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Das Jahr 2020 startet für Science-Fiction-Fans mit einem breiten Grinsen im Gesicht, denn eine der ikonischsten Figuren des Star Trek-Universums ist endlich wieder im Dienst: Schauspieler Patrick Stewart schlüpft abermals in seine Paraderolle als Sternenflotten-Kapitän Captain Jean-Luc Picard, um in Star Trek: Picard – 20 Jahre nach den Ereignissen aus dem Kinofilm Star Trek: Nemesis - fremde Welten zu erforschen.
Die Abenteuer von Raumschiff Enterprise erfreuen bereits seit den 1960er-Jahren Science-Fiction-Fans auf der ganzen Welt und etablierten ein Franchise, das bis heute als Aushängeschild eines ganzen Genres gilt. Star Trek leistete in vielerlei Hinsicht Pionierarbeit, heute wollen wir gemeinsam mit Picard das perfekte Science-Fiction-Game basteln. Was benötigen wir denn dafür?
Der Weltraum ist das Ziel
Videospieler mit Interesse für Science-Fiction können sich wahrlich nicht beschweren. Games, die eine ferne Zukunft, futuristisch Technologien, den Weltraum und fremde Planeten samt ihrer außerirdischen Bewohner thematisieren, gibt es wie Sand am Meer. Kein Wunder, dass das Genre im Laufe der Jahre neben etlichen Highlights auch einige absolute Gurken hervorgebracht hat. Doch wie könnte das perfekte Sci-Fi-Game aussehen?
Beginnen wir zunächst einmal mit der Prämisse. Gefühlt jedes Sci-Fi-Spiel stellt euch vor dieselbe Aufgabe: Rette den Planeten (wahlweise auch das Universum oder die gesamte Menschheit) vor einer außerirdischen Gefahr. Wie oft haben wir das in den vergangenen Jahren schon getan? Natürlich kann das auch Spaß machen, wie Spiele wie XCOM 2 oder Space Invaders zeigen.
Erinnern wir uns aber mal Zurück an das Intro der TV-Serie, die Jean-Luc Picard bekannt gemacht hat und Kultstatus genießt: Star Trek: Das nächste Jahrhundert. Ist euch nicht mehr geläufig? Hier bitte schön, beachtet den Text.
Wir zitieren: „Der Weltraum, unendliche Weiten.“ Raumschiff Enterprise ist unterwegs, um fremde Welten zu entdecken, unbekannte Lebensformen und neue Zivilisationen aufzudecken. In Galaxien, die nie ein Mensch zuvor gesehen hat.
Klingt das für euch auch deutlich spannender, als Alien-Invasion XY auf der Erde? Für uns auch. Es ist genau diese Fantasie, die das Sci-Fi-Genre so spannend macht. Was liegt im großen Unbekannten des Weltraums? Was und wen entdecken wir auf unseren Reisen?
Die Mass Effect-Serie thematisierte dies bereits, doch vor allem die Ausflüge mit dem M35 Mako im ersten Teil waren eher ein unnötig monotoner Grind, als eine spannende Erkundungstour. Zwei modernere Beispiele, die genau diese Erforschung des Unbekannten deutlich besser hinbekommen, sind No Man’s Sky und zuletzt Journey to the Savage Planet.
Gerade No Man’s Sky hat sich mittlerweile fast schon zum ultimativen Space-Exploration-Game gemausert. Ihr bereist fremde Welten und trefft dabei auf allerlei interessante Bewohner. Ihr sammelt Ressourcen, verbessert eure Ausrüstung und baut eure eigene Basis, während ihr immer mehr Wissen über die Planeten anhäuft. Genau das ist es doch, was wir im Weltall erleben wollen.
Journey to the Savage Planet, das erst im Januar 2020 erschienen ist, erweitert genau diese Spielmechaniken um einige äußerst spannende Mysterien und vermengt das Ganze mit einer gehörigen Prise feinstem Humor zu einer äußerst spannenden und fesselnden Mischung, kommt dabei aber angenehm kompakt daher – unnötige Längen sucht ihr hier vergebens.
Kreative Kreaturen
All die Erkundung wäre ziemlich schnell öde, wenn die zu erforschenden Welten keine interessanten Bewohner beherbergen würden. Hier ist die Kreativität der Entwickler gefragt, denn wir haben keinen Bock auf die Hundertste Interpretation von Aliens, die aussehen wie Menschen, aber eine andere Hautfarbe haben. Humanoide schön und gut, aber das Genre heißt aus gutem Grund Science Fiction und nicht Science Reality oder so ähnlich.
Die Fiktion erlaubt eine unglaubliche kreative Entfaltungsmöglichkeit. Erlaubt ist alles, was auch nur ansatzweise funktionieren könnte – gerne so verrückt wie irgendwie möglich. Natürlich muss ein Videospiel für die Entwickler in erster Linie funktionieren, dass die frischen Ideen dabei nicht auf der Strecke bleiben, steht erst an zweiter Stelle.
