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Wie Rockstar Games mit GTA 3 die Open World Games revolutionierte
Als GTA 3 im Jahr 2001 erschienen ist, hat das Actiongame die Spielelandschaft für immer verändert. Wir blicken zurück auf diesen Klassiker, der das Open-World-Genre geprägt hat.
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Mit dem Sprung in die dritte Dimension hat GTA 3 die Gamingwelt revolutioniert und das Genre der Open-World-Spiele erst salonfähig gemacht. Vor dem Release von GTA 6 am 19. November 2026 werfen wir einen Blick auf das Game, das die Open-World-Revolution erst losgetreten hat.
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GTA 3 und die Auswirkungen auf Games
Wir schreiben das Jahr 2001. Das neue Jahrtausend ist angebrochen und die Computer haben es ohne den "Millennium-Bug" in das neue Zeitalter geschafft (ältere Semester werden sich sicher erinnern). Apple stellt den ersten iPod vor, die Spice Girls geben ihre Auflösung bekannt, Wikipedia startet als große Online-Enzyklopädie und Filme wie 'Harry Potter und der Stein der Weisen' oder 'Der Herr der Ringe: Die Gefährten' dominieren die Kino-Charts.
Aus unseren Lautsprechern (oder dem iPod) dröhnen Songs wie 'Fallin' von Alicia Keys, 'Thank You' von Dido oder 'Butterfly' von Crazy Town. Und irgendwo dazwischen wagen sich der schottische Entwickler DMA Design und US-Publisher Rockstar Games auf unbekanntes Terrain. GTA 3 oder Grand Theft Auto III erscheint am 22. Oktober 2001 auf der PlayStation 2. Ein Titel, der das Genre der Open-World-Spiele und die gesamte Gamingwelt für immer verändern sollte.
Die ersten beiden Grand-Theft-Auto-Spiele aus den Jahren 1997 beziehungsweise 1999 waren solide Videospiele. Beide Games verkauften sich jeweils rund eine Million Mal, waren also beileibe noch nicht die Systemseller, für die die Reihe heute bekannt ist. Chaotisch, anarchisch, mit schwarzem Humor, aber technisch simpel gehalten. Die Kamera schwebte von oben, die Welt wirkte eher wie ein schräges Brettspiel.
Doch dann kam GTA 3. Rockstar Games traf eine Entscheidung, die alles änderte: GTA III wurde vollständig dreidimensional. Und verband Elemente in sich, die es so bislang in keinem Spiel gab. Eine offene Welt, Action, Rollenspiel, Shooter und Rennspiel. Der Wechsel von der 2D-Vogelperspektive in eine immersive 3D-Umgebung bedeutete mehr als nur eine technische Anpassen. Er veränderte, was ein Videospiel überhaupt sein konnte.
Die PlayStation 2 bot mit ihrem DVD-Laufwerk erstmals genug Speicherplatz für eine Welt dieser Größe. Allerdings zwang der knappe Arbeitsspeicher von 32 Megabyte die Entwickler:innen zu einer kreativen Lösung: Sie teilten Liberty City in drei Distrikte auf. Portland, Staunton Island und Shoreside Vale, die sich im Spielverlauf nacheinander öffneten. Ein technischer Kompromiss, der sich als perfekte Designentscheidung entpuppte.
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Liberty City in GTA 3: Eine Stadt, die lebt
Was GTA 3 von allen Titeln, die vorher kamen, unterschied: Liberty City als Schauplatz fühlte sich nicht wie ein Spielfeld an. Es fühlte sich wie ein echter, lebendiger Ort an.
Tag- und Nachtwechsel, dynamisches Wetter, NPCs mit Routinen. Verkehr, der eigenen Regeln folgte. All das zusammen erschuf eine simulierte Realität, die für 2001 schlicht beispiellos war. Radiosender mit eigenen DJs, Werbespots und unterschiedliche Musikgenres von Klassik über 80er-Pop bis Rap sorgten dafür, dass jede Autofahrt eine andere Stimmung hatte. Man schaltete nicht einfach Hintergrundmusik ein. Man wählte eine Station, fuhr durch die Stadt und hatte das Gefühl, wirklich dort zu sein.
