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Vampire, ein düsteres Mittelalter-Setting, eine intensive Story und Entscheidungen, die den Spielverlauf maßgeblich beeinflussen. Was kann da schon schiefgehen? The Blood of Dawnwalker entpuppt sich als eines der spannendsten Rollenspiele seit Jahren. Besonders wenn man bedenkt, dass hinter dem neu gegründeten Studio ehemalige The-Witcher-3-Entwickler:innen stecken. Die Erwartungen fallen entsprechend hoch aus, doch das neue Open-World-Rollenspiel erfüllt diese fast ausnahmslos.
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Worum geht's in The Blood of Dawnwalker?
In The Blood of Dawnwalker schlüpfst du in die Rolle von Coen, der im Jahr 1349 mitten im Wüten der Pest lebt. In einem abgelegenen Tal in den Karpaten herrschen die Vrakhir, eine Vampirdynastie unter der Fuchtel Fürst Brencis. Sie schützen die Bevölkerung zwar vor Seuche und Feinden, verlangen im Gegenzug aber regelmäßige Blutopfer. Wie das Vampire nun mal so tun. Ein faires Abkommen? Nun, das liegt ganz bei dir.
Als Brencis Coens Dorf niederbrennt und seine Familie verschleppt, wird Coen selbst verwandelt. Dabei geht beim Ritual etwas schief: Statt zum vollwertigen Vampir wird er zum Dawnwalker, einem Halbblut. Tagsüber Mensch, nachts Vampir. Ab sofort tickt die Uhr: Brencis plant, Coens Familie in 30 Ingame-Tagen bei einer Krönungszeremonie zu opfern. Was es seitens des Helden natürlich zu verhindern gilt.
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Das 30-Tage-System: Zeitdruck, der nicht nervt
Wer The Blood of Dawnwalker betrachtet, kommt natürlich nicht darum, das 30-Tage-System des Rollenspiels anzusprechen. Wer The Legend of Zelda: Majora's Mask gespielt hat, kann in etwa erahnen, was einen hier erwartet.
Statt dich stundenlang mit Nebenaufgaben zu verzetteln, teilt das Spiel jeden Tag in feste Zeitabschnitte ein. Quests, Reisen und größere Aktionen kosten dich davon jeweils einen Teil, freies Erkunden dagegen nicht. Du siehst also immer vorher, was dich eine Entscheidung kostet.
Damit bricht Dawnwalker bewusst mit der klassischen Open-World-Formel, bei der du erst mal 20 Stunden lang Nebensächlichkeiten erledigst, bevor du dich der eigentlichen Story widmest. Stattdessen musst du ständig abwägen: Lohnt sich der Zeitaufwand für diese eine Quest oder brauchst du die Stunden lieber für eine andere Aufgabe? Bummelst du zu lange mit anderen Aktivitäten herum, während eine Quest aktiv ist, kann sich die Ausgangslage ändern oder die Aufgabe sogar fehlschlagen.
Doch keine Sorge: Das Zeitkonto ist dabei aber fairer bemessen, als es zunächst wirkt. Bei umsichtiger Planung bleiben etliche der vorgegebenen Tage für einen Story-Durchlauf übrig. Du musst also keineswegs jede einzelne Stunde auf die Goldwaage legen, spürst das tickende Uhrwerk aber in praktisch jeder Entscheidung, sei es die Wahl zwischen einer barmherzigen, aber langwierigen Lösung oder dem schnellen, brutalen Weg.
Verstreichen die 30 Tage, ohne dass du deine Familie rettest, gibt es kein hartes Game Over. Die Geschichte läuft stattdessen in einer alternativen Fassung weiter, die sich im Epilog wieder mit dem Hauptstrang verbindet, offenbar als Fundament für weitere Geschichten im Dawnwalker-Universum. Das sorgt in The Blood of Dawnwalker für einen unterschwelligen Druck, der zu keinem Zeitpunkt nervt, das Spielgefühl aber positiv beeinflusst. Eben weil alle Entscheidungen spürbar mehr Tiefe erhalten.
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Tag und Nacht: Mensch oder Vampir?
