Gaming
Damit hatte niemand gerechnet: Innerhalb von nur wenigen Stunden wurde aus dem Gerücht um einen Battle-Royale-Shooter der Titanfall-Macher von Respawn Entertainment Realität. Aus dem Nichts landete Apex Legends in der Gameslandschaft mit dem gewaltigen Knall eines mächtigen Titans. Auch wenn sich der Staub um den genialen Mix aus Battle-Royale und Helden-Shooter noch immer nicht gelegt hat, wagen wir den Vergleich zu Call of Duty Black Ops 4: Blackout.
Apex Legends gegen Blackout: Welches Spiel ist besser und worin unterscheiden sich die Games?
Die Gemeinsamkeiten
Battle-Royale-Shooter sind auch im Spiele-Jahr 2019 DER Gaming-Trend schlechthin. Nach zwei gelungenen Titanfall-Games wagen sich nun also auch die Entwickler von Respawn Entertainment an das Genre, in dem spätestens seit der Veröffentlichung von Call of Duty Black Ops 4 drei große Namen um die Gunst der Spieler buhlen.
Der Blackout-Modus von Black Ops 4 ist es auch, mit dem Apex Legends die meisten Gemeinsamkeiten teilt. Beides sind Ego-Shooter, beides sind Battle-Royale-Spiele und beide machen verdammt viel Spaß. Das Grundgerüst um das Gameplay ist weitestgehend identisch: auch in Apex Legends sammelt ihr Waffen auf, die ihr mit verschiedenen Aufsätzen verstärkt.
Die Action in beiden Games fühlt sich relativ gleich an, auch das Gunplay liegt auf einem ähnlich hohen Niveau. Gemeinsamkeiten finden sich auch in den Items wie dem Rucksack, der euch mehr Ausrüstung mitnehmen lässt oder den verschieden starken Panzerungen. Ähnlich die Waffenklassen, die mit den üblichen Verdächtigen wie Sturmgewehr, SMG oder Schrotflinte samt dazugehöriger Munition ähnlich funktionieren.
Im Großen und Ganzen war es das allerdings auch schon an Gemeinsamkeiten, die die beiden Spiele teilen. Wenn es ums Eingemachte geht, sind Apex Legends und Blackout zwei grundverschiedene Spiele.
Die Preisfrage
Unglaubliche drei Millionen Spieler (davon 600.000 gleichzeitig) haben Apex Legends in den ersten 24 Stunden nach Release gespielt. Selbstverständlich war das Interesse am Spiel groß, doch gerade im Vergleich zu Blackout hat der Shooter einen nicht zu verachtenden Vorteil:
Was hat Apex Legends also dem Konkurrenten voraus? Genau: es ist kostenlos! Blackout hingegen ist Teil des Gesamtpaketes von Call of Duty Black Ops 4 das, im derzeit günstigsten Fall, mit mindestens 38 Euro zu Buche schlägt. Im Hinblick auf das großzügige Gesamtpaket aus Multiplayer, Battle-Royale und Koop-Modus zweifelsohne ein fairer Preis – aber günstiger ist immer besser oder?
Besonders bei einem Teamspiel wie Apex Legends, das man mit seinen Freunden erleben will. Die Barriere für den Einstieg ist also niedriger als bei Blackout, da das Game kostenlos für alle Spieler zugänglich ist.
Okay, in Apex Legends gibt es Mikrotransaktionen, allerdings könnt ihr für Echtgeld lediglich kosmetische Items erstehen oder neue Helden schneller freischalten. Das funktioniert allerdings auch, indem ihr einfach spielt – wenn auch nicht ganz so schnell.
Legenden gegen Perks
Doch auch aus spielerischer Sicht gibt es einige Punkte, in denen sich die beiden Kontrahenten unterscheiden. Apex Legends hat sich die Helden bei Overwatch abgeguckt, auch wenn sie hier Legenden genannt werden. Zum Beginn stehen euch acht abwechslungsreiche Charaktere zur Wahl, die jeweils mit drei einzigartigen Fähigkeiten aufwarten – das sorgt, in Kombination mit dem klassischen Battle-Royale-Gameplay, für ein frisches Spielgefühl.
