Arne Marit steht stolz im Red Bull - BORA - hansgrohe Trikot für ein Porträt der Saison 2025 in Fuschl, Österreich, mit eindrucksvollen Radsportbildern im Hintergrund.
© Maximilian Fries/Red Bull Content Pool
Radsport

Arne Marit: Der aufregende Neuzugang bei Red Bull - BORA - hansgrohe

Der Belgier Arne Marit hat Red Bull - BORA - hansgrohe gerade seinen ersten Sieg in der Radsportsaison 2026 auf Mallorca beschert. Hier ein kurzes Porträt, bevor die Frühjahrsklassiker beginnen.
Von: Benjamin Saldias
5 min readPublished on
Bis letzte Woche musste Red Bull - BORA - hansgrohe's Neuzugang aus Belgien Arne Marit nicht lange überlegen, um eine Antwort auf die Frage zu finden, was der beste Moment seiner bisherigen Radsportkarriere war. "Morbihan", sagte er nach kurzem Überlegen und bezog sich damit auf das Eintagesrennen im gleichnamigen Departement im Nordwesten Frankreichs -- sein damals erster und einziger Sieg als Profi.
Dieser gelang ihm in seinem ersten Jahr als Radprofi 2021 – in einer Saison, die durch die Pandemie völlig auf den Kopf gestellt wurde. Das Rennen, das normalerweise im Mai stattfindet, wurde erst Mitte Oktober ausgetragen und bildete den Abschluss der UCI-ProSeries-Saison. Dort zogen etablierte Sprinter wie Bryan Coquard und Elia Viviani, die zu diesem Zeitpunkt zusammen 130 Siege auf dem Konto hatten, gegen den Neo-Profi von Sport Vlaanderen–Baloise den Kürzeren. "Das gab mir viel Selbstvertrauen. Außerdem war das Adrenalin großartig – ein toller Moment“, erinnert sich der 27-Jährige.
Jetzt aber, nachdem er in der Nebensaison zu Red Bull -- BORA – hansgrohe gewechselt ist und beim letzten Rennen, der Challenge Mallorca, mit dem das Team in die Saison 2026 gestartet ist, zum Sieg gesprintet hat, hat Marit einen neuen Karrierehöhepunkt erreicht. Nicht schlecht für einen Fahrer, der bis zu seiner Verpflichtung durch Red Bull noch ohne Team dastand. Im Folgenden findest du alles, was du über den aufregenden Neuzugang wissen musst.
Arne Marit posiert am 21. Oktober 2025 für ein Porträt in Fuschl, Österreich.

Arne Marit im neuen Red Bull - BORA - hansgrohe Trikot.

© Maximilian Fries/Red Bull Content Pool

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Erfolgreicher Start bei Red Bull - BORA - hansgrohe

In seinem ersten Rennen für Red Bull - BORA - hansgrohe revanchierte sich Marit für das Vertrauen, das das Team in ihn gesetzt hatte, mit einem fulminanten Sieg beim Saisonauftakt der Challenge Mallorca Anfang Februar, bei dem er seine Rolle als Lead-out-Fahrer in einen Überraschungssieg verwandelte.
Marit sollte eigentlich für den 19-jährigen Newcomer Alessio Magagnotti fahren, der letztes Jahr die italienische Juniorenszene dominierte. Ein Sturz in der Anfahrt zum Finalsprint führte jedoch dazu, dass die beiden Fahrer in dem Durcheinander getrennt wurden und Marit sich in der besseren Position wiederfand. Er schaltete sofort von einer unterstützenden Rolle auf die eines Sprinters um und sprintete zum zweiten Mal in seiner Profikarriere zum Sieg.
"Es war eine Erleichterung. Zu sehen, dass ich meinen Killerinstinkt nicht verloren habe, bedeutet mir sehr viel", sagt Marit über seinen Triumph.
Das erklärt auch teilweise Marits sehr emotionalen Jubel nach dem Überqueren der Ziellinie. Marit war in den letzten Jahren immer wieder kurz vor dem Sieg gestanden, unter anderem als Dritter der Vuelta a España-Etappe im letzten Sommer.
Ein großer Teil des Jubels war wahrscheinlich auch die Erleichterung darüber, dass eine sehr stressige und intensive Nebensaison so positiv verlaufen ist. Obwohl er einen Vertrag mit dem langjährigen Intermarché-Team hatte, fiel Marit der Fusion des Teams mit Lotto zum Opfer - eine Entscheidung, von der er erst sehr kurzfristig erfuhr, was die Suche nach einem neuen Arbeitsplatz erschwerte. Er erwog bereits Angebote, bei kleineren Teams zu unterschreiben, als er von Red Bull - BORA - hansgrohe Sportdirektor Zak Dempster mit dem Angebot einer neuen Heimat kontaktiert wurde, das Marit dankend annahm.
"Die ersten paar Wochen im Team waren überwältigend. Ich kam in letzter Minute an und musste mich schnell an 150 neue Leute, Fahrer und Mitarbeiter gewöhnen", sagt Marit. "Was mich am meisten beeindruckte, war, dass ich jedes Mal, wenn ich um etwas bat, sofort Hilfe bekam. Es ist verrückt, wie schnell die Leute etwas auf die Beine stellen können. Ich befinde mich hier in einem sehr professionellen Umfeld und das merke ich nicht nur beim Training, sondern auch bei der Ausrüstung. Das bedeutet aber auch, dass es keine Ausreden mehr gibt. Wenn es jetzt nicht klappt, dann sind es die Beine!"
Radsportler von Red Bull - BORA - hansgrohe, darunter Giovanni Aleotti und Remco Evenepoel, bereiten sich vor der 1. Etappe der 77. Volta Comunitat Valenciana in Valencia, Spanien, am 4. Februar 2026

