Tennis
Wimbledon Dresscode: Darum tragen die Spieler:innen Weiß
Da Wimbledon immer näher rückt, werfen wir einen genaueren Blick auf eine der bekanntesten Regeln im Tennis und finden heraus, warum noch immer auf diese Tradition gesetzt wird.
Jedes große Tennisturnier hat seinen ganz eigenen Charakter. Die French Open in Roland Garros stehen für ihre berühmten roten Sandplätze, die US Open für ihre lebhaften Nachtmatches und die Australian Open für den intensiven Sommersonnenschein. Wimbledon hingegen wird von einer einzigen Farbe geprägt: Weiß.
Auf dem Rasen des Lawn Tennis & Croquet Club ist die Kleidung, die Spieler:innen wie Matteo Berrettini, Iva Jovic und Jakub Menšík tragen, nicht einfach nur eine Frage des persönlichen Stils. Sie spiegelt eine der berühmtesten Traditionen und strengsten Regeln des Turniers wider. Shirts, Kleider, Shorts, Röcke, Mützen, Stirnbänder, Socken und Schuhe müssen alle fast vollständig weiß sein. Kein Grau oder Hellblau: In Wimbledon gibt es nur eine zulässige Farbe, und das ist Weiß.
Auf den ersten Blick mag diese Regel archaisch wirken, besonders in einer Sportart, die mittlerweile ultramodern geworden ist. Dennoch bleibt sie eines der markantesten Merkmale des Turniers.
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Eine der strengsten Kleiderordnungen im Sport
Die Vorschriften von Wimbledon lassen kaum Spielraum für Interpretationen. Die Athlet:innen müssen von dem Moment an, in dem sie den Platz betreten, eine fast vollständig weiße Tennisbekleidung tragen.
Die amerikanische Tennisspielerin Iva Jovic setzte bei ihrem Outfit Akzente
© Marleen Fouchier/BSR Agency/Getty Images
Farbige Details werden nur in geringem Umfang toleriert, insbesondere in Form von farbigen Streifen (nicht breiter als ein Zentimeter), und sind streng reglementiert. Sogar Accessoires unterliegen diesen Regeln: Stirnbänder, Schweißbänder, Socken, Mützen und Schuhe sind alle davon betroffen.
Die Strenge der Regeln macht Wimbledon zu einem Sonderfall im Profi-Tennis. Anderswo haben die Spieler:innen viel mehr Freiheit, ihren eigenen Stil oder den ihres Ausrüstungssponsors zum Ausdruck zu bringen. In London haben die Turnierveranstalter das Sagen.
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Gab es in Wimbledon schon immer die Vorschrift, komplett in Weiß zu spielen?
Um die Regel der komplett weißen Kleidung zu verstehen, müssen wir einen Blick auf die gesellschaftlichen Ursprünge des Tennis werfen. Im späten 19. Jahrhundert wurde der Sport in privaten Clubs auf Rasenplätzen in einem sehr exklusiven Umfeld gespielt.
Weiß etablierte sich als Farbe, die mit Eleganz, Disziplin und einer gewissen Vorstellung von Seriosität assoziiert wurde. Es vermittelte ein Gefühl der Zurückhaltung, das eng mit den gesellschaftlichen Normen der viktorianischen Ära verbunden war.
Aber es gab auch einen praktischen Grund. Auf weißer Kleidung war Schweiß weniger sichtbar als auf farbiger. In einer Gesellschaft, in der körperliche Anstrengung diskret bleiben sollte, war diese Funktion fast genauso wichtig wie die Eleganz selbst. So ermöglichte das Weiß der Outfits, sportliche Leistung mit der Sauberkeit zu verbinden, die die Londoner High Society des 19. Jahrhunderts verlangte.
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Weiß gekleidet: ein visuelles Markenzeichen, das sich weltweit durchgesetzt hat
Im Laufe der Zeit hat sich diese Vorgabe zu einem bedeutenden Pluspunkt für das Image des Sports entwickelt. Weiß vor grünem Rasen ist heute eine der stärksten visuellen Identitäten im Sport. Eine Totale vom Centre Court reicht schon aus, um Wimbledon zu erkennen. Die weißen Linien, der Rasen und die makellosen Silhouetten bilden eine ikonische Bildsprache.
In einer Sportwelt, die von Farben, Logos und Sonderkollektionen überflutet ist, setzt Wimbledon auf Schlichtheit. Dieser zurückhaltende Stil bildet zudem einen markanten Kontrast zur Intensität des modernen Spiels. Die Spieler:innen treten in Outfits auf, die aus einem anderen Jahrhundert stammen, schlagen den Ball jedoch mit der Kraft, Geschwindigkeit und Präzision des heutigen Tennis. Genau darin liegt die Besonderheit des Turniers: Es kontrastiert die Ruhe der Kulisse mit der kontrollierten Intensität der Leistung.
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Eine Art, das Spiel in den Mittelpunkt zu rücken
Die „All-White“-Regel dient zudem einem einfachen Gedanken: In Wimbledon muss das Spektakel vom Tennis selbst ausgehen und nicht von der Kleidung. Indem das Turnier das Erscheinungsbild der Spieler:innen weitgehend vereinheitlicht, minimiert es visuelle Ablenkungen. Die Persönlichkeit verschwindet nicht, muss sich aber anderswo ausdrücken.
Dieser Ansatz spiegelt die Identität wider, die Wimbledon über die Jahre sorgfältig gepflegt hat. Das Turnier präsentiert sich als ein Ort, an dem Tradition wichtiger ist als individueller Ausdruck, an dem altehrwürdige Bräuche das Verhalten prägen und an dem jedes Detail Athlet:innen und Zuschauer:innen gleichermaßen daran erinnert, dass sie Teil einer Geschichte sind, die weit über sie selbst hinausgeht.
Jakub Menšík setzt grüne Akzente, die zu den legendären Rasenplätzen passen
© Clive Brunskill/Getty Images
Für die Sieger:innen wird diese Einschränkung fast zu einer zusätzlichen Prüfung. Um in Wimbledon zu gewinnen, reicht es nicht aus, niedrige Bälle, rutschigen Untergrund und den Druck auf dem Centre Court zu meistern. Es geht auch darum, die Regeln des Turniers zu akzeptieren und es zu schaffen, innerhalb dieses Rahmens zu glänzen.
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Eine strenge Tradition, aber nicht ganz in Stein gemeißelt
Die rein weiße Kleiderordnung gilt seit langem als eines der strengsten Symbole von Wimbledon. Das ist nach wie vor so, doch sie hat auch eine bedeutende Entwicklung durchlaufen. Seit 2023 dürfen Spielerinnen unter ihren weißen Outfits mittel- oder dunkelgefärbte Shorts tragen. Diese Änderung geht auf ein praktisches Anliegen ein: die Verringerung von Ängsten im Zusammenhang mit dem weiblichen Zyklus und die Verbesserung des Komforts der Athlet:innen während des Wettkampfs.
Das war eine bedeutende Entwicklung, denn sie zeigte, dass Wimbledon seine Traditionen anpassen kann, wenn das Thema die Leistung und das Wohlbefinden der Sportler:innen direkt betrifft. Das Turnier behält seine Identität bei und akzeptiert gleichzeitig eine entscheidende Nuance.