Call of Duty Black Ops 4: Blackout hat keine Helden, dafür aber Perks, die ebenfalls für einen einzigartigen Twist sorgen. Konsumierbare Items, die euch für kurze Zeit mit besonderen Fähigkeiten ausstatten und euch die Schritte der Gegner hören lassen, nahen Loot anzeigen oder den Explosionsschaden verringern. Diese Perks sind für maximal 300 Sekunden aktiv. Danach gibt’s das klassische, aber ohnehin gelungene Shooter-Gameplay der Call of Duty-Serie.
Jeder Held in Apex Legends verfügt über eine nützliche passive Fähigkeit, die immer aktiv ist, sowie einen aktivierbaren Skill und ein besonders mächtiges Ultimate. Die könnten unterschiedlicher nicht ausfallen: von einer Heildrohne über eine Seilrutsche bis hin zu Köder-Attrappen wird alles geboten, was auch nur ansatzweise Sinn macht. Das Balancing hinterlässt bereits jetzt einen hervorragenden Eindruck.
Vergleichbar sind die Skills am ehesten mit dem Equipment in Blackout, das ihr allerdings aufsammeln müsst. Sensorpfeil, Greifhaken oder Trophy-System erweisen sich im Eifer des Gefechts ebenfalls als äußerst nützlich – sofern ihr denn in den Genuss kommt, die Items überhaupt zu finden.
Die Skills in Apex Legends sind immer vorhanden und müssen nicht gesammelt werden. Dafür gibt’s für insgesamt sieben Waffen besondere Aufsätze, die den Schaden erhöhen oder die Streuung minimieren.
Teamplay: Option oder Pflicht
Einer der größten Unterschiede zwischen den Spielen? In Blackout ist Teamplay optional, es gibt auch einen Solo-Modus. In Apex Legends hingegen nicht: ihr zieht immer als Dreier-Team in die Schlacht, wahlweise mit Freunden oder via Matchmaking mit anderen Spielern.
Selbstverständlich geht der Fokus auf Teamplay auch mit einigen Gameplay-Besonderheiten einher: in Apex Legends dreht sich alles um das Zusammenspiel. Dabei geht der Free-to-Play-Shooter deutlich weiter ins Detail, als es Blackout tut.
Spielt ihr zusammen Blackout, könnt ihr euch gegenseitig wiederbeleben. Außerdem dürft ihr gemeinsam im Quad, Hubschrauber oder Truck über die Map heizen. Das war’s dann aber auch schon mit dem Zusammenspiel.
Ganz anders Apex Legends, obwohl das Spiel komplett auf Fahrzeuge verzichtet. Da wäre zum Beispiel das einzigartige Ping-System, in dem ihr über ein Ring-Menü Kommandos an eure Teamkameraden übermitteln und so die nächste Route vorschlagen oder Feindpositionen durchgeben könnt. Unglaublich nützlich.
Doch auch bei den Wiederbelebungen geht der Shooter von Respawn weiter ins Detail: gefallene Kameraden können am Boden wiederbelebt werden. Ist die Zeit abgelaufen, habt ihr allerdings zusätzlich noch die Möglichkeit, die Erkennungsmarke aufzusammeln und eure Kameraden an einem Respawn-Punkt zurückzuholen. Die starten dann zwar erneut ohne Ausrüstung, aber hey: besser, als alleine weiterzumachen ist das allemal.
Ein weiterer genialer Kniff, den Apex Legends der Konkurrenz voraushat: Während in Blackout und Co jedes Mitglied des Squads einzeln aus dem Flugzeug abspringen muss, übernimmt das der Anführer – genannt Jumpmaster. Alle anderen Teammitglieder folgen automatisch und landen somit direkt in der Nähe. Auf Wunsch lässt sich der Synchronflug allerdings auch deaktivieren.
Dass eure Teamkameraden den Absprung verpennen, weil sie wieder einmal nebenher am Smartphone gammeln, gibt’s hier nicht. Hinzu kommt, dass mit den verschiedenen Legenden einige durchschlagskräftige Kombos möglich sind.
