Rap 💯
Noch mehr beeindruckende Jamaika-Bilder hat °awhodat° eingefangen, das charakteristische Auge des KitschKrieg-Kollektivs. Fotos von einem Sehnsuchtsort, gefolgt von einem Gespräch mit Trettmann:
Trettmann, welche Bedeutung hat der Song „Billie Holiday“ für dich?
Trettmann: Er ist einer meiner Lieblinge auf dem Album. Schon das Schreiben und Einsingen hat mir geholfen, mich aus der kreativen Sackgasse heraus zu hieven, in der ich mich zu dem Zeitpunkt befand. Ich singe auf dem Song ja von diesem Gefühl, inmitten aller Menschen alleine zu sein, nicht verstanden zu werden, immer auf der Suche zu sein. Als Künstler habe ich mich oft so gefühlt. Es geht also primär um meine Erfahrung. Ich finde immer wieder erstaunlich, welche Tragweite solche Stücke bekommen – einfach dadurch, dass viele Leute ähnlich empfinden oder in der gleichen Situation stecken.
Der Songtitel bezieht sich ja auf die Textzeile „Gib mir einen Song, den ich fühlen kann“, ein Billie-Holiday-Zitat. War Billie auch darüber hinaus ein Einfluss für dich?
Ich habe Billie Holiday zwar schon recht zeitig gehört, aber erst viel später begriffen, im Erwachsenenalter. Es war die Playlist meiner Freundin, die mich vor ein, zwei Jahren wieder dazu gebracht hat, tiefer zu diggen, Songtexte und ihre Biografie zu lesen. Jetzt geht’s nicht mehr ohne sie!
Du hast das Video zu dem Song auf Jamaika gedreht. Welche Bedeutung hat dieser Ort für dich und deine Crew KitschKrieg?
Eine große Bedeutung! Wir kommen alle aus der Soundsystem-Szene, die ihren Ursprung eben in Jamaika hat. Ich war das erste Mal Anfang der Neunziger dort und habe mich in Land und Leute verliebt, sodass ich im zweijährigen Rhythmus immer wieder hin musste. Anfang der 2000er hat sich das dann etwas gelegt. Ich war jetzt das erste Mal nach elf Jahren wieder da. Und was soll ich sagen? Der Link ist immer noch strong … zwei Wochen und all das kommt wieder zurück! Man muss verstehen: Ich hatte mit 20 echt das Fernziel, dort zu wohnen. Aber ich wurde zurückgehalten damals (lacht).
Wie hast du die Reise erlebt?
Es war einer meiner schönsten Aufenthalte dort. Ich war in der ersten Woche mit meinen Schweizer Freunden Stereo Luchs und Phenomden unterwegs. Phenomden wohnt seit einigen Jahren in Kingston und hat uns vom Flughafen abgeholt. Es ging direkt zu ‘nem Jerk Center und anschließend weiter nach Portland, was einer der schönsten Flecken Erde ist, die ich kenne. Einheimische spekulieren, dass die schlechten Straßen der Grund dafür sind, dass die „badness nah reach“. Heißt: die Leute sind entspannt und es gibt weniger Crime als auf dem Rest der Insel. Außerdem regnet es öfter, was für eine üppige Vegetation sorgt.
In der zweiten Woche schlugen dann KitschKrieg auf. Damit begann wie immer die Arbeit (lacht). Früh aufstehen, durchs Land fahren, Drehorte suchen und bei jedem geeigneten Spot rausspringen, um zu performen – bis spät abends. Die Zeit ist viel zu schnell vergangen. Ich hatte echt einen Kloß im Hals, als wir die fünf Stunden zum Flughafen in Mo’Bay gefahren sind, mit unserem Lieblingsmix auf repeat …
Was war dein Top-Moment der Reise?
Das war definitiv ein „Memorial Dance“ mit Ricky Trooper, der früher Selector – in Europa würde man sagen: DJ – beim berühmten Soundsystem Killamanjaro war und jetzt solo unterwegs ist. Auf Memorial Dances läuft hauptsächlich alte Musik. Ich bin da spontan mit zwei Freundinnen hin, als klar war, dass die Party, auf der wir vorher waren, abkackt. Wir sind dort angekommen und drei Stunden Gospel, vier Rum und zwei Spliffs später erschien dann Trooper und startete mit einer knackigen „Speech“ über das ewige Kommen und Gehen sowie vier Dubplates von Alton Ellis. Gleich im Anschluss kamen mehrere Dubs von Sizzla, Sanchez und Co.
Trooper bekommt momentan wohl kein Visum für USA und Europa, nachdem er vor ein paar Jahren auf Tournee mit scharfer Waffe posiert hat („Put it pan YouTube!“). Deswegen kann man diese Songs sonst nirgendwo hören. Das zu erleben, war ein krasser Moment für mich. Trooper ist eine Soundclash-Legende. Ich habe damals unzählige Mitschnitte von ihm gehört. Seine Sets waren mein Einstieg in Sachen Dancehall.
In dem Video ist ein massiver Boxenturm zu sehen. Wo habt ihr den bitte aufgestellt?
Den haben nicht wir aufgestellt, wir waren zu Gast bei einem der bekanntesten Soundsystems überhaupt: Bass Odyssey aus Alexandria/St.Ann. Wir haben einfach angefragt, ob sie Bock hätten, die Speaker aufzubauen, damit wir dort drehen können. Nachdem sie unsere Musik gehört hatten, kam das Okay. Dieser Sound hat Geschichte geschrieben, das ist eine große Ehre für uns, wenn unsere Produktionen über deren Boxen laufen. Die Boxentürme, die im Video zu sehen sind, sind übrigens nur zwei Drittel dessen, was da an Sound vorhanden ist.
Seit dem Release von “#DIY” hat deine Karriere eine rasante Entwicklung genommen. Was hat sich dadurch in deiner Kunst und allgemein deinem Leben verändert?
In meiner Kunst hat sich nicht viel verändert. Ich mach’ alles immer noch so, wie ich es schon immer getan habe. Ansonsten lebe ich gut. Ich war das erste mal im Plus am Jahresende, aber mach’ auch keine großen Sprünge. Wir ziehen einfach weiter durch.
What’s next?
Hits!