Marit uns sein neuer Red Bull - BORA - hansgrohe-Kollege Remco Evenepoel.

© Maximilian Fries/Red Bull Content Pool

Es gibt keine Ausreden mehr. Wenn es jetzt nicht klappt, dann sind es die Beine!
Arne Marit
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Skandinavischer Klang, belgische Beine

Der Name Arne Marit mag skandinavisch klingen, doch seine Wurzeln liegen tief im Herzen des belgischen Radsports. Geboren, aufgewachsen und bis heute wohnhaft im flämischen Vollezele zwischen Brügge und Geraardsbergen, kennt er das historische Epizentrum des belgischen Radsports wie seine Westentasche. Die Straßen rund um Oudenaarde, Ninove und Ronse -- Schauplätze der großen Klassiker -- liegen praktisch vor seiner Haustür.
"Ich trainiere jeden Tag in der Gegend, ich kenne die Strecken auswendig. Diese Straßen haben keine Geheimnisse für mich", sagt Marit.
Genau deshalb soll er das Team Red Bull - BORA - hansgrohe bei den kommenden Frühjahrsklassikern spürbar verstärken, nachdem die Mannschaft im vergangenen Jahr hinter den Erwartungen geblieben war. Während seine Hauptaufgabe im weiteren Saisonverlauf darin bestehen wird, die Sprints für Jordi Meeus und Danny van Poppel vorzubereiten, soll er vor allem seine Kapitäne möglichst sicher und gut positioniert in die entscheidenden Rennphasen auf Belgiens Kopfsteinpflaster und kurzen, steilen Anstiegen bringen.
"Ich kenne die Strecken und ihre Tücken sehr gut und will den Jungs helfen, sicher durch die Schlüsselstellen zu kommen. Sie sollen von meiner Erfahrung profitieren", erklärt er.
Die ersten paar Wochen im Team waren überwältigend. Was mich am meisten beeindruckte, war, dass ich jedes Mal, wenn ich um etwas bat, sofort Hilfe bekam.
Arne Marit
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Arne Marit: Profi-Radfahrer und heimlicher Künstler

Wie viele belgische Jungen und Mädchen aus dieser Gegend ist Marit schon seit seiner Kindheit auf dem Radweg unterwegs. "Ich habe schon sehr früh mit dem Radfahren angefangen, im Alter von 10 oder 11 Jahren. Als mein Vater jeden Sonntag mit seinen Kumpels eine Ausfahrt machte, wollte ich das auch tun", erinnert er sich. Das war auch die große Zeit von Tom Boonen, der ein großes Idol von mir war. Richtig intensiv wurde es aber erst mit 16, als ich zum ersten Mal zu einem größeren Verein wechselte. Weil es sofort funktionierte, hörte ich nie auf zu fahren. Ich habe die Nokere Koerse [ein belgischer Halbklassiker für Eintagesrennen] als Junior zweimal hintereinander gewonnen, und deshalb ist es auch heute noch mein Lieblingsrennen."
Der Radsport war jedoch nicht Marits einziges leidenschaftliches Hobby als Jugendlicher. Tatsächlich war er ein talentierter Künstler, der sich auf das Malen und Zeichnen konzentrierte, aber das musste er aufgeben, um sich auf den Rennsport zu konzentrieren: "Neben der Schule war kein Platz für Radfahren und Malen, also musste ich eine Entscheidung treffen."
Auch wenn Arne Marit seine Staffelei inzwischen an den Nagel gehängt hat, lebt er seine kreative Seite weiterhin aus -- nur auf andere Weise: "Ich bin ein großer Kaffeeliebhaber und habe eine richtig gute Maschine. Deshalb versuche ich mich gern an Latte Art."