Der Teamname «Zouk» ist ein Wortspiel der Vornamen von Zoé (l.) und Anouk.
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Beachvolleyball

Anouk und Zoé Vergé-Dépré: Schwestern, Rivalinnen, Power-Duo

Lange kämpften sie gegen­einander. Mittlerweile sind die Schwestern Anouk und Zoé Vergé-Dépré ein Team. Und greifen auf dem Weg zu den Olympischen Spielen 2028 gemeinsam die Weltspitze an.
Autor: Christof Gertsch
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Als sie lange genug darüber nachgedacht hatten, lange genug alles hin und her gewendet, sich ausgetauscht, Ängste abgewogen und Möglichkeiten geprüft hatten, ging Zoé hinaus auf die Strasse, in der sie damals wohnte. Es war kein weiter Weg. Ein paar Schritte nur, hinüber zur anderen Seite, zur Wohnung ihrer sechs Jahre ­älteren Schwester Anouk. Dort liess sie ­einen Zettel in den Briefkasten gleiten.
Bereits die Eltern von Zoé (r.) und Anouk waren Profi-Volleyballer.

Bereits die Eltern von Zoé (r.) und Anouk waren Profi-Volleyballer.

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«Willst du meine Beachpartnerin werden?», stand darauf geschrieben. Dazu drei Ankreuzoptionen: Ja. Nein. Vielleicht.
So hatten sie das früher gemacht, als Kinder im Haushalt der Vergé-Déprés in Bern, wenn es um Spiele und Abmachungen ging, um kleine Bündnisse für einen Nachmittag. Später dann, auf dem Pausenplatz, um die erste Liebe.
Doch jetzt ging es um etwas anderes. Nicht unbedingt um etwas Wichtigeres – was ist schon wichtiger als die Liebe? –, aber um etwas Existenzielleres. Es ging um die Frage, ob sie, die beiden talentierten Schwestern, bereit waren, mindestens die nächsten vier Jahre ihres Lebens zu teilen. Ob sie ein Team sein wollten. Zwei Schwestern im Sand. Auf dem Weg an die Olympischen Spiele 2028 in Los Angeles.
Zoés Vibe ist urbaner, sie strahlt Ruhe aus – auch auf dem Platz.

Zoés Vibe ist urbaner, sie strahlt Ruhe aus – auch auf dem Platz.

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Die Antwort, die Anouk in Zoés Briefkasten legte, war ein Polaroidfoto. Darauf hielt sie ein Blatt Papier in den Händen, und darauf stand, in dicken Buchstaben, nur ein Wort: Ja. Aber konnte das gut gehen, zwei Schwestern, von denen die eine gerade den grösstmöglichen Erfolg gefeiert und die andere die grösstmögliche Nieder­lage erlitten hatte?
Nicht lange davor, im Mai 2024, hatte sich nach einem anderthalbjährigen, ­zermürbenden Qualifikationskampf entschieden, wer zu den Olympischen Spielen in Paris reisen würde. Und wer nicht. Zoé hatte sich mit ihrer damaligen Partnerin Esmée Böbner den zweiten Schweizer Quotenplatz gesichert – auf Kosten von Anouk und ihrer Partnerin Joana ­Mäder. Die Rollen hatten sich vertauscht: Die jüngere Schwester schwang obenauf, die ältere – drei Jahre zuvor in Tokio noch Olympiadritte – blieb zurück.
Anouk weinte Tränen der Frustration und versuchte sich gleichzeitig für ihre Schwester zu freuen. Zoé weinte Tränen vor Glück, litt aber auch mit Anouk. Zwei Gefühle, die sich widersprachen – und doch beide der Wahrheit entsprachen.
Quotation
Viele Teams sind in einer Zweck­beziehung. Privat? Gibt es wenige Berührungspunkte.
Und nun sollte ausgerechnet aus dieser Konstellation ein neues Team ent­stehen. Auch, weil die Wege mit ihren ­bisherigen Partnerinnen an ein Ende ­gelangt waren: Esmée Böbner wollte ­Osteopathin werden, Joana Mäder ein Kind bekommen. Aber wie wird aus Rivalität Vertrauen?
Zoé liebt Streetstyle, Malen und Kochen, hört Afrobeats & karibische Songs.

