Joana Maeder & Anouk Verge-Depre compete at the Gstaad BeachPro in Gstaad, Switzerland on July 6, 2023.
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Beachvolleyball

Back on Court: Joana Mäder und Anouk Vergé-Dépré im Interview

Nach einer 10-monatigen Zwangspause von der Beachvolleyball Pro Tour sind sie zurück. Joana und Anouk über erste Erkenntnisse, nächste Schritte und Ziele seit ihrem Comeback.
Von: Anna Unternährer
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Ihr habt euer offizielles Comeback im April in Uberlândia am Elite16 – dem höchsten Turnier der Beach Pro Tour – mit einem soliden fünften Platz gefeiert. Wie war es, nach 10 Monaten wieder gemeinsam auf dem Platz zu stehen und gegen andere Teams anzutreten?

Es war unbeschreiblich schön, wieder gemeinsam wettkampfmässig Beachvolleyball zu spielen und zeigen zu dürfen, was wir können. Ich war sehr nervös, aber ich habe mich riesig gefreut. Ich wusste, was mit der Schulter möglich ist und was nicht und konnte das gut in die Praxis umsetzten. Es macht unglaublich Spass, wieder mit dem gesamten Team back on Tour zu sein!

Anouk Vergé-Dépré: Es war definitiv ein ganz besonderer Moment. Wir haben in der Zwischenzeit sehr viele Emotionen durchlebt und so hart gearbeitet. Die Freude, aber auch die Vorfreude waren riesig. Im ersten Spiel spielten wir direkt gegen meine kleine Schwester. Das war eine ziemliche Herausforderung für mich, denn wir kennen uns sehr gut und können die Reaktionen viel besser deuten. Aber wir haben unseren Rhythmus schnell gefunden und konnten sofort Druck ausüben. Wenn man sich den Idealfall vorstellt, lief es wirklich sehr ideal. Das gibt viel Zuversicht, dass wir das, was wir bisher gemacht haben, richtig gemacht haben.

Seither habt ihr auch in Ostrava gespielt, wo ihr ebenfalls einen stolzen fünften Platz abstauben konntet. Was sind die wichtigsten Erkenntnisse, die ihr aus diesen ersten beiden Elite16-Turnieren mitnehmt? Seid ihr mit eurer Performance zufrieden?

Anouk Vergé-Dépré: Die wichtigste Erkenntnis, die wir gewonnen haben, ist, dass die Schulter von Joana hält und dass wir Fortschritte gemacht haben. Was das Spielniveau, die Kommunikation und die Teamreife angeht, sind wir an einem ganz anderen Punkt als letztes Jahr. Ich denke auf dem, was wir bisher gezeigt haben, lässt es sich jetzt gut aufbauen. Sobald die Schulter noch belastbarer ist und die Belastungsgrenze noch höher ist, wird viel möglich sein. Es braucht Geduld, aber freuen uns, diesen Weg jetzt Schritt für Schritt zu gehen, denn wir sehen, dass wir eigentlich jedes Team schlagen können.

Ich würde auch sagen, dass wir mit diesen beiden 5. Plätzen einen sehr guten Start hingelegt haben. Wir sind beide sehr ehrgeizig und haben das Gefühl, dass alles immer noch besser und noch schneller gehen muss. Manchmal vergessen wir, oder vor allem ich, dass es keine Selbstverständlichkeit ist, nach einer Verletzung wieder so als Team zu starten. Aber ich denke, wir sind wirklich auf dem richtigen Weg und dürfen mit unserer Leistung sehr zufrieden sein.

Das nächste Elite16-Turnier findet vom 5.-7. Juli 2023 in Gstaad statt. Wie fühlt ihr euch?

Anouk Vergé-Dépré: Es ist eine Riesenfreude, wieder dort oben antreten zu dürfen. Zu Hause vor einem so grossen Publikum, unseren Freunden und unserer Familie zu spielen, bedeutet uns beiden sehr viel. Nachdem wir das letzte Turnier in Gstaad verletzungsbedingt verpasst haben und schmerzhaft zusehen mussten, werden wir es umso mehr geniessen, wieder dabei zu sein.