Halb Mensch, halb Vampir: Die Doppelnatur von Coen zieht sich durch praktisch jeden Aspekt des Spiels. Als Mensch bewegst du dich tagsüber unauffällig durch besetzte Siedlungen, kannst mit Shopbesitzern handeln und wie eine ganz normale Person durchs Tal laufen. Kommt es zum Kampf, greifst du zum Schwert. Deine Heilung ist dabei begrenzt: Zwischen Gefechten hilft Nahrung, während des Kampfes musst du auf Medizin aus deinen Schnellzugriffsslots zurückgreifen, die sich nicht mitten im Gefecht auffüllen lassen. Das macht Kämpfe als Mensch anstrengender und zwingt dich, deinen Vorrat sorgfältig einzuteilen.
Sobald die Nacht hereinbricht, verwandelt sich Coen in einen vollwertigen Vampir mit deutlich größerem Machtrepertoire: Teleportation, eine Verwandlung in einen Wolf, Hypnose und das Aussaugen von Gegnern gehören zum nächtlichen Werkzeugkasten. Der Haken dabei: Nachts bist du auffälliger unterwegs und Wachen greifen dich eher sofort an, statt mit dir zu reden.
So gut das Konzept auf dem Papier klingt, in der Praxis fühlen sich Mensch und Vampir im Kampf eine Spur zu ähnlich an, weil beide letztlich denselben Grundmechaniken folgen und sich vor allem in den Spezialskills unterscheiden. Als Vampir bist du zudem durch passive Heilung, Lebensraub bei Paraden und Angriffen sowie generelle Bonuswerte auf Dauer deutlich überlebensfähiger als in Menschenform, was den eigentlich spannenden Kontrast zwischen beiden Seiten etwas abschwächt. Laune macht das Konzept aber allemal.
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Intensive Kämpfe in The Blood of Dawnwalker
Was ebenfalls gut funktioniert, ist das Kampfsystem. Im Zentrum steht eine richtungsbasierte Steuerung: Du schlägst je nach Stellung des linken Analogsticks in eine bestimmte Richtung. Immer mit dem Ziel, die Deckung deines Gegners zu umgehen. Richtig zur Geltung kommt das System in der Verteidigung: Hältst du den Stick in die Richtung, aus der ein Schlag kommt und drückst im richtigen Moment die Blocktaste, parierst du den Angriff und kannst sofort kontern. Das fühlt sich ausgesprochen gut an.
Gesteuert wird das Ganze über eine Ausdaueranzeige, die du für Angriffe, Ausweichmanöver und den "Omniblock" aufwendest, der jeden ankommenden Treffer abwehrt. Richtungsblocks kosten dagegen keine Ausdauer und starten sogar deren Regeneration, weshalb du im Idealfall so viel wie möglich gezielt pariert statt wild drauflos zu blocken. Durch das Sammeln von Treffern und Paraden füllst du zudem "Aktivierungspunkte", die du für Spezialfähigkeiten wie das Betäuben mehrerer Gegner gleichzeitig einsetzen kannst.
Das Ergebnis ist ein System, das Duellen einen echten Rhythmus verleiht und dich auch nach vielen Stunden noch fordert, weil schnelle Reaktionen gefragt sind. Die Kehrseite: Weil du im Spielverlauf extrem viel kämpfst, teils gegen Gegner, die sich über Dutzende Spielstunden kaum verändern, nutzt sich die Erfahrung für manche Tester über die Zeit spürbar ab. Zu schwer wird das Game dabei zu keinem Zeitpunkt. Kampf- und Rollenspiel-Schwierigkeit sind getrennt regelbar, sodass du zum Beispiel Parierfenster, Gegnerschaden, Ausdauerkosten und Heileffizienz unabhängig voneinander anpassen kannst, um die Balance nach deinem Geschmack zu justieren.
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Die Story ist der Star des Spiels
Die größte Stärke von The Blood of Dawnwalker sind aber zweifellos die Handlung und Quests. Das Tal ist förmlich übersät mit Quests und nahezu jede von ihnen erzählt eine eigene, oft überraschend bewegende Geschichte, von den intriganten Plänen rebellischer Widerstandskämpfer über die Machenschaften einzelner Vampire bis hin zu kleinen Momentaufnahmen am Wegesrand. Klassische Sammel- und Botenaufgaben bleiben dabei erfreulicherweise die Ausnahme, nicht die Regel.
