Surfen
Against Gravity – Deep Dive ins Leben von Leon Glatzer
Tauche ein ins Leben von Leon Glatzer – dem Surfer, der es allen Widerständen zum Trotz von einem der entlegensten Orte der Welt auf die größtmögliche internationale Bühne geschafft hat!
Against Gravity ist ein Surffilm der besonderen Art: komplex und doch simpel, mit Tiefgang aber der nötigen Klarheit. Mal brutal und doch immer schön – wie die Wellen und das Leben selbst. Gerade das von Leon Glatzer, dem Surfer, der es von einem der entlegensten Surfspots der Welt auf die größtmögliche internationale Bühne geschafft hat – entgegen aller Widerstände, dafür mit eisernem Willen und dank der richtigen Leute um ihn herum.
Halb Athletenporträt, halb Parabel aufs Leben, zeigt Against Gravity am Beispiel Leon Glatzer: Egal, wie hoch man fliegt, oder wie tief man fällt – es hilft zu wissen, woher man kommt, und wer man jenseits aller äußeren Zwänge sein will. Der Rest ist harte Arbeit, gelebte Konstanz und ein wenig Glück.
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Against Gravity – ein wahrlich weltumspannendes Athletenporträt
Was folgt ist der kurze, aber heftige Fall eines jungen Sportlers, der sich für seinen Traum alles abverlangt hat – bis zur kompletten Erschöpfung und ohne es zu merken. Dank eines dringend nötigen Tapetenwechsels und der gut überlegten Neuausrichtung seines Lebens schafft Leon es letztlich, sich auch dieses Mal zurück zu kämpfen, und der Schwerkraft, die an uns allen zieht, ein weiteres Mal entgegenzuwirken, und neue Ziele ins Visier zu nehmen.
Aber der Reihe nach…
Teil dieser Story
Pavones, Costa Rica
Wo alles begann
Ich wollte eigentlich nur im Meer sein, den ganzen Tag, jeden Tag!
Leon strahlt noch heute, wenn er an den 4-jährigen Mini-Leon zurückdenkt, der in Pavones auf dem Brett eines Locals seine erste Welle reitet. „Pavones – der Ort hat mir das Surfen beigebracht“, betont Leon. Mit reichlich Archivmaterial und Erzählungen seiner Mama, seines Bruders Sean, alten Weggefährten und Leon selbst, zeichnet der Film nach, wie unbeschwert und schön Leons Kindheit war. Wie er beim Surfen der zweitlängsten Linken der Welt Thomas Lange kennen lernt, sein erstes Custom Board bekommt und – inspiriert von Thomas Lange – seine ersten Airs springt. Bis eine Welle alles für Leon verändert!
„Ich habe einen Fins out zu Air Reverse gemacht, gefolgt von einem Kerrupt Flip“, erinnert sich Leon an dieser Stelle. Glücklicherweise filmt ein Local die Welle und gibt Leon und seiner Mum die Aufnahmen. Der Clip macht die Runde, landet bei Thomas Lange und schließlich beim deutschen Athletenmanager Quirin Rohleder, der Leon in Nullkommanix an seine ersten Sponsoren vermittelt.
Hier liefern die Macher von Against Gravity den ersten von mehreren bitteren Twists im Leben des Leon Glatzer: Genau als Leon beginnt, als Surfer durchzustarten, bricht für seine Mutter zuhause in Pavones die Welt zusammen. „Ich erinnere mich noch, wie mein Stiefvater eines Tages mit dem Auto angerast kam, sich Sean schnappte und mit ihm verschwand“, erinnert sich Leon im Film. „Danach habe ich ihn 3 Jahre lang nicht gesehen.“
Ich war endlich am Durchstarten, zeitgleich brach zuhause eine Welt zusammen.
Ein dunkles Familienkapitel, dass besonders Leons Mum, aber auch ihn an den Rand eines emotionalen wie finanziellen Abgrunds drängt, der Leon lange verfolgen wird.