Zoé liebt Streetstyle, Malen und Kochen, hört Afrobeats & karibische Songs.

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Es half, dass Anouk und Zoé nie nur Beachvolleyballerinnen gewesen waren. Die Kindheit der Vergé-Déprés war unternehmungslustig, nicht zielgerichtet. Sie spielten Fussball, gingen in die Leicht­athletik, tanzten Capoeira, waren in der Pfadi, kletterten auf Bäume. Zoé lernte Gitarre, Anouk Saxofon. Die Eltern, beide ehemalige Profi-Volleyballer, beide Sportlehrer, waren sportverrückt, aber nicht erfolgsbesessen. Vater Jean-Charles stammt aus Guadeloupe, einer Insel in der Karibik. Mutter Sandra aus dem Berner Oberland.

Gemeinsamer Neustart

Viel Zeit verbrachten die Schwestern in der Badi, wo die Eltern Beachvolleyball trainierten, Turniere spielten und andere Teams coachten. Anouk war ein Ballkind. Der Sport faszinierte sie, aber auch das Drumherum: die Sommerabende, die Leichtigkeit, das Zusammensein. Zoé brauchte ­etwas länger, um sicher zu sein, dass sie Volleyball nicht deshalb spielte, weil es in der Familie selbstverständlich war, sondern weil sie es selbst wollte. Und trotzdem: Als sie ihrer Schwester diese Frage stellte, hatten beide Angst.
Kaum eine Zusammenarbeit im Sport ist so paradox wie die im Beachvolleyball. Man ist nicht Einzelsportlerin, dafür ist man zu sehr aufeinander angewiesen. Aber man ist auch nicht Teamsportlerin im klassischen Sinn, dafür ist die Gruppe zu klein. Man ist etwas dazwischen. ­Etwas Drittes: eine Dyade, die kleinstmögliche soziale Einheit. Aber anders als im Tennis-Doppel ist jeder Ballkontakt ein gemeinsamer. Der Ball geht von der einen Spielerin zur anderen und erst dann übers Netz. Das Doppel im Tennis ist die zweite Geige neben dem viel bedeutsameren Einzel.
Zoé und Anouk beim Fotoshoot für The Red Bulletin auf Teneriffa.

Zoé und Anouk beim Fotoshoot für The Red Bulletin auf Teneriffa.

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Im Beachvolleyball ist das Doppel das Einzel. Man ist zu zweit und doch allein. Niemand von aussen kann helfen. Coaching ist nur während eines Time-outs ­erlaubt, Spielerinnen auswechseln gar nicht – und in den Pausen sitzt man wieder zu zweit nebeneinander und muss entscheiden, wer wo steht, wer was spielt, wie man reagiert, wenn es nicht läuft. Man ist gleichzeitig Athletin, Strategin, Motivatorin, Psychologin. Für sich selbst – und für die andere.
Die Forschung spricht von «absoluter Interdependenz», wenn jede Handlung der einen direkt das Schicksal der anderen beeinflusst. Jede Schwäche einer Einzelnen hat unmittelbar Folgen fürs Kollektiv. Man kann nicht sagen: Ich war gut, aber sie hatte einen schlechten Tag. Man kann nur sagen: Wir haben gewonnen. Oder: Wir haben verloren. Es ist eine Intimität, die überwältigend sein kann. «Auf der Tour», sagt Anouk, «sind viele Teams in einer Zweckbeziehung und nicht zwingend Freundinnen. Man hat das gleiche sportliche Ziel, lernt sich extrem gut ­kennen – aber privat? Gibt es wenig Berührungspunkte.»
Anouk bringt die Energie mit, die Übersicht, die Intuition.

