Motorbike Enduro
Ein Blick hinter die Kulissen des legendären Red Bull Erzbergrodeo
Das Red Bull Erzbergrodeo ist weit mehr als Motorsport – entdecke die Menschen, die Leidenschaft und die harte Arbeit hinter einem der härtesten Rennen der Welt.
Jedes Jahr kommen bis zu 1.500 Fahrer:innen mit den unterschiedlichsten Skillsets zum Red Bull Erzbergrodeo. Im Laufe der ersten drei Tage wird dieses Feld auf die 500 schnellsten Qualifikant:innen reduziert, die im fulminanten Hauptevent antreten. Diejenigen, die beim Red Bull Hare Scramble am Start stehen, zählen bereits zur absoluten Enduro-Elite. Doch wenn vier Stunden später die Zielflagge fällt, sind es vielleicht nur ein Dutzend, die die Ziellinie überquert haben.
Diese Tatsache hat dem Rennen den Ruf eingebracht, eines der härtesten Enduro-Events der Welt zu sein. Aber schon lange bevor das Rennen beginnt, spielen zahlreiche Menschen eine wichtige Rolle beim Red Bull Erzbergrodeo, von den Organisator:innen, die es möglich machen, über die Fans, die für die Atmosphäre sorgen, bis hin zu den Ridern, die Jahr für Jahr wiederkommen.
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Der Vordenker
Karl Katoch ist der Erfinder und Organisator des Red Bull Erzbergrodeo.
© Sam Strauss/Red Bull Content Pool
Karl Katoch: "Am Renntag selbst bin ich völlig entspannt. Niemand glaubt mir das, aber es ist wahr. Der Grund dafür ist mein Team. Alle wissen, was sie zu tun haben. In den vergangenen Jahren war viel Improvisation im Spiel. Das haben wir durch Professionalität ersetzt. Jetzt sind wir so gut organisiert, dass das Red Bull Erzbergrodeo auch ohne mich am Steuer funktionieren würde. Am Renntag selbst ist meine Arbeit das reine Vergnügen, der Höhepunkt eines ganzen Jahres der Vorbereitung. Nach dem Start, den ich zusammen mit Heinz Kinigadner unten im Tal durchführe, habe ich eine gute Stunde Zeit, um das Geschehen auf der Strecke an ausgewählten Punkten zu genießen. Dann fahre ich hinunter zur Ziellinie, um die Finisher zu begrüßen. Der Blick in ihre Augen, die gemeinsame Freude, das Abklatschen: Das ist es, was es jedes Jahr so besonders macht."
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Der Streckenbauer
Georg Adamek: "Ich bin hier 2006 ins Ziel gekommen, nur einen Platz hinter dem amerikanischen Superstar Jeremy McGrath. Damals hatte ich keine Ahnung von den Feinheiten des Geländes. Es dauert Jahre, bis man wirklich den Dreh raus hat. Wir bekommen erst drei Wochen vor dem Rennen einige Informationen. Das macht die Strecke so spannend - und die Tatsache, dass wir so viele verschiedene Interessen unter einen Hut bringen müssen: zum Beispiel die des Landbesitzers, der Jäger und der Sicherheit. Die Strecke selbst wird von Hand gebaut, ganz ohne Bagger. Die Ausrüstung - Motorräder, Reifen - hat sich im Laufe der Jahre verbessert, was unsere Arbeit beeinflusst. Was vor zehn Jahren noch schwierig war, ist für die heutige Generation fast ein Kinderspiel. Wir treffen unsere Entscheidungen aus dem Bauch heraus. Unser Job ist erledigt, wenn das beste Dutzend der Welt die Ziellinie erreicht hat. Das ist der Standard. Ich selbst könnte das heute nicht schaffen, nicht einmal annähernd."