Hossegor, Frankreich
Kulturschock auf Französisch
Das Frankreich Kapitel in Leons Geschichte beginnt für den damals 15-Jährigen mit einem Kulturschock, den Against Gravity eindrücklich vermittelt: kaltes Wasser, Neoprenanzüge und nackte Menschen am Strand. Als wäre das allein nicht genug muss der junge Leon auch im Wasser feststellen: „Zuhause in Pavones war ich gefühlt der König, in Frankreich war ich ein Niemand“, erzählt Leon: „Aber ich wollte jemand werden!“
Als Teil des deutschen Nationalkaders reist Leon nun monatelang um die Welt, vor allem nach Südafrika, um Rechtswellen zu surfen. Alles Teil einer harten Phase – da sind sich alle, die im Film zu Wort kommen einig – durch die Leon durch muss, um es eines Tages zu schaffen. Doch die harten Phasen dauern teilweise zehn Monate, erst danach kann Leon wieder nach Pavones.
Hinzu kommt in dieser Phase seines Lebens der finanzielle Abgrund, in den Leon permanent starrt, inklusive Nächte im Boardbag, statt im Hotel, weil er die Preisgelder, die er gewinnt, ausnahmslos nach Hause schickt – auch um die Situation um seinen Bruder Shaun und das Leben seiner Mum positiv zu beeinflussen. Schattenseiten, von denen man in der Sommer- und Sonnenscheinwelt des weltweit vermarkteten Surfens selten hört.
Es wird deutlich, dass all das viel zu viel ist für einen Teenager wie Leon, der ausnahmslos um die Welt reist. Doch Leon pusht sich auch durch diese Phase – trotz körperlich nicht mehr zu leugnender Stress-Symptome. Dann löst sich die Situation um seinen Bruder Shaun und Leon ist wie befreit! Er released in kurzer Zeit drei Videos, die großen Anklang finden, und bleibt finanziell doch am Abgrund.
„Leon hat sich oft die Frage gestellt, ob das der richtige Weg für ihn ist“, ordnet sein langjähriger Manger Quirin Rohleder an dieser Stelle im Film ein und fügt an: „Das haben wir alle.“ Dann wird Surfen olympisch und Leon hat als Teil des deutschen Teams plötzlich nie dagewesene finanzielle und sportliche Möglichkeiten! Für Leon ein absoluter Glücksfall. Also Kopf runter und all in!
La Libertad, El Salvador
Leons Make or Break Moment
Im El Salvador Kapitel des Films kulminieren der jahrelange Druck, das zielgerichtete Training, das Reisen, die Entbehrungen, die Schmerzen, die Tränen, die Hoffnungen, es als erster deutscher Surfer in der Geschichte zu den Spielen nach Tokio zu schaffen – all das kulminiert in nur zehn Tagen Wettkampf.
„In El Salvador musst du zehn Tage dein A-Game bringen, um das zu schaffen, für das du dein Leben lang gearbeitet hast“, fasst Leon zusammen. Nur 5 von 300 Teilnehmern qualifizieren sich am Ende des Wettkampfs für die Spiele.
Auf dem Papier unmöglich, doch Leon schafft in diesen Tagen das Unmögliche – trotz enormer anfänglicher Schwierigkeiten und dank der Hilfe seines Sportpsychologen Martin Walz, der ab diesem Moment eine wichtige Rolle im Film einnimmt. Immer wieder ordnet er ein und macht verständlich, was Sportler:innen gerade vor Wettkämpfen psychisch und physisch durchmachen, ohne dass irgendwer davon erfährt. Ein äußerst spannender, weil seltener Einblick.
Was für Leon und den Zuseher nach der erfolgreichen Quali folgt, ist ein monatelanger Medienmarathon, der für Leon ebenso bereichernd wie überfordernd ist. Dann endlich geht es nach Tokio.