Anouk bringt die Energie mit, die Übersicht, die Intuition.

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Darum die Angst. Weil in diesem ­aufreibenden Alltag, der kaum Pausen kennt, das zu verschwinden drohte, was ihnen am wichtigsten war: ihre Beziehung als Schwestern. «Wir mussten das unter uns klären», sagt Zoé. «Wir wollten uns nicht vom Einfluss der Familie oder von Freunden leiten lassen.» Nach den Olympischen Spielen – Zoé und ihre Partnerin Esmée Böbner wurden Fünfte – ­redeten sie wochenlang, sagten aber niemandem etwas, nicht einmal ihren Eltern. Sie wollten für sich entscheiden, bevor die Erwartungen anderer sie in eine Entscheidung trieben.
Quotation
Wenn ich im privaten Chat schreibe, weiss Anouk: Ich komme als Schwester, die Rat braucht, nicht als Partnerin, die Taktik besprechen will.
Also begannen sie, noch bevor sie den ersten gemeinsamen Ball schlugen, über Schutzmechanismen zu sprechen. Über Grenzen. Sie beschlossen, zwei WhatsApp-Chats zu führen: einen für die Arbeit, einen für das Private. «Wenn ich im pri­vaten Chat schreibe», erklärt Zoé, «weiss Anouk: Ich komme als Schwester, die Rat braucht, nicht als Partnerin, die Taktik besprechen will.»

Vertrauensbasis

Sie beschlossen, ihre Freizeit frei zu gestalten. Wenn Zoé Geburtstag feiert, ist Anouk eingeladen – aber es ist völlig okay, wenn sie nicht kommt. Wenn Anouk abends zu den Eltern geht, geht Zoé vielleicht am anderen Abend. Sie beschlossen auch, dass sie einander Dinge sagen ­dürften, ohne dass daraus gleich etwas Grösseres würde. Ein schlechter Tag sollte ein schlechter Tag bleiben dürfen.
Die Vereinbarungen waren der Versuch, das Unmögliche zu schaffen: auf engstem Raum zusammenzuarbeiten, ohne einander zu erdrücken. Anouk und Zoé wollten die Intimität ihres Sports aushalten, ohne die Intimität der Familie zu gefährden. Sie wussten: Eine zerbrochene Partnerschaft würde in ihrem Fall nicht nur das Ende eines sportlichen Projekts bedeuten, es könnte auch ein Riss durch die ganze Familie gehen. Das waren die Sorgen. Was aber waren die Chancen?
Anouk (l.) ist die um sechs Jahre ältere der beiden Schwestern.

Anouk (l.) ist die um sechs Jahre ältere der beiden Schwestern.