Während Reflections Interactive mit 'Driver' bereits im Jahre 1999 eine Spielerfahrung schuf, die in eine ähnliche Richtung ging, war man im Abenteuer um den Undercover-Polizisten John Tanner doch auf Verfolgungsjagden hinter dem Lenkrad beschränkt. In Grand Theft Auto III waren diese aber nur ein Teil der Spielerfahrung. Man konnte jederzeit aus dem Auto aussteigen und die gigantische Stadt erkunden. Das gab es bis dato noch nie!
"Wir wollten, dass die Spieler das Gefühl haben, in diesen Welten zu leben", erinnert sich Aaron Garbut, Art Director bei Rockstar Games. Ziel des Studios war es, eine Welt zu schaffen, die sich dynamisch anfühlt und Spieler:innen nicht darauf beschränkt, diese auf eine bestimmte Weise zu entdecken. Wer keinen Bock auf die Storymissionen hat, kann diese auch komplett ignorieren. Dieses Designprinzip, die Welt als Ort statt als Levelschlauch, wurde zur DNA des modernen Open-World-Games.
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Freiheit als Spielprinzip
Die Bedeutung von GTA 3 für die Spielelandschaft ist dabei unbestritten. Vor Grand Theft Auto III gab es Videospiele, die man spielte. Danach gab es Welten, in denen man lebte.
Das klingt pathetisch. Ist aber schlicht die Wahrheit. GTA 3 etablierte etwas, das heute selbstverständlich wirkt, damals aber revolutionär war: echte spielerische Freiheit in einem dreidimensionalen Raum. Man konnte Missionen in beliebiger Reihenfolge angehen, sie ganz ignorieren und stattdessen die Stadt erkunden, Waffen sammeln, Autos stehlen oder einfach zuschauen, wie die Stadt um einen herum weiterlebt.
Open-World ist mittlerweile längst zum Standard geworden. Titel wie Crimson Desert, Cyberpunk 2077 oder The Legend of Zelda: Tears of the Kingdom zelebrieren diese spielerischen Freiheiten. Aber anno 2001? Gab es eine vergleichbare Spielerfahrung schlicht und ergreifend noch nicht.
Nahtlos aus einem Auto aussteigen, sofort zu Fuß durch die Stadt laufen, ein anderes Fahrzeug kapern und losfahren. Dieser simple Ablauf war ein echter Wendepunkt für die Gamingwelt. Frühere 3D-Spiele ließen dich in Autos durch die Welt fahren, aber die Umsetzung war primitiv. In GTA III griffen sämtliche Systeme ineinander: Physik, Fahrzeughandling, Fußgänger-KI, Polizei. Die Welt reagierte auf den Spieler:innen. Nicht umgekehrt.
Der Metacritic-Score für die PS2-Version spricht für sich: 97 von 100 Punkten. Platz zwei aller Zeiten auf der meistverkauften Konsole der Geschichte. GTA 3 war im Jahr 2001 das meistverkaufte Spiel des Jahres und 2002 das zweitmeistverkaufte, direkt hinter GTA: Vice City.
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Kino zum selber spielen
2001 galten Videospiele noch weitgehend als "Kinderkram". GTA 3 änderte das und zwar auf mehreren Ebenen gleichzeitig. Mit seiner Inszenierung näherte sich der Titel zunehmens Kino-Blockbustern aus Hollywood an. Kamerawinkel und Schnitte, die Spieler:innen aus B-Movie-Gangsterfilmen und Mafia-Epen kannten. Rockstar wollte kein Spiel bauen, das an Scarface erinnert. Sie wollten dich selbst zum Star des gespielten Filmes machen.
Entscheidend dafür war zudem die Besetzung. Mit Frank Vincent, Joe Pantoliano, Michael Madsen und Michael Rapaport holte Rockstar echte Hollywood-Schauspieler ins Spiel. Etablierte Charakterdarsteller, die Glaubwürdigkeit mitbrachten, die Videospiele bis dahin kaum hatten. Das war im Jahr 2001 eine Sensation.