Ich fühle mich im Moment ein wenig emotional. Das Comeback hat mich sehr viel Energie gekostet und kam nicht von ungefähr. Die Erwartungen an mich selbst sind halt doch sehr hoch und das ist definitiv nicht die beste Kombination. Aber ich freue mich jetzt auch sehr auf dieses Heimturnier in Gstaad. 2022 war das erste Jahr seit vielen Jahren, in dem ich nicht einmal die Chance hatte, zu spielen. Dieses Ambiente möchte ich jetzt einfach nur geniessen. Wir werden alles tun, um sicherzustellen, dass wir wieder fit, munter und ausgeruht am Start sind.

Was sind Key-Aspekte, auf die ihr euch derzeit konzentriert, um euch optimal auf das nächste Spiel vorzubereiten?

Anouk Vergé-Dépré: Da Beachvolleyball nicht aus einem einzigen Spiel, sondern immer aus mehreren Spielen hintereinander besteht, ist es sehr wichtig, innerhalb kürzester Zeit einen Reset zu machen. Das heisst, du musst dich so schnell wie möglich erholen und auf das nächste Spiel, die Gegner:innen, die wechselnden Wetterbedingungen usw. einstellen können. Wieder in diesen Rhythmus zu kommen und mental wirklich präsent zu bleiben, ist im Moment das Wichtigste für uns. Ich denke, wenn wir es schaffen, unsere Abläufe, Entscheidungen und Reaktionen so schnell wie möglich an das anzupassen, was auf dem Spielfeld passiert, haben wir rein körperlich gesehen die besten Chancen, das Spiel zu gewinnen.

Für mich ist es jetzt wichtig, dass ich mich damit auseinandersetze, was ich mit meiner Schulter bereits kann und was noch nicht funktioniert. Ich muss akzeptieren, dass es bessere und schlechtere Tage gibt, damit ich Lösungen finden und mein Spiel entsprechend anpassen kann. Denn man darf nicht vergessen: Der erste Teil des Comebacks bestand darin, wieder auf den Platz zu kommen und wettkampfmässig zu spielen. Aber es ist nicht so, dass meine Schulter bereits wieder bei 100% ist. Der nächste Schritt ist, sie weiter aufzubauen und die Beweglichkeit zu erhalten. Als Team haben wir unseren klaren Game-Plan, den wir immer vor dem Spiel festlegen. Wir werden versuchen, uns so gut wie möglich daran zu halten und das anzupassen, was es anzupassen gibt.

Anouk Vergé-Dépré and Joana Mäder competing at the A1 CEV BeachVolley Nations Cup 2023 in Vienna, Austria on August 5, 2023

Anouk Vergé-Dépré und Joana Mäder

© Ulrich Aydt / Red Bull Content Pool

Könnt ihr uns noch etwas über eure Ziele für 2023 verraten?

Anouk Vergé-Dépré: Unser Ziel ist es, bei der EM im August und der WM im Oktober, um die Medaille zu spielen. Bis dahin wollen wir voll fit und belastbar sein, damit wir ohne Rücksicht auf die Schulter oder andere körperliche Aspekte spielen können.

Und 2024 wollen wir uns ganz klar für die Olympischen Spiele qualifizieren. Und zwar nicht nur, um an den Spielen teilzunehmen, sondern um wirklich um eine Medaille zu kämpfen. Das ist auch der Grund, warum ich diesen nicht ganz einfachen Weg auf mich genommen habe. Es ist mein Ansporn und das Ziel, das ich schon immer vor Augen hatte. Jetzt arbeite ich hart daran, es zu verwirklichen. Natürlich hat man nie eine Garantie, aber wir geben jetzt einfach alles und dann wird es schon gut kommen.

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Anouk Vergé-Dépré

Swiss beach volleyball superstar Anouk Vergé-Dépré is on a mission to collect the top titles with her partner and sister, Zoé.

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