Gibraltars Schutzkuppel zusammen mit Lifelines Heildrohne zum Beispiel. Oder Wraiths Portale in Kombination mit Bangalores Rauchgranate. Die Möglichkeiten sind vielfältig. Blackout hat dem kostenlosen Konkurrenten allerdings eines voraus: Couch-Koop.
In Black Ops 4 könnt ihr mit bis zu zwei Spielern an einer Konsole an den Battle-Royale-Schlachten teilnehmen. Trotz geteiltem Bildschirm ein riesiger Spaß. In Apex Legends hingegen funktioniert die Spielvermittlung nur alleine.
Das Spielgefühl
Wer hätte es gedacht: die Helden in Apex Legends sorgen für ein Gameplay, das sich stark von Black Ops 4 abhebt. Klar, die Grundidee ist dieselbe, aber durch die Klassen und das Zusammenspiel der Charaktere ergibt sich ein ganz anderes Spielgefühl.
Aber auch, weil die Karte kleiner ausfällt und mit 60 Spielern auf einem Server deutlich weniger Gegner auf der Map unterwegs sind, als in Call of Duty. Das Gameplay ist schneller, die Action intensiver und die Rundenzeiten fallen mit 15-20 Minuten deutlich kürzer aus.
Wo wir schon von der Map sprechen: Die Blackout-Karte setzt sich aus bekannten Maps der Vorgänger zusammen, darunter Nuketown, Fracking oder Firing Range und bietet eine Menge Abwechslung. Nicht alleine in den Umgebungen, sondern vor allem im Terrain. Die Baustelle im Nordwesten bietet riesige, mehrstöckige Gebäude, Ballungszentren wie Firing Range sind von hohen Bergen umgeben, die eine hervorragende Übersicht über das darunter liegende Gelände ermöglichen.
Die Karte von Apex Legends fällt zwar ebenfalls abwechslungsreich aus und bietet mehrere Ebenen, geht dabei allerdings nicht ganz so stark ins Detail. Dafür erwartet euch im Respawn-Shooter ein abwechslungsreicheres Movement. Nicht nur, dass überall Seilrutschen zum schnellen Überwinden riesiger Distanzen einladen, das Game verzichtet konsequent auf Fallschaden. Ihr könnt euch also einfach aus schwindelerregender Höhe direkt hinter einen Gegner fallen lassen, was ganz neue Möglichkeiten eröffnet.
Beim Waffenverhalten und den eigentlichen Kämpfen nehmen sich beide Spiele jedoch nur wenig. Apex Legends legte einen blitzsauberen Start hin, Serverprobleme oder –ausfälle gibt es so gut wie keine, genauso wie in Blackout. Die Performance beider Spiele liegt ebenfalls auf einem ähnlich hohen Niveau.
Die Inhalte und Zukunft
Das größte Problem, vor dem Apex Legends noch steht ist die Versorgung mit neuen Inhalten. Mit gerade einmal acht Helden und einer Karte fällt der Umfang überschaubar aus. Ein Battle Pass samt neuer Helden, Waffen und Items ist allerdings schon angekündigt. Zudem wollen die Entwickler das Spiel in mehreren Seasons, ähnlich wie in Rainbow Six Siege, mit neuem Content erweitern. Ob es wie in PUBG neue Karten geben wird, ist allerdings noch unklar.
Blackout auf der anderen Seite führte erst im Dezember die Yacht Hijacked als neuen Bereich auf der Karte ein. Derzeit werkeln die Entwickler bereits an Season 3, die ebenfalls neue Gebiete und Items bringen soll. Schon Operation Absolut Zero lieferte einen ersten Ausblick darauf, wie Treyarch den Battle-Royale-Modus von Call of Duty Black Ops 4 verändern kann, da muss Apex Legends noch nachlegen.
Dabei darf man allerdings nicht vergessen, dass Apex Legends gerade einmal eine Woche am Markt und dafür bereits sehr gut aufgestellt ist. Allerdings steht und fällt der Erfolg des Spiels letztlich mit den Erweiterungen und der Hoffnung, dass die bereits vorhandenen Mikrotransaktionen auch zukünftig ausschließlich kosmetischer Natur bleiben werden.