mit dem Schraubschlüssel in Form zu schlagen. Geht euch dafür mal die Munition oder die Medikits aus, baut ihr diese kurzerhand selbst. An bestimmten Stationen, ähnlich den Werkbänken aus Fallout, könnt ihr neue Gegenstände herstellen. Vorausgesetzt, ihr habt vorher genug Krempel gesammelt. Weil Morgan nahezu jeden Gegenstand zumindest anfassen und einen Großteil davon auch einstecken kann, lohnt sich ein Blick in jede Schublade. In einem Labor etwa klebt an jedem (!) Gegenstand ein Post-It mit dem Hinweis “Kein Mimic”. Jeden einzelnen davon habe ich in der Anspielsession eingesteckt. Wer in BioShock Infinite in alle Mülleimer gegriffen hat, um ein paar Münzen oder faulige Äpfel hervor zu kramen, weiß, wie absurd das ist. Aber: Wer weiß, wofür es mal gut sein könnte.
Viel zu tun
Natürlich hat Morgan Yu ein Hauptanliegen: die Typhon zu stoppen. Weil die Arkane Studios traditionell aber keine Schlauch-Levels entwickeln, ist auch Prey kein einfach konzipierter Shooter mit klarer Agenda. Links und rechts stoßt ihr auf Nebenmissionen, die ihr optional angehen könnt. Sie bescheren euch nicht nur neue Waffen oder Upgrades, sondern führen euch auch in Bereiche der Raumstation, die ihr andernfalls verpasst hättet. Das Questlog abzuarbeiten lohnt sich aber allein schon deshalb, weil ihr so noch mehr Hintergrundinformationen rund um die Experimente, zu den Typhon und über euch selbst als Charakter erhaltet. Möglicherweise hilft euch das dann bei der Entscheidungsfindung, wenn euch Prey mal wieder vor die Wahl stellt.
Bethesdas Retortenbaby
Als hätten die Entwickler bei den Arkane Studios in einer Experimentierküche BioShock mit Fallout und Dishonored gekreuzt – so spielt sich Prey. In einer idealen Welt irgendeiner Zeitlinie – hoffentlich in dieser – ist das Ergebnis ein rundum gelungener Genre-Mix aus Shooter und Rollenspiel in einem offenem Sci-Fi-Setting, das durch seine Handlung, sein Pacing und den Nervenkitzel Spannung erzeugt und zum Weiterspielen ermutigt. Nach unserer zweistündigen Anspielsession wollten wir zumindest unbedingt wissen, wie es weitergeht, was die Alienkräfte für Morgan Yu noch bedeuten, außer sich in eine Kaffeetasse verwandeln zu können, und was die Ursache für den Angriff der Typhon auf die Talos-1 gewesen ist. Hat möglicherweise jemand seine Finger im Spiel und ein besonderes Interesse daran, dass wir gegen die Typhon kämpfen? Weiß Alex Yu mehr, als er verrät? Die ersten Stunden mit Prey lassen Raum für Spekulation und Interpretation. Bethesda, wärst du so freundlich?
Übrigens habt ihr ab dem 27. April die Möglichkeit die erste Stunde von Prey in der Demo für PS4 und Xbox One zu erleben.




