Marco Odermatt am Start der Lauberhornabfahrt 2025.
© Verein Int. Lauberhornrennen
Alpine Skiing

Schneller, höher, weiter – Alle Fakten zur Lauberhornabfahrt in Wengen

Das Lauberhornrennen in Wengen ist die längste und schnellste Abfahrt des FIS Ski World Cups und ein absoluter Klassiker im Skisport!
Autor: Andi Spies
6 min readPublished on

Fakten zur Downhill-Strecke:

  • Streckenlänge: 4,5 km
  • Höhenunterschied: 1028 hm
  • Steilste Stelle: 41 Grad
  • Durchschnittstempo: 106,33 km/h
  • Highspeed-Rekord: 161,9 km/h
  • Schnellste Gesamtzeit: 2:22,58 min
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Rekorde ohne Ende

Die Lauberhornabfahrt – Home of Legends – ist mit einer Streckenlänge von knapp 4,5 Kilometer das längste Downhill-Weltcuprennen der Welt. Circa zweieinhalb Minuten sind die Fahrer in tiefer Abfahrtshocke unterwegs, wenn sie vor der Megakulisse der Berggiganten Eiger, Mönch und Jungfrau um die Podiumsplätze fahren und dabei 1028 Höhenmeter überwinden. An der steilsten Stelle müssen sie ein Gefälle von 41 Grad bewältigen.
Bis 2025 hielt Kristian Ghedina (ITA) den legendären Streckenrekord mit 2:24,23 Minuten (1997) bei einem Durchschnittstempo von 106,33 km/h. Doch im Januar 2025 pulverisierte Marco Odermatt (SUI) diesen Wert: Mit seiner neuen Bestzeit von 2:22,58 ist er aktuell der schnellste Fahrer, der jemals die komplette Lauberhornabfahrt gefahren ist.
Den Highspeed-Rekord hält jedoch ein anderer: Johan Clarey (FRA) erreichte am Hanneggschuss 2013 mit 161,9 km/h die höchste je gemessene Geschwindigkeit im alpinen Skiweltcup. Zum Vergleich: Die berüchtigte Streif in Kitzbühel ist bei einem Höhenunterschied von 860 Metern 3,3 Kilometer lang, die Fahrer erreichen bis zu 140 km/h und der Streckenrekord liegt bei 1:51,58 Minuten.
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Wie alles begann

Im Jahr 1930 wird der Zwergplanet Pluto entdeckt, das Klebeband erfunden, der erste farbige Ton-Zeichentrickfilm gezeigt – und das erste Lauberhornrennen ausgetragen! Am 2472 Meter hohen Lauberhorn in Wengen im Schweizer Kanton Bern messen sich die Skirennläufer in einem Super-G, einer Abfahrt und einem Slalom. Hauptgründer des Rennens ist der Wengener Ernst Gertsch (geboren am 1. Januar 1900!), der auch als Sieger des ersten Slaloms in die Annalen eingeht.
Die Lauberhornrennen sind damit eines der ältesten bis heute durchgeführten Ski-Events über-haupt, und das älteste Rennen im Skiweltcup. Seit 1967 gehören die «Horerennen» zum FIS Ski World Cup. Auch die Rennen in Adelboden und Kitzbühel zählen zu den traditionsreichsten Aus-tragungsorten und sind ebenfalls seit Beginn des Weltcups dabei – jedoch reichen ihre Wurzeln nicht ganz so weit zurück wie jene der Lauberhornrennen von 1930.
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Das Rennen in Zahlen

Zuschauer

80'000 (Zuschauerrekord LHR 2025)

Zieltribüne

2000 Zuschauer

1/5
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Der Streckenverlauf bis zur Canadian Corner

Die krass lange Strecke am Lauberhorn ist gespickt mit gefürchteten Passagen. Der Start liegt auf 2315 Meter und führt zunächst in ein Flachstück, auf dem die Gleitfähigkeiten der Abfahrer gefragt sind. Richtig ab geht es dann am Russisprung, an dem die Rennläufer 40 bis 50 Meter weit fliegen. Im folgenden Traversenschuss erreichen sie erstmals ein Tempo von mehr als 130 km/h. Über Traverse und Panoramakurve geht es dann zum Hundschopf, einem spektakulären Sprung an einer Engstelle zwischen zwei Felsen, der 15 Meter in die Tiefe führt. Nach einer Linkskurve folgt an der Minsch-Kante der nächste Jump. Eine weitere Challenge ist die Canadian Corner, eine stark drehende Kurve am nach links abschüssigen Übergang in den Alpweg.
Zuschauersicht auf das Lauberhornrennen in Wengen 2025

Jährlich zieht das Rennen zehntausende Zuschauer in seinen Bann.

