Eishockey
200 K-Marke fällt im SAP Garden, altbekannte Aura hinter der Bande und eine Final-reife Playoff-Serie: Erfahre hier alles über den Saisonverlauf der Münchner Kufencracks.
Das Wort „Bounce Back Season“ geistert in (Eishockey)-München umher. Nicht immer klar verständlich beim dröhnenden Hämmern und Bohren auf der Baustelle, wo die neue Heimat des EHC Red Bull München in diesen Wochen ihren allerletzten Schliff bekommt.
Ob am Ende der SAP Garden, einer der drei neuen Kufencracks mit NHL-Erfahrung oder womöglich ein Rückkehrer, der das Wort „Meister“ nicht umsonst im Nickname (Andreas Eder) trägt, den größten Impact auf die Red Bulls haben wird, lässt sich zum Saisonstart eher schwer vorhersagen. Hier begleiten wir das Team durch die PENNY DEL-Saison 2024/25 und liefern regelmäßige Updates sowie Side-Facts zu Patrick Hager und Co.
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DEL Playoffs: Termine & Ergebnisse
März und April - über die Bedeutung dieser Monate im hiesigen Eishockey-Kalender scheint schon viel gesagt. Erstmals hält die "Geilste Zeit", von den Fans und Kufencracks mit dem gleichnamigen Hashtag in den sozialen Netzwerken zelebriert, Einzug in den SAP Garden (hier Playoff-Tickets kaufen).
Im Zwei- maximal Dreitagesrythmus müssen die Red Bulls in den Best of Seven-Serien einen laaaaangen Atem beweisen. Zwölf Siege braucht es vom Viertelfinale bis zum Titel. Seit der erstmaligen Teilnahme an den PENNY DEL-Playoffs (2015) knacken die Münchner als einziges Teams die Marke von 100 Post Season-Spielen. 69 Siege in 107 Partien schmücken die Bilanz, die Patrick Hager und Co. ab dem 16. März weiter ausbauen wollen.
Viertelfinale: Adler Mannheim (1:2 OT, 5:2, 5:2, 0:2, 3:4 OT, 1:2)
Eine Serie, die erst 2019 das Endspiel war. Gemessen an Intensität, den gefallenen All Time Records sowie der ungeschminkt ausgelebten Rivalität, die sogar auf das Trainer-Duell (Don Jackson vs Dallas Eakins) abfärbte, hätte sie es gut und gerne wieder sein können.
103 (!) Strafminuten verteilten die Refs alleine in Game 3 des Viertelfinals, darunter 70 gegen die Adler. Serientechnisch griffen zu diesem Zeitpunkt die Red Bulls durch zwei 5:2-Erfolge und der Rückkehr des gesperrten Top-Scorers Chris DeSousa nach dem Momentum der Viertelfinal-Serie.
Stattdessen kippte dieses in einem nicht weniger ruppigen Game 4 (0:2) in Richtung der Kurpfälzer, die fortan dreimal in Folge als Sieger vom Eis gehen sollten. Kleiner Trost aus Sicht der Münchner: Kapitän Patrick Hager stieg zum besten Punktesammler der Playoff-Historie auf und teilt sich Rang eins gemeinsam mit Patrick Reimer (je 91).
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Saisonverlauf Regular Season
Im Anschluss an eine durchwachsene Pre Season wuchs im Lager der Red Bulls die Hoffnung, dass sich die Learnings und knappen Niederlagen gegen Elite-Teams aus Europa, im Liga-Alltag in Erfolgserlebnisse verwandeln würden. Und siehe da: Dreimal jubelten die Münchner Kufencracks on the road. Die Einkehr im SAP Garden Anfang Oktober wurde zum Debütantenball. Erster Treffer in der neuen Heimat durch Ben Smith, DEL-Torpremiere von Tobias Rieder und in der Folge auch die ersten drei Punkte beim rauschenden 7:4-Erfolg gegen die Grizzlys Wolfsburg
Die Negativserie zwischen dem 6. und 8. Spieltag stoppte wiederum ein neues Gesicht hinter der Bande: Servus, Max Kaltenhauser! Der letztjährige DEL2 Trainer des Jahres (Eisbären Regensburg), zuvor Assistent von Head Coach Toni Söderholm und im Staff für das Powerplay der Red Bulls zuständig, sprang als Interimscoach ein - und entwickelte sich zur Dauerlösung! Ein Schnitt von 1,7 Punkten zum Deutschland Cup-Break (6. bis 10. November) zeugt davon, dass der 43-Jährige als Players Coach die richtigen Knöpfe bei seinen Spielern gedrückt hat.
Bis zum Jahresende 2024 pendelten die Red Bulls über viele Wochen zwischen den Playoff-Rängen vier und sechs hin und her. Deutlich spürbar ist trotz fehlender Wettkampf-Praxis der Impact von Will Butcher, dessen Time on Ice seit dem Debüt gegen die Nürnberg Ice Tigers (17 Minuten) langsam steigt. Eishockey-IQ, das Puck Handling eines Centers sowie eine vielleicht noch größere Antizipation ohne Scheibe - wohin das Skill-Set des früheren NHL-Verteidigers das Team in Verbindung mit dem ohnehin hohen Puck-Besitz (32,8%) trägt, erfahren wir nach dem Jahreswechsel. Bevor wir in 2025 reinschlittern, darf eine Feel Good-Story aus dem SAP Garden nicht fehlen.
