Weltstars aus Österreich: Peter Kruder und Richard Dormeister
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Kruder & Dorfmeister: „Nein sagen ist die Lösung für alles“

Das Wiener Elektronik­-Duo Kruder & Dorfmeister definierte in den Neunzigern Coolness neu – mit ihrem eigenen Album ließen sie sich bis heute Zeit.
Autor: Stefan Niederwieser
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THE RED BULLETIN: Wie seid ihr damals mit Stress umgegangen?
PETER KRUDER: Wenn du 300 Tage im Jahr unterwegs bist, macht dich das fertig. Ich habe mir eine Auszeit genommen. Unser Manager meinte: „Relax und ruf an, wenn du wieder kannst.“
RICHARD DORFMEISTER: Die Aktion fand ich super. Du kannst nämlich schnell in ein schwarzes Loch abrau­schen, wenn du versuchst, dich mit Drogen oder Alkohol aufzufangen. Dabei wäre es das Beste, für eine gewisse Zeit zu allem nein zu sagen. Das große Neinsagen ist die Lösung für alles.
KRUDER: Nein war unser wichtigstes Wort. Ständig kamen Angebote, alle großen Plattenfirmen wollten, dass wir bei ihnen unterschreiben.
Was hat euch geerdet?
KRUDER: In Wien gab es keinen Druck. Wir haben alles selbst gemacht. Unten bei mir gab es eine Autowerkstatt und die legendäre Frau Christoph. Ich küsse sie! Sie hat immer gesagt: „Herr Peter, es sind schon wieder 200 Packerl für Sie da, bitte kommen S’, das Büro geht über.“
DORFMEISTER: Wien war unser Ruhepunkt, eine echte Homebase. Wir hatten viele persönliche Kon­takte. Mit denen hast du einfach geredet. Viele waren Freunde.
Ihr habt Madonna und Depeche Mode remixt. David Bowie und Sade aber abgelehnt. Warum?
KRUDER: Den Song von David Bowie, „I’m Afraid of Americans“, fanden wir schrecklich. Und für Sade hätten wir gerne ein paar Jahre früher einen Remix gemacht.
DORFMEISTER: Es war nicht, was wir uns erwarteten. Und nur wegen des großen Namens wollten wir es nicht machen.
Hand aufs Herz: Was würdet ihr heute anders machen?
DORFMEISTER: Wir hätten früher ein Team aufbauen müssen. Du kannst nicht alles allein machen.
KRUDER: Wir haben für andere Künstler auf unserem Label inves­tiert. Wir haben ihnen unseren Standard geboten und unglaubliche Summen investiert, ein paar Eigen­tumswohnungen.
DORFMEISTER: Plötzlich sind Leu­te gekommen, die ein Teil davon sein wollten. Bei den Beatles und Apple Music war es genauso. Wir wollten alles selbst machen. Aber du brauchst einen Plan. Jemanden, der dich gut berät… Aber vielleicht hat es auch so sein müssen.
Ihr habt lange andere Projekte verfolgt. Was hat euch wieder zusammengebracht?
KRUDER: Wir haben eine Auszeich­nung der Stadt Wien bekommen. Da meinte meine großartige Frau, wir können unmöglich keine Party machen.
DORFMEISTER: Ich habe 2017 ein altes Foto gepostet und dazugeschrieben: „Party in der Prater­sauna“. Das war ein Knaller!
KRUDER: Der Club war randvoll. Vor der Tür haben noch einmal tausend Leute gewartet.
Gibt es bald mehr Musik von euch?
KRUDER: Das Arge ist, sehr viele unserer Tracks gibt es in einigen komplett anderen Versionen.
DORFMEISTER: Das Gesamtpaket ist sehr wichtig. Es gehören viele Komponenten dazu, damit deine Arbeit zu etwas Besonderem wird.
KRUDER: Diese Platte stimmt jetzt. Der Moment ist perfekt dafür.
"1995“ von Kruder & Dorfmeister ist auf G-Stone Recordings erschienen. Wie die beiden die Welt auseinandernehmen und neu zusammensetzen: kruderdorfmeister.com