© Verein Int. Lauberhornrennen

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Die zweite Streckenhälfte bis ins Ziel

Auf die Gleitpassage am Alpweg folgt das Kernen-S, vom Schweizer Skistar Bernhard Russi als „verrückteste Schikane des Weltcupzirkus“ bezeichnet. An der Wasserstation wartet mit einem engen Tunnel eine weitere Besonderheit der Strecke. Auf das langgezogene Gleitstück Langentrejen folgt der berüchtigte Hanneggschuss, ein dunkler Steilhang mitten im Wald, an dem die Fahrer nur noch alle zehn Meter den Boden berühren und bis zu 160 km/h schnell werden – Rekord im Weltcup! Über Silberhornsprung, Wegscheide und Österreicherloch erreichen die Downhiller das Ziel-S: eine technisch anspruchsvolle Rechts-Links-Kombination, an der sich das Rennen oft entscheidet. Sie bringt die Rennläufer zum extrem steilen Zielschuss und schließlich ins Ziel in Innerwengen. Bei 100 km/h wird dort das Aufstehen aus der tiefen Hocke und das Bremsen im engen Zielbereich zur letzten Challenge für die Athleten. Uff – überstanden!
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Die Namen der Passagen

Viele der schwierigsten Passagen der Lauberhornabfahrt wurden im Laufe der Zeit nach spektakulären Stürzen umgetauft. Eine Ausnahme bildet der nach Bernhard Russi benannte Russisprung. Der Olympiasieger baute dort für eine TV-Sendung eine Schanze aus Schnee – die Idee fand Rennleiter Fredy Fuchs so gut, dass er sie 1988 für das Rennen übernahm. Die Minsch-Kante ist dagegen nach dem Schweizer Josef „Jos“ Minsch benannt, der hier 1965 im Training zu weit flog und stürzte. Die Canadian Corner hat ihren Namen von den „Crazy Canucks“ Dave Irwin und Ken Read, die hier 1976 crashten. Das Kernen-S hieß ursprünglich Brüggli-S und wurde 2007 nach dem Rücktritt des Schweizers Bruno Kernen umbenannt, der zehn Jahre davor hier einen schweren Sturz fast unverletzt überstanden hatte. Das Österreicherloch schließlich bekam seinen Titel im Jahr 1954, nachdem die Österreicher Toni Sailer, Anderl Molterer und Walter Schuster an der gleichen Stelle gescheitert waren.
Sehr zu empfehlen: Skigymnastik aus dem Jahr 1986 mit Bernhard Russi bei der du die gesamte Strecke in der Abfahrtshocke nachfahren kannst!
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Die Athleten mit den häufigsten Siegen

Rekordsieger in der Abfahrt ist der Wengener Karl Molitor (SUI), der zwischen 1939 und 1947 insgesamt sechs Siege feierte. Toni Sailer (AUT) gewann von 1955 bis 1958 viermal in Serie, sein Landsmann Karl Schranz ebenfalls viermal zwischen 1959 und 1969. Zu den erfolgreichsten Fahrern am Lauberhorn zählt auch Beat Feuz (SUI), der wie Rudolf Graf (SUI) und Franz Klammer (AUT) dreimal ganz oben auf dem Treppchen stand – nämlich 2012, 2018 und 2020. Zusätzlich gewann Feuz 2021 auch das in Kitzbühel ausgetragene Ersatzrennen für die Lauberhornabfahrt, die aufgrund der COVID-19-Pandemie abgesagt werden musste. Marco Odermatt siegte bis zur Austragung 2025 zweimal am Lauberhorn.
Franjo von Allmen, Marco Odermatt, Miha Hrobat

Franjo von Allmen, Marco Odermatt, Miha Hrobat

© Pentaphoto / Red Bull Content Pool

Name

Siege

Karl Molitor (1939, 1940, 1942, 1943, 1945, 1947)

6

Toni Sailer (1955, 1956, 1957, 1958);

4

Karl Schranz (1959, 1963, 1966, 1969)

4

Rudolf Graf (1941, 1944, 1949)

3

Franz Klammer (1975, 1976, 1977)

3

Beat Feuz (2012, 2018, 2020)

3

Heinz von Allmen (1937, 1938)

2

Bode Miller (2007, 2008)

2

Othmar Schneider (1951, 1952)

2

Fritz Steuri (1931, 1932)

2

Stephan Eberharter (2002, 2003)

2

Marc Girardelli (20. und 21. Januar 1989)

2

Marco Odermatt (2024, 2025)

2

Vincent Kriechmayr (2019, 2022)

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Kurioses: Abkürzung für das Schlitzohr

Erst in hohem Alter lüftete er das Geheimnis: Beim ersten seiner sechs Lauberhorntriumphe profitierte Rekordsieger Karl Molitor 1939 auf ungewöhnliche Weise von seinem Heimvorteil – und das war nur möglich, weil es damals noch keine Kameras und kaum Zuschauer an der Strecke gab. Am Vorabend des Rennens nahm nämlich der Dorflehrer den 18-Jährigen beiseite und erklärte ihm, dass er für ihn mit seinen Schülern beim Staubbachbänkli eine 150 Meter lange Abkürzung zwischen zwei Toren in den Tiefschnee stampfen würde. Die Piste machte dort eigentlich eine Rechtskurve, die Abkürzung führte dagegen auf direktem Weg zum nächsten Tor. „Im Rennen fand ich die Stelle“, erinnerte sich Karl Molitor viele Jahre später. „Doch das Problem war, dass meine Privatpiste nur eine Skilänge breit war.
Ich konnte kaum bremsen und wurde so schnell, dass ich fürchterlich stürzte, als ich wieder auf die Piste kam.
Karl Molitor
Doch Molitor hatte Glück: Er konnte weiterfahren und erreichte mit wenigen Stockstössen das Ziel – als Sieger mit neun Sekunden Vorsprung!
Tickets für die Lauberhornrennen gibt es unter www.lauberhorn.ch.