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Der Zeitnehmer
Peter Nesuta: "Ich mache diesen Job seit dem ersten Rennen im Jahr 1995. Mit der Größe der Veranstaltung ist auch ihre Komplexität gewachsen. Andererseits macht die moderne Technik vieles einfacher. Früher haben wir mit Lichtschranken gearbeitet, heute bekommen alle Teilnehmer:innen einen Transponder. Damals hatten sie Aufkleber auf ihren Helmen, und an jedem Kontrollpunkt wurde ein Kästchen abgestempelt. Später gab es Karten, die mit einer Zange gestanzt wurden: Stern, Mond, Herz. Von Anfang an gab es Fahrer:innen, die versuchten zu schummeln: Sie fuhren von Kontrollpunkt eins zu vier, fünf und sechs, weil dort noch kein Verkehr war, und fuhren erst dann in aller Ruhe zu zwei und drei. Verschiedene Motorräder, verschiedene Helme: Ich habe alles schon gesehen. Aber warum schummeln? Der Berg ist der Gegner. Für Fairness zu sorgen, ist mein Job und der meiner zehn Mitarbeiter:innen."
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Die Bergführerin
Anne Lovrin: "Seit 2010 habe ich etwa 300 Bergführer:innen koordiniert. Sobald sich jemand auf den Berg begibt, wird er oder sie ausnahmslos von uns begleitet. Wir sind hier wie die Polizei. Das ist auch nötig, denn wir befinden uns in einem aktiven Bergbaugebiet. Unsere Guides machen die Arbeit auf freiwilliger Basis. 93 Prozent kommen wieder; nur sieben Prozent sind jedes Mal neu dabei. Das sorgt für Kontinuität. In meinem Hauptberuf bin ich für die Passagierabfertigung am Flughafen für Austrian Airlines zuständig. Meine Koordinationsfähigkeiten helfen mir am Erzberg, ebenso wie mein Durchsetzungsvermögen. Was du im Alltag in einem Jahr erlebst, erlebst du hier an einem einzigen Wochenende. Von Sonnenschein über Schnee bis hin zu Stürmen haben wir schon alles erlebt. Es sind meine Guides, die dafür sorgen, dass die Veranstaltung reibungslos abläuft. Darauf bin ich stolz. Ich denke, die Menschen sind es, die den Erzberg besonders machen."
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Der Moderator
Andi Brewi: "Ich moderiere das Event schon seit über zehn Jahren. Eigentlich komme ich aus der Mountainbike-Szene, aber ich bin auch schon immer Motorrad gefahren. Ich habe Karl Katoch auf einer Messe kennengelernt. Er hat mich ins kalte Wasser geworfen. Es fühlte sich ein bisschen wie eine Universitätsprüfung an, denn das Publikum beim Red Bull Erzbergrodeo ist extrem sachkundig, und jeder Mangel an Vorbereitung würde sofort auffallen. Du kannst dir keine Fehler leisten. Am Wochenende bin ich nicht nur dafür verantwortlich, für Informationen und eine gute Atmosphäre zu sorgen, sondern auch dafür, dass das Publikum weiß, welche Regeln es zu beachten hat. Das ist in einem aktiven Bergbaugebiet einfach unerlässlich. Außerdem halte ich die Rider-Besprechungen ab und kommentiere das gesamte Rennen am Sonntag live. Von all meinen Jobs ist der beim Red Bull Erzbergrodeo der vielfältigste, es ist eine echte Mischung. Ich habe so viel gelernt."
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Der Sicherheitsbeauftragte
Erwin Schume: "Während des Rennens sitze ich in der Kommandozentrale und überwache die Situation auf dem Berg über mehrere Funkkanäle. Draußen sind wir in Teams organisiert, die aus drei Elementen bestehen. In jedem Rettungsfahrzeug befindet sich neben den Sanitäter:innen und Notärzt:innen ein:e Bergretter:in, denn nur sie kennen den Berg genau. Zwei Motorrad-Guides sorgen für die Eskorte. Wir haben neun Rettungsfahrzeuge vor Ort, plus Hubschrauber in Bereitschaft. Wenn ein Team seine Position aufgrund eines Zwischenfalls verlassen muss, nimmt das nächste Team seinen Platz ein. Die gesamte Logistik ist hochkomplex und genau choreografiert. Jedes Rennen hat seine eigene Dynamik. Eine Faustregel lautet: Wenn es im Laufe des Wochenendes zu einem Unfall kommt, werden mehrere weitere folgen. Eine weitere Faustregel: Ein Fünftel des Feldes wird im Laufe des Wochenendes mit uns in Kontakt kommen, allerdings meist wegen kleinerer Verletzungen wie Schürfwunden oder Prellungen."