Besonders die Mass Effect-Reihe hat uns, wie die Pioniere des Star Trek-Universums, etliche spannende Alien-Spezies beschert. Von den Turianern über die quallen-artigen Hanar bis hin zu den insektoiden Rachni.
Auch das aberwitzige Journey to the Savage Planet besticht durch völlig abgefahrene Alien-Rassen, die sich der quietschbunten Optik geschuldet stark von den typischen Außerirdischen die man so kennt unterscheiden. Ein erstklassiges Beispiel dafür, wie kreative und erfrischend andere Ideen dem Spielspaß spürbar gut tun.
Die richtigen Werkzeuge
Doch auch bei der Wahl der richtigen Werkzeuge für den Weltraum-Trip ist der Einfallsreichtum der Entwickler von entscheidender Bedeutung. Und Star Trek zeigt, wie schnell aus einer kühnen Zukunftsvision Realität werden kann.
Der Kommunikator erlaubte Gespräche zwischen Crew-Mitgliedern auf verschiedenen Planeten – in den Sechzigern wahnwitzig, heute als handelsübliches Smartphone bekannt. Universal-Übersetzer, Tablet-Computer und Sprachkommandos im Stile moderner Sprachassistenten waren damals allesamt kreative Zukunftsvisionen, die heute aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken sind.
Viele Sci-Fi-Spiele wählen aber leider eher den klassischen (und einfachen) Weg und drücken uns beispielsweise altbekannte Maschinengewehre in die Hand, während sie frische Ideen lediglich anklingen lassen. Macht doch einfach mal etwas völlig Verrücktes, mit dem wir wirklich kreativ werden können.
Wie viel Spaß hatten wir im ersten Red Faction mit der bahnbrechenden GeoMod-Technik, mit der wir uns einfach unter einer verschlossenen Tür durchgraben konnten, statt nach dem Schlüssel zu suchen. Oder der Gravity Gun in Half-Life 2 beziehungsweise der Portal Gun aus Portal?
Eine dunkle Bedrohung
So ganz ohne Obermotz geht es dann aber auch nicht. Bei all der Kreativität und friedlichen Forschung muss es auch eine greifbare Bedrohung geben, denn wir Videospieler lieben vor allem zwei Dinge: Starke Bösewichte und packende Bosskämpfe. Man denke nur an Stallord und Co in The Legend of Zelda oder Poseidon und die anderen Götter in God of War.
Das Sci-Fi-Genre hat uns im Verlaufe der Zeit viele mehr oder weniger gelungene Beispiele geliefert. Jean-Luc Picard und seine Crew sehen sich mit den Borg konfrontiert, Luke Skywalker mit dem Todesstern oder Darth Vader und das Team um Commander Shepard in Mass Effect mit den Reapern. Allesamt deutlich bedrohlicher als beispielsweise die "Bestien" aus der Resistance-Reihe oder die Schar aus Destiny.
Auch hier darf es gerne mal eine andere Idee sein. Wie wäre es mit einem umgekehrten Wettlauf, in dem wir der Gejagte sind und unsere Spuren verwischen müssen oder Alien-Parasiten oder… etwas ganz anderes.
Weltraum-Schlachten? Ja, gerne
Ganz ehrlich? Jeder Trekkie liebt es doch, wenn die Enterprise auf Warpgeschwindigkeit geht und mit Überlichtgeschwindigkeit vom Bildschirm verschwindet, um noch viel weiter entfernt wieder aufzutauchen. Das war in den Sechzigern schon cool. Actionreich inszenierte Weltraum-Schlachten zwischen Raumschiffen gehören Ebenfalls seit Anbeginn zu den beeindruckendsten Szenen der Serie und sind ein Must-Have für jede Sci-Fi-Marke, die etwas von sich hält.
Packende Weltraum-Schlachten sind im Genre der Videospiele allerdings rar gesät. In Mass Effect 2 gab es die Raum-Gefechte nur in Zwischensequenzen zu bestaunen, in der Halo-Reihe war der Ansatz so simpel gehalten, dass schnell gähnende Langeweile aufkam.
Die beeindruckend inszenierten Schlachten aus Star Wars: Battlefront 2 waren da schon eine ganz andere Hausnummer und moderne Klassiker wie EVE: Online, Everspace oder Elite: Dangerous zeigen, wie Weltraum-Schlachten auszusehen haben. Wer Bock auf coole Weltraum-Schlachten hat und diese gerne mit einem fetzigen Soundtrack unterlegt haben möchte, sollte sich Rebel Galaxy Outlaw einmal genauer anschauen.