32. Spieltag, zwei Tage vor Heiligabend, Spalierstehen für den Ex-Kapitän: Mit der Family und den drei DEL-Trophys im Gepäck läuft Michael "Michi" Wolf ein und durchlebt die ganze Emotionsskala, als sein Jersey mit der "13" einen festen Spot unter dem Hallendach - direkt neben der "29" von Kult-Goalie „Joey“ Vollmer - bekam. Zu diesem Zeitpunkt war den Red Bulls übrigens schon eine Einladung zu einer anderen Banner-Ceremony, diesmal mit einem Raod Trip nach Berlin verbunden, ins Office geflattert. Bitte mitbringen: Don Jackson!
Nur konnten Spieler, Fans und - bis 48 (!) Stunden vor dem Topspiel bei den zweitplatzierten Eisbären Berlin - nichtmal die Trainer-Legende selbst ahnen, dass dieser nach der Zeremonie noch den Weg hinter die Bande antreten würde: Willkommen zurück als (Interims)-Coach, Don! Ein Penalty-Drama mit drei Saves durch Mathias Niederberger entschied das Jackson-Comeback zu Gunsten der Münchner (3:2). Gleichzeitig der Beginn des längsten Streaks (sieben Siege) über die Saison 2024/25.
Mit der zurückgewonnen Konstanz lief das Team von Don Jackson als Fünfter der DEL-Hauptrunde ein. Dass im Dreikampf mit den Fischtown Pinguins sowie den Adler Mannheim nur drei Zähler für eine Top 4-Platzierung fehlten, mag sich wie ein L-Moment anfühlen. Siege in den direkten Duellen mit Mannheim (2:0), als der erst vor wenigen Wochen verpflichtete Goalie Evan Fitzpatrick einen Shutout feiern konnte, sowie gegen die tabellarisch besseren Playoff-Teams erzeugen dennoch ein Momentum für die Mitte März startenden DEL-Playoffs.
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Fan-Magnet SAP Garden
Sold Out-Heimspiele insgesamt: 17
Sold Out-Heimspiele in Folge: 11
Zuschauende alle Heimspiele: 264.573
Zuschauende pro Heimspiel: 10.176
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Neuzugänge
- Simon Wolf (Goalie EC Red Bull Salzburg)
- Adam Brooks (Stürmer, Lehigh Valley Phantoms)
- Tobias Rieder (Stürmer, Växjö Lakers)
- Taro Hirose (Stürmer, Grand Rapids Griffins)
- Will Butcher (Verteidiger, Barys Astana)
- Evan Fitzpatrick (Goalie, HK 32 Liptovsky Mikulas)
- Will Riedell (Verteidiger, Savannah Ghost Pirates)
Wer die bewegte Karriere von Tobias Rieder nicht kennt, kommt voreilig ins Schmunzeln. DEL-Debüt als Ü30-Spieler? „Klingt komisch - auch wenn ich so ziemlich jede Entscheidung und jeden Wechsel heute noch einmal genauso machen würde“, gibt auch der Niederbayer zu, der einst die DEL übersprang und direkt vom Zweitligisten EV Landshut ins Mutterland des Eishockeys gewechselt war.
„Auswärts habe ich immer am liebsten in Toronto und Montreal gespielt. Die Stimmung war magisch“, betont der 492-malige NHL-Spieler, der nach der Heimkehr mit seiner kanadischen Frau Laura und der vor wenigen Monaten geborenen Tochter Collins in der Nähe des Olympiaparks wohnt. „Der Bau des SAP Gardens hat schon viel dazu beigetragen, dass ich jetzt hier in München bin. Als ich zum ersten Mal drinnen war, habe ich sofort viel NHL-Flair gespürt.“
Was die Red Bulls mit diesem Neuzugang alles gewinnen? Einen Lautsprecher für den Locker Room. Einen Two-Way-Stürmer, der auf seinen fünf NHL-Stationen die Atmosphäre und den Flair der größten Stadien aufgesaugt hat. Und das Seite an Seite mit Connor McDavid und Leon Draisaitl im Rogers Place von Edmonton. Dazu kommen unzählige Gastspiele im Centre Bell (Montreal) oder im Madison Square Garden.
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Roster & Ziele
Auf einen reflexartigen Umbruch nach Rang fünf in der letztjährigen PENNY DEL Hauptrunde hat Christian Winkler als Managing Director Sports Red Bull Eishockey bewusst verzichtet. Mehr ein offensiver Reload mit drei neuen Stürmern sowie Vertrauen in die eingespielten Defensiv-Reihen, die das Team mit dem drittbesten Gegentor-Schnitt (2,5 pro Spiel) durch die Saison ins Playoff-Halbfinale getragen hatten.
Ob die Arrivierten um Konrad „Koni“ Abeltshauser (32) und Jonathon Blum (35), gleichzeitig einer der besten Blueliner (38 Scorer-Punkte) mit akkuratem Passspiel, noch mal zulegen können? Offensiv stellt sich diese Frage bei Playern wie dem nunmehr 36-jährigen Center Ben Smith. „Ich denke, dass viele Routiniers im Kader noch viel mehr im Tank haben als einige glauben“, erklärt Stürmer Tobias Rieder.
Im Kampf um den Titel findet sich der Linksschütze mit den Red Bulls in einer breiteren DEL-Spitzengruppe denn je wieder: „Wir brauchen nicht mehr über einen Zwei- oder Dreikampf zu sprechen. Über die letzten Jahre ist die Liga zu einem großen Anlaufpunkt für europäische Top-Spieler geworden, die sich auf viele Teams verteilen.“