Eine Inszenierung, deren Einfluss weit über die Grenzen des Mediums Videospiele bis heute prägend ist. Sei es in Filmen, im Fernsehen oder sogar im Sport wie beispielsweise Bike-Profi Fabio Wibmer in seinem Video 'Grand Theft Bike' eindrucksvoll zeigt.
Und dann ist da noch die Thematik von GTA 3. Der Rockstar-Hit sprach Themen wie Kriminalität, Gang-Milieu und andere erwachsene Punkte an, die im Medium Videospiele bis dahin schlicht keine Rolle spielten. Entsprechend schnell wurde der Titeln von Politikern und Boulevardmedien als "gesellschaftliche Bedrohung" abgestempelt. Doch genau diese Kontroverse wurde zum zugkräftigsten Marketinginstrument für das Spiel. Der Ruf eilte dem GTA 3 voraus und die Verkaufszahlen explodierten.
Spiele aus dem Hause Rockstar Games sind längst viel mehr als "nur" Videospiele. Es sind Kino-Blockbuster, die man selbst erlebt. Mit Charakteren, Storylines und Mechaniken, deren Qualität selbst Hollywood nur selten erreicht. Ein Beispiel dafür ist das Western-Abenteuer Red Dead Redemption, das im Sekundentakt Gänsehautmomente auf den Bildschirm zaubert.
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Der 'GTA-Klon' wird zu einem eigenen Genre
GTA 3 wurde zu einem unglaublichen Erfolg. Bis Dezember 2001, also in nur zwei Monaten, verkaufte sich das Spiel allein in den USA über 1,4 Millionen Mal. Innerhalb von nur einem Jahr wanderten sechs Millionen Kopien über die Ladentheke. Dimensionen, die für ein Videospiel zum damaligen Zeitpunkt schlicht undenkbar waren.
Kein Wunder also, dass alle ein Stück von dem Kuchen abhaben wollten. Die gesamte Spielebranche begann, die Formel von Grand Theft Auto III zu kopieren. Ein neuer Begriff etablierte sich: "GTA-Klon". Gemeint waren 3D-Open-World-Spiele mit Action-Adventure-Elementen, Fahrzeugen und Crime-Setting. Spiele, die exakt das nachahmten, was Rockstar erfunden hatte. Manche verschwanden schnell in der Versenkung. Andere, wie die Saints-Row-Reihe, existieren bis heute.
Das Wort "linear" wurde in der Spielepresse plötzlich zur Beleidigung. Kritiker:innen und Spieler:innen begannen, gegen Spiele zu wettern, die keine vergleichbare Freiheit boten. Publisher sahen die Zahlen und öffneten die Budgets. Das Zeitalter der Open-World-Games hatte begonnen und Rockstar hatte den Startschuss gegeben.
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Das Erbe: Von GTA 5 bis Cyberpunk 2077
GTA 3 hat die Spieleindustrie nicht nur beeinflusst. Es hat ihr Fundament gegossen. Sandbox-Umgebungen, detaillierte Maps, Minimap mit Missionsmarkierungen, cineastische Story, Fahrzeugphysik, dynamische Welt. Das sind alles Konzepte, die GTA III erstmals in dieser Kombination und Konsequenz umgesetzt hat.
Die DNA des Rockstar-Spiels ist heute in jedem modernen Open-World-Spiel verankert. Egal ob Just Cause, Cyberpunk 2077 oder Assassin's Creed, wenngleich sich viele der Spielmechaniken heute deutlich verfeinert haben (wenn auch nicht immer zum Guten).
Den Maßstab für das Genre zeichnete einmal mehr Rockstar Games mit einem weiteren Ableger der ikonischen Reihe. GTA 5 hat sich seit seinem Launch im Jahr 2013 über 150 Millionen Mal verkauft. Ohne GTA III wäre das undenkbar. Und GTA 6? Das wird das Erbe ab dem 19. November 2026 weiterführen. Auf einer Grundlage, die Rockstar vor über zwei Jahrzehnten in Liberty City gelegt hat.