Rap 💯
#Deutschrap25 erzählt die Geschichte des deutschen HipHop in 25 Songs – als Stories, Podcasts und Videos. Am 13. Dezember in Hamburg treten beim Red Bull Soundclash zwei Deutschrap-Generationen gegeneinander an. Als Countdown beleuchten wir die Evolution des Genres und erklären, was diese Generationen auszeichnet.
2000 Plattenpapzt feat. Kool Savas “King of Rap”
Kann sein, dass der Napster-Hustler deines Vertrauens dir vorher schon mal „LMS“ oder das übersteuerte Live-Acapella von „Neongelb“ zwischen die neue Samy und den Extended Mix von „Ich lebe für HipHop“ geschmuggelt hatte. Das konnte man ja noch skippen. Aber als anno 2000 zu später Stunde das „King of Rap“-Video bei Fett MTV Premiere feierte, sorgte das für offene Münder. Einer aus Berlin steppte bis oben hin auf Kerosin ans Mic, war gegen Hamburg und Heidelberg gleichermaßen, hatte Punchlines über Analverkehr und Autoimmunkrankheiten in petto und wollte Rap retten? Wie sollte das denn bitteschön gehen?
Es ging gut. Kool Savas verpasste dem überarroganten Battlerap von Samy Deluxe eine Berliner Schnauze, die der bis dato nur Harmonie gewohnten HipHop-Szene die rosarote Brille vom Gesicht schlug. Es reichte nicht, dass Kool Savas den Giftschrank mit den asozialen Alternativbezeichnungen für Sex, Penis und Co öffnete und deutschem Rap die Schamesröte ins Gesicht trieb. Nein, er traute sich auch, Größen wie Torch, Dokter Renz von Fettes Brot oder Spax beim Namen zu nennen und deren in den Neunzigern erbrachten Verdienste in den Dreck zu ziehen. In Kombination mit seiner ganz eigenen Punchlineformel, die auf absurden Wie-Vergleichen (Kerze et al.) basierte, mauserte sich „King of Rap“ binnen kürzester Zeit zum Gamechanger schlechthin.
Der #Deutschrap25-Podcast: Moderatorin Visa Vie und Journalist Jan Wehn diskutieren in der neunten Folge den Aufstieg der Untergrund-Ikone Savas:
Wir zeigen an dieser Stelle Fotos von Schiko, die während der Aufnahmesession des Songs im Jahr 2000 in den Headrush Studios entstanden sind.
Während Rapper auf der Bühne oder in ihren Videos auch mal Shirts von befreundeten Bands aus anderen Städten trugen und somit in bester Fußballertrikottauschmanier eine Art Unity demonstrierten, war Savas’ „Ich hör nur Musik aus meiner Crew/ ihr seid meine Feinde? Cool!“ durchaus wörtlich zu verstehen. Der King of Rap wandete sich bei der Session in ein Shirt seiner ehemaligen Crew Westberlin Maskulin, mit der er an der Seite von Taktlo$$ zuvor zwei Alben veröffentlicht hatte.
Punchlines auf DIN A4-Block, kariert (2000)
„Papzt pumpt den Beat, ich rappe auch zu Volksmusik / und ficke jede Pseudocrew zu Rauch wie 20 Jahre Krieg“. Eine Savas-Punchline, wie sie im Buche steht: Einfacher Satzbau, gnadenlose Übertreibung und ein simpler, aber bildlicher Vergleich.
Fachgerecht ans Mic steppen will gelernt sein – und sei es nur mit zum Mikrofon umfunktioniertem Kugelschreiber.
Der Wendebringer aus Westberlin zu Gast in Düsseldorf. Wenngleich „King of Rap“ im Grunde eine Savas-Soloshow war, wartete das Video mit einer Menge heute bekannter Gesichter auf. Melbeatz und Jack Orsen waren ebenso zu sehen wie der Penis von Marcus Staiger und das frisch aus der Brust geschnittene Herz von Taktlo$$. Achja, Savas’ Bruder Sinan macht im Video den Breakdancer – gegen, aber dann irgendwie doch auch wieder für die Kultur.
War noch was?
Ist “King of Rap” wirklich der wichtigste Song des Jahres 2000? Dr. No sieht das anders.
Curse “Wahre Liebe”
Ja, KKS war Next Level. Aber dieser schmale Westfale namens Curse war Next Level und Aussage, die ultimative Kreuzung von Dopeness und Deepness. “Wahre Liebe” ist die Essenz dieser Kunst. Auf einem Beat von Iman Shahidi (von der legendären Münchner Band Square One) sezierte Curse die Tiefen und Untiefen des menschlichen Daseins und setzte sich damit direkt zu Beginn seiner vielschichtigen Karriere ein Denkmal aus zwölf Zoll schwarzem Gold. Da reicht leider kein Eierschaukeln dieser Welt heran. Gänsehaut, rr.