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Während andere Teams mühsam Vertrauen aufbauen müssen, lernen müssen, die Mimik der anderen zu lesen, ihre Körpersprache zu deuten, ihre Bedürfnisse zu verstehen, während sie Codes ent­wickeln müssen für die Kommunikation im Spiel und Mechanismen für die Konfliktlösung, hatten Anouk und Zoé das teilweise schon. Als sie im Herbst 2024 als Beachvolleyball-Duo zusammenfanden, kannten sie einander seit vierundzwanzig Jahren. Sie mussten lernen, wie die andere unter Stress reagiert, wann sie Raum braucht, wann Nähe. Ihr Vorteil aber: Sie konnten am Blick erkennen, ob die Schwester unsicher ist, erschöpft, wütend auf sich selbst.
Quotation
Bevor wir zusammengearbeitet haben, dachten wir, wir seien ähnlicher. Vor allem unter Stress.
Die Bedeutung von Blickkontakten nennt man «gaze behavior», Blickverhalten. Beachvolleyballerinnen, fand man heraus, fixieren in Drucksituationen häufiger und länger das Gesicht ihrer Teamkollegin, um Informationen aufzunehmen. Bei Anouk und Zoé ist das keine Technik, die sie trainieren mussten, es war eine ­Erfahrung aus der Kindheit.
Im ersten gemeinsamen Jahr lernten sie aber erst mal: Sie sind unterschied­licher, als sie gedacht hatten. «Bevor wir zusammengearbeitet haben», sagt Zoé, «dachten wir, wir seien ähnlicher. Vor ­allem unter Stress.» Anouk ist Feuer. Wenn etwas nicht läuft, muss sie «Dampf ablassen», wird laut und direkt. Zoé ist Eis. Sie zieht sich zurück, wird still, braucht Zeit zum Verarbeiten. Anouk ist mit 1,85 Metern die grössere der beiden. Sie kleidet sich elegant, hat vor Turnieren ein festes Beauty-Ritual: Sie flicht sich die Haare und schminkt sich, um sich auf dem Platz wohl und selbstbewusst zu fühlen. Auf Fremde geht sie schneller zu, braucht dann aber länger als Zoé, um sich in der Tiefe zu öffnen. Sie ist ein absoluter Multitasking-Mensch und eine Planerin, hat aber die humorvolle Schwäche, sich ihren Terminkalender masslos zu überbuchen, um danach über Zeitmangel zu jammern.
Wenn sie von Turnieren nach Hause kommt, entspannt sie sich paradoxer­weise beim Staubsaugen. Zoé ist die mit den grünen Augen. Ihr Vibe ist urbaner: Sie liebt Street­style, trägt Sneaker und hat vor Spielen die Kopfhörer auf, aus ­denen Hip-Hop, Afrobeats und karibische Songs dröhnen. Sie strahlt eine unglaubliche Ruhe und Gelassenheit aus, auch auf dem Platz, liebt dafür das Malen, Zeichnen und ausgiebige Kochen.
Begriffe aus der Kindheit und ihrer karibischen Herkunft dienen als Codes.

Begriffe aus der Kindheit und ihrer karibischen Herkunft dienen als Codes.

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Auch sportlich war das erste Jahr eine Metamorphose. Anouk kehrte nach acht Jahren in der Defensive zurück an den Block und wechselte die Angriffs­position von links nach rechts. Eine völlig andere Belastung: mehr Sprünge, anderes Timing, neue Laufwege zum Netz. Das Sichtfeld ist anders. Die Winkel sind ­anders. «Ich kannte die Position von ­früher», sagt sie, «aber die Umstellung, immer ans Netz rennen zu müssen, war gross. Ich musste alles neu kalibrieren. Wenn man etwas 10 000-mal geübt hat, ist es drin. Man muss nicht mehr nachdenken. Das ist wichtig, weil man im Spiel keine Zeit hat, darüber nachzu­denken. Jetzt musste ich wieder lernen, wo ich mich in welchem Timing posi­tionieren muss.»
Gleichzeitig stellten sie radikal vom Unterzuspiel – dem klassischen Baggern – auf das obere Zuspiel um, das Pritschen. Das macht das Spiel schneller, präziser, aber auch riskanter. Viele sagten ihnen: «Das wird schwierig.» Sie machten es trotzdem. Für Zoé war es wichtig, dass Anouk bereit war, ihr Spiel weiterzuentwickeln. «Wenn sie nicht offen gewesen wäre für diese Herausforderung, hätte ich mir schon überlegt, ob das passt», sagt sie.

Multi-dimensional

Ihre Identität spiegelt sich in der Namensgebung ihrer Spielzüge wider. Sie verwenden Begriffe aus ihrer Kindheit und ihrer karibischen Herkunft als taktische Codes, wechseln fliessend zwischen Schweizerdeutsch, Französisch und Englisch – je nachdem, wer auf der anderen Seite des Netzes steht.
Anouk und Zoé sind ein eingespieltes Team – durch und durch.

Anouk und Zoé sind ein eingespieltes Team – durch und durch.