Ein Schiff mit Persönlichkeit
Die Enterprise ist neben dem Millennium Falcon eines der ersten Beispiele das sogar Sci-Fi-Hassern in den Sinn kommt, wenn sie an Raumschiffe denken. Die Serenity aus Firefly oder die Kampfsterne aus Kampfstern Galactica dürften vermutlich hauptsächlich Genrefans bekannt sein und doch sind sie allesamt positive Beispiele für glaubhafte Sternenkreuzer.
Aktuell zeigt die Netflix-Adaption Lost in Space am Beispiel der Resolute, wie ein überzeugendes Raumschiff mit Persönlichkeit aussehen kann. Immerhin muss man sich vor Augen halten, dass solch ein riesiges Schiff die Heimat für seine Bewohner darstellt, die mitunter Jahre an Bord verbringen und ihrem täglichen Leben nachgehen.
Das muss ein gutes Sci-Fi-Game abbilden können. Das Kommando über ein Raumschiff hat mehr zu bieten, als nur auf der Sternenkarte den nächsten Zielort zu markieren oder mit lahmen NPCs zu quatschen, die eh nicht viel zu sagen haben.
Erneut muss uns Mass Effect als Beispiel herhalten, das mit der Normandy zwar ein stimmiges Schiff zu bieten hat, viele Elemente aber einfach unter den Tisch kehrt. Unser Raumschiff ist doch unsere zweite Heimat und unser sicherer Hafen, der uns vor den Gefahren des Weltraums schützt.
Wir wollen auf der Brücke sehen können, wohin uns unsere Reise führt. Wir wollen im Maschinenraum ein Feuer löschen müssen, wenn wir beschädigt wurden und falls wir mal mit einem Asteroiden kollidiert sein sollten, wollen wir auch die Außenhülle unseres Schiffs reparieren, um wieder flugfähig zu sein. Vieles davon ist in Mass Effect beispielsweise nicht möglich. Bedenkt, dass sich in Star Trek seit jeher ein Großteil der Handlung an Bord der Raumschiffe abspielt, dementsprechend sollten die Raumkutter auch in einem Videospiel einen entsprechend hohen Stellenwert einnehmen.
Ein positives Beispiel ist die USG Ishimura aus der Dead Space-Reihe und hatte genug zu bieten, um als einziger Handlungsort für ein gesamtes Spiel herzuhalten. Trotz düsterer Atmosphäre haben die Entwickler das Gefühl einer einstmals blühenden Heimat für ihre Bewohner hervorragend eingefangen. Jeder Raum, jeder Gang erzählt seine eigene Geschichte und selbst alltägliche Reparaturarbeiten machten irgendwie Laune.
Auch die Raumstation Talos I aus dem 2017 veröffentlichten Shooter Prey überzeugt mit einer glaubhaften Darstellung einer größtenteils verwaisten Basis, die abseits der Haupt-Story eine interessante Geschichte zu erzählen vermag.
Balu und seine Crew
Bereits der erste Trailer zu Star Trek: Picard dürfte unter Fans für ordentlich Pipi in den Augen gesorgt haben, immerhin feierten wir ein Wiedersehen mit den Charakteren, die wir in sieben Staffeln und vier Kinofilmen lieben gelernt haben. In gerade einmal drei Minuten setzt der Trailer mit den Auftritten von Data, Commander Riker oder Seven of Nine für das vielleicht emotionalste Zusammensein in der Geschichte des Sci-Fi-Genres. Also zumindest bei Fans der Serie.
Ein guter Captain ist Nichts ohne seine Crew, das weiß auch Captain Picard. Die Mass Effect-Serie ist eines der besten Beispiele dafür, wie wichtig glaubhafte und vielschichtige Nebencharaktere für die Handlung sind.
Es müssen aber nicht zwingend bis ins kleinste Detail durchdachte Hintergrundgeschichten sein, wie das Strategie-Spiel XCOM 2 beweist. Hier sind es die gemeinsamen Einsätze, die gesammelten Erfahrungen und die simple Zutat in Form eines eigenen Namens, die den Nebenfiguren Charakter verleihen und uns mit jedem vermeidbaren Ableben emotional berühren.
Gleichzeitig zeigen aber auch Beispiele wie das Ende von Mass Effect 2 dass die eigenen Entscheidungen als Captain und das Wissen darüber, dass das Überleben des eigenen Teams in euren Händen liegt, maßgeblich zur Atmosphäre eines Spiels beitragen.
Folgenschwere, nicht gescriptete, Entscheidungen, die unser Schicksal und das unserer Besatzung maßgeblich beeinflussen, würden Science-Fiction-Games auf die nächste Stufe hieven. Mit der Power der noch in diesem Jahr erscheinenden Next-Gen-Konsolen, können wir nur mutmaßen, welche komplexe Spielmechaniken damit in den kommenden Jahren möglich sein werden.
Wir können es jedenfalls kaum erwarten, uns in den kommenden Jahren auf den Weg zu weit entfernten Galaxien zu machen. Bis dahin: Lebt lang und in Frieden.