Besonders die Questreihen rund um Brencis' drei Statthalter gehören zu den stärksten im Spiel. Sie rekrutieren Soldaten, treiben das Blut der Bevölkerung ein und halten die Massen bei Laune. Indem du ihre Operationen sabotierst, lockst du sie irgendwann aus der Deckung und bekommst die Chance, sie zu stellen. Auf dem Weg dorthin erwarten dich handfeste moralische Entscheidungen. Wie du dich entscheidest, hat echte, teils erst viele Spielstunden später sichtbare Konsequenzen: Du kannst dich praktisch jedem wichtigen Quest-NPC entledigen, was spätere Aufgaben verändert, verkürzt oder komplett unmöglich macht, weil die entsprechende Figur schlicht nicht mehr da ist, um sie dir zu geben.
Ein besonderer Kniff kommt aus Coens vampirischer Seite selbst: Sinkt seine Gesundheit zu weit, taucht in Dialogen zunehmend die Option "Gib dem Hunger nach" auf, hüpft dabei sogar in der Liste umher und tarnt sich mitunter als andere Antwortmöglichkeit, um dich in Versuchung zu führen. Ist deine Gesundheit niedrig genug, bekommst du die Wahl irgendwann gar nicht mehr und Coen greift sein Gegenüber automatisch an, mit allen Konsequenzen für die Story.
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Optisch beeindruckend, aber nicht frei von Tadel
Technisch zeigt sich The Blood of Dawnwalker überwiegend eindrucksvoll, kämpft aber mit klassischen Unreal-Engine-5-Kinderkrankheiten. Dazu gehören gelegentliche Objekt- und Texturenpop-ins, kleinere Bildausfälle in Dialogen, sowie vereinzelt hakelige Trefferboxen im Kampf. Keines dieser Probleme gilt als spielentscheidend, aber sie treten oft genug auf, um über die gesamte Spielzeit spürbar zu sein, weshalb sich regelmäßiges manuelles Speichern empfiehlt.
Auch die deutsche Sprachausgabe kommt nicht ganz ohne Kritik davon: Cast und Übersetzung sind grundsätzlich gelungen, bei Abmischung und Betonung in emotional wichtigen Szenen fehlt aber mitunter die letzte Präzision. Rebel Wolves hat bereits vor dem offiziellen Release nachgepatcht und mittlerweile einige Updates nachgeschoben, um diese Probleme in den Griff zu bekommen. In sich wirkt The Blood of Dawnwalker aber absolut stimmig und punktet mit einer gelungenen Atmosphäre.
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The Blood of Dawnwalker: RPG-Fans haben Freude
The Blood of Dawnwalker ist ein mutiges, erzählerisch außergewöhnlich starkes Debüt, das mit seinem 30-Tage-System und dem Mensch-Vampir-Dualismus tatsächlich frischen Wind ins Open-World-Genre bringt, statt die bekannte Formel nur zu kopieren. Die Stärken liegen klar bei den durchweg gut geschriebenen Quests, den vielschichtigen Charakteren und spürbaren Konsequenzen, die dem Spiel echtes Gewicht geben. Die Schwächen zeigen sich dort, wo Dawnwalker klassischer wird: im Skillsystem mit seinen vielen kaum spürbaren Perks, im Kampf, der sich über die lange Spielzeit etwas abnutzt und in technischen Kinderkrankheiten, die noch nicht durch die Bank behoben wurden (auch wenn die Entwickler:innen dran sind).
Wer tiefgründige Story-RPGs im Stil von The Witcher 3 mag, bei denen Entscheidungen wirklich etwas bedeuten und ein moderater Zeitdruck für zusätzliche Spannung sorgt, bekommt hier eines der interessantesten Rollenspiele des Jahres. Wer dagegen auf entspanntes Open-World-Abarbeiten ohne jede Uhr im Nacken steht oder technische Unebenheiten gar nicht verträgt, wartet besser noch auf den ein oder anderen weiteren Patch, bevor er ins Sangora-Tal aufbricht.