© Little Shao

Der Team-Name «Zouk» selbst ist mehr als nur ein Wortspiel aus ihren Vornamen. Zouk ist eine kreolische Musikrichtung aus Guadeloupe. Es bedeutet auch «Ort zum Tanzen». Als das möchten sie ihr Beachvolleyballfeld verstehen: als Ort der Leichtigkeit. Zouk ist ein psychologischer Anker, der sie in Momenten extremen Drucks daran erinnert, dass es auch um Freude geht.
Und dann lief es im ersten Jahr fast zu gut. Medaillen, Podestplätze, Kuhglocke in Gstaad, Schweizer Meistertitel. Zwischenzeitlich waren sie die Nummer vier der Welt. Anouk und Zoé dachten: Geht doch ganz leicht! Aber das Jahr endete mit einer Enttäuschung. November 2025, Weltmeisterschaft in Adelaide. Sie waren im Vorfeld krank gewesen, hatten wenig Energie. Im Sechzehntelfinal gegen die US-Amerikanerinnen Julia Donlin und Lexy Denaburg gewannen sie den ersten Satz klar – und verloren danach den Faden. «Irgendwie war die Spannung fort», erinnert sich Zoé. «Und als wir merkten, dass es nicht mehr klappt, kam der Stress. ‹Oh shit. Das klappt nicht. Und das auch nicht.› Der Stress wurde so gross, dass wir keine Lösungen mehr fanden.» Das Ausscheiden war hart. Aber nicht das Härteste. Kurz zuvor, bei einem Turnier in Rio de Janeiro, hatten sie eine Krise erlebt, die tiefer ging. Nach zwei knappen Nieder­lagen kochten die Emotionen hoch. Gleich nach dem Spiel sassen sie zusammen, versuchten zu reden – und merkten: Es bringt nichts. «Wir haben angefangen», erinnert sich Anouk, «und dann haben wir gedacht: Es bringt gar nichts. Wir sind frustriert, es ist nicht konstruktiv.»
Manchmal sind Anouk und Zoé einfach Schwestern, statt Spielerinnen.

Manchmal sind Anouk und Zoé einfach Schwestern, statt Spielerinnen.

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Sie brachen ab. Sprachen erst beim Abendessen wieder. Und stellten fest: Wenn andere Teams nach einem ver­lorenen Punkt oder einem verlorenen Spiel aneinandergeraten und dann das Vertrauen oft mühsam wieder aufbauen müssen, können sie sich als Schwestern «härtere Dinge an den Kopf werfen», wie Anouk sagt, «aber einander auch viel schneller verzeihen».
Heute, am Beginn einer neuen Saison, zwei Jahre vor dem grossen Ziel, den Olympischen Spielen in Los Angeles, glauben sie: Es funktioniert. Nicht immer. Nicht perfekt. Aber es funktioniert.
Quotation
Wir werfen uns die härtesten Dinge an den Kopf, verzeihen aber auch schnell.
Auf dem Platz sind sie eingespielt. ­Anouk, die Erfahrenere, bringt die Energie mit, die Übersicht, die Intuition aus tausend Spielen. Zoé, die Verspieltere, bringt die Ruhe mit, den Hunger, den ­un­bedingten Willen. In der Kindheit machte der Altersunterschied von sechs Jahren viel aus. Anouk war nicht die Spielkameradin auf Augenhöhe, sondern oft die­jenige, die auf die kleine Schwester aufpasste, sie ­behütete. Zoé eiferte ihr nach, klaute manchmal Kleider aus ihrem Schrank. Erst als Zoé erwachsen wurde, wandelte sich das Verhältnis zu einer Freundschaft.
Manchmal, sagen sie heute, vergessen sie für einen Augenblick, dass sie Schwestern sind. Dann sind sie einfach zwei Spielerinnen, die denselben Ball ­jagen, das­selbe Ziel verfolgen. Und manchmal ­vergessen sie, dass sie Spielerinnen sind. Dann sind sie einfach zwei Schwestern, die zusammen lachen, streiten, sich verstehen, ohne viel zu reden.

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