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Die Fans
Lukas und Gerd: "Es ist eine echte Show, die ganze Atmosphäre vom frühen Morgen bis spät in die Nacht. Es ist einfach fantastisch. Unser Favorit ist der Brite Graham Jarvis. Wir verfolgen ihn schon, seit wir Teenager waren. Er ist ein wirklich guter Trial-Fahrer und mit seinen 50 Jahren immer noch voll dabei! Wir haben hier immer tolle Partys gefeiert. Das Bierbankrutschen ist legendär!"
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Die Neulinge
Jonas Albert: "Es ist eine unglaubliche Erfahrung - so viele Profi-Rider auf einem Fleck! Wir sind gestern Abend mit Mama aus Schweinfurt, Deutschland, angekommen - Papa hat sich beim Fahren verletzt - und wir schlafen hier im Wohnwagen. Wir fahren am Sonntag zurück, weil wir am Montag in der Schule sein müssen. Wir haben vor fünf Jahren damit angefangen - und haben immer von diesem Rennen geträumt! Wir waren am Start wirklich nervös und hatten Angst, bei diesen Geschwindigkeiten zu stürzen, aber alles lief glatt. Wir sind sehr zufrieden mit unseren Platzierungen im Prolog und im Rennen selbst haben wir es bis zum Checkpoint 13 und Checkpoint 9 von insgesamt 27 Checkpoints geschafft."
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Die Speed-Queen
Viktoria Dorfer: "Ich bin mit zehn Jahren das erste Mal Motorrad gefahren, habe mit 12 Jahren meine ersten Rennen bestritten und wusste schon früh, dass ich Endurofahrerin werden wollte. Ich habe 2023 und 2024 den KRKA Enduro Raid und 2025 sogar die Enduro Trophy gewonnen. Letztes Jahr startete ich zum dritten Mal beim Prolog des Red Bull Erzbergrodeos. Der Erzberg ist mein Hausberg, und ich liebe es, hier als eine von 16 Frauen neben den Männern zu fahren. Ich habe es geschafft, beim Prolog der Frauen den zweiten Platz zu belegen, genau wie 2023! Meine ganze Familie fährt Motorrad - Mama, Papa, Bruder. Unser Hobby ist ein toller Ausgleich zu meinem Job als Metallarbeiterin im Familienbetrieb in Trofaiach."
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Der Meister
Manuel Lettenbichler: "In den letzten Jahren ist es üblich geworden, dass am Montag und Dienstag Touren am Berg stattfinden, an denen viele Profis teilnehmen. Da diese Touren Abschnitte des Red Bull Erzbergrodeos abdecken, haben wir so die Möglichkeit, uns an das sehr spezielle Gelände zu gewöhnen. Auch wir kennen die genaue Strecke am Renntag nicht, also reise ich am Sonntag vor dem Rennen an, idealerweise mit voller körperlicher und geistiger Energie. Das Red Bull Erzbergrodeo ist das Highlight unserer Saison, und das willst du nicht vermasseln. Mein Plan ist einfach: alles geben. Es gibt keinen Platz für taktische Spiele. Es ist zu leicht, einen Fehler zu machen. Also gehe ich proaktiv vor und konzentriere mich auf mich selbst. Die Nervosität ist jedes Jahr enorm, und daran haben auch meine vier Siege in Folge nichts geändert. Aber die Tatsache, dass ich das erste Mal mit 16 Jahren gewonnen habe, macht mich vielleicht noch stolzer als mein erster Sieg später. Das zeigt die Mystik, denn einfach nur ein Erzbergfinisher zu sein, ist unglaublich schwer zu erreichen."
Das Red Bull Erzbergrodeo 2026 findet vom 4. bis 7. Juni 2026 statt und du kannst die Action live auf Red Bull TV verfolgen