Die Inseln des Nationalparks bestechen durch ihre einzigartigen Formationen
© Sophie Hofstädter
Travel

Komodo-Nationalpark: Paradies mit Biss

Der Komodo-Nationalpark ist ein Archipel, wo du zauberhafte Landschaften entdecken kannst – urzeitliche Drachen inklusive. Präsentiert von Reiseautorin Sophie Hofstädter.
Autor: Sophie Hofstädter
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Es ist ein früher Morgen am Pier der indonesischen Insel Gili Meno. Trotzdem haben die Temperaturen längst die 25-Grad-Marke überschritten. Ich hieve meinen viel zu schweren Reiserucksack in das Speedboot, mit dem ich von der kleinen Insel, unweit von Bali, abgeholt werde. Am Abend zuvor habe ich dort noch eine Tauchsession unternommen – mit Taucherbrille, Schnorchel und Flossen be­waffnet, habe ich mich kurz vor Sonnenuntergang auf die Suche nach den bekannten Unterwasserstatuen gemacht, die vor der Küste der Mini­insel Wache halten – und bin tatsächlich fündig geworden.
Diese Impressionen wirken jetzt noch nach auf der fünfzehnminütigen Speedboot-Fahrt zur Insel Lombok. Hier verfrachte ich mein Gepäck in ­einen Minivan, der rund ein Dutzend andere Reisende und mich ans andere Ende der Insel bringen soll. Die Fahrt dauert etwa eine ­Stunde und führt über teil­weise zer­trümmerte Straßen. Keine ­Seltenheit in dieser ­Region, die immer wieder von ­schweren Erdbeben erschüttert wird.
Der Komodo-Nationalpark besteht aus 29 Inseln und ist UNESCO-Weltnaturerbe.

Der Komodo-Nationalpark besteht aus 29 Inseln und ist UNESCO-Weltnaturerbe.

© Sophie Hofstädter

Nach der holprigen Fahrt ist es Zeit, mein Zuhause für die kommenden drei Nächte zu beziehen: ein Pinisi – ein traditionelles indonesisches Segelschiff, wie es ursprünglich auf der Insel Sulawesi ­gebaut wurde. Geschlafen wird unter Dach auf dem ­oberen Deck. Die Szenerie ­erinnert ein wenig an das ­Matratzenlager einer jugend­lichen Übernachtungsparty.
Das Partygefühl verfliegt bei den meisten jedoch schon wenige Stunden später, als das Schiff durch heftigen Wellengang massiv ins Schwanken gerät. Nun verstehe ich auch, warum wir beim Abendessen zuvor von Plastiktellern ge­gessen haben. Denn in der Kombüse fliegen Teller, Tassen und andere Küchenutensilien quer durch die Gegend.
Am nächsten Morgen sieht die Welt aber schon wieder ganz anders aus: Das Pinisi fährt seelenruhig in eine Bucht des Komodo-Nationalparks ein, und wir steuern ­unseren ersten Stopp an: den beliebten Pink Beach! Dank winziger roter Korallen­stücke, die sich unter den Sand ­mischen, erstrahlt dieser in ­einem zauberhaften Rosa wie aus einer Märchenwelt. Nach kurzer Inspektion des Strands geht es für mich auf eine kleine Wanderung zum ­höchsten Punkt dieser Insel – barfuß, versteht sich!
Hier ist die Heimat des Komodowarans, eine der giftigsten Echsen der Welt

Hier ist die Heimat des Komodowarans, eine der giftigsten Echsen der Welt

© Sophie Hofstädter

Für das später servierte Abendessen bedanke ich mich, nicht ohne Stolz, mit den indo­nesischen Worten terima kasih. Das führt dazu, dass ich mich während des Essens mit einem der Bootsjungen über die indonesische Sprache unterhalte. Ich stelle überrascht fest, dass diese einige Parallelen zum Deutschen ­aufweist. Grund dafür ist, dass Indonesien lange Zeit eine ­niederländische Kolonie war. Die niederländische Sprache, die dem Deutschen bekanntlich ähnlich ist, hat damals auch Einfluss auf die indone­sische genommen.
Nach einer deutlich ruhi­geren Nacht halten wir am nächsten Morgen beim Manta Point. Zu meiner Verblüffung sehe ich durch meine Taucherbrille nicht nur die erwarteten Mantarochen, sondern auch Schildkröten und einen Weißspitzen-Riffhai. Letztgenannter ist für Menschen übrigens absolut ungefährlich.
Sophie begutachtet die 48 lebensgroßen Unterwasserstatuen vor Gili Meno.

Sophie begutachtet die 48 lebensgroßen Unterwasserstatuen vor Gili Meno.

© Sophie Hofstädter

Später legen wir an einer weiteren Insel an, um jene ­Tiere zu besuchen, die den ­Nationalpark weltberühmt machen – die Komodowarane. Das Gift und der hoch­infek­tiöse Speichel dieser Riesenechsen können selbst einen ausgewachsenen Wasser­büffel umhauen. Als wir bei den „Drachen von Komodo“ ankommen, sind diese jedoch frisch gefüttert und stellen für uns keine Gefahr mehr dar. Sicherheitshalber halte ich trotzdem einen Respekt­abstand zu den vom Aus­sterben bedrohten Tieren ein. Diese sind von mir aber ­deutlich weniger beeindruckt und aalen sich gemütlich in der Nachmittagssonne.
Eine letzte Nächtigung im Matratzenlager später laufen wir im Hafen von Labuan Bajo ein. Ich schultere ich meinen Rucksack wieder und verlasse das Pinisi mit dem tiefen ­Wissen, dass ich in den letzten drei Tagen einen der wohl ­unberührtesten und atem­beraubendsten Plätze der Erde besucht habe.

Hinkommen

  • Per Luft und Schiff: Du kommst zum Komodo-Nationalpark, indem du ­direkt nach Labuan Bajo, Indonesien, fliegst und von dort aus eine Boots­tour machst. Flüge nach ­Labuan Bajo gibt es von Bali aus ­mehrmals täglich.
Zum Komodo-Nationalparkt kommst du nur per Flug oder Boot.

Zum Komodo-Nationalparkt kommst du nur per Flug oder Boot.

© TRB

Gut zu wissen

  • Einreise: Österreicher ­benötigen bei der Einreise nach Indonesien für touristische Zwecke ein Visa on Arrival. Dieses kostet 29 Euro und ist für 30 Tage gültig.
  • Reisezeit: Die beste Zeit für einen Besuch im Komodo-­Nationalpark ist während der Trockenzeit von April bis Dezember.
  • Die lokale Währung: ­Bezahlt wird in Indonesien mit Indonesischen Rupien. Ein Euro entspricht un­gefähr 17.300 IDR.
Mehr Reisetipps findest du auf sophiaway.com und auf Insta: @sophiawayy