Wintersports
Mit zahlreichen Siegen im Gesamtweltcup gehört die Schweiz zu den erfolgreichsten Nationen im FIS Ski World Cup. Das ist kein Wunder, schliesslich ist die Schweiz eine traditionsreiche Wintersportnation mit unzähligen fantastischen Hängen und erstklassigen Skigebieten im Herzen der Alpen.Im Laufe der letzten Jahrzehnte haben die Eidgenossen dementsprechend viele Top-Skifahrer hervorgebracht.
Wer der grösste Schweizer Skifahrer aller Zeiten ist, Pirmin Zurbriggen oder Marco Odermatt, ist mittlerweile eher eine Glaubensfrage. Für eine möglichst objektive Einordnung hilft das Ski-DB Super Ranking.
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Pirmin Zurbriggen (4. Februar 1963 in Saas-Almagell)
Pirmin Zurbriggen gilt als einer der grössten Schweizer Skistars aller Zeiten. Über viele Jahre wurde er von vielen Fans sogar als der beste Skifahrer überhaupt betrachtet, der jemals eine Skipiste hinabfuhr. Marcel Hirscher beispielsweise hat keinen Abfahrtssieg zu verzeichnen Zurbriggen ist einer von nur fünf Skifahrern, die in allen fünf Disziplinen mindestens einmal im Weltcup gewinnen konnten.
Der Walliser ist zudem der einzige Skifahrer, der in einer Saison (1986/87) nicht nur die Gesamtwertung im FIS Ski World Cup, sondern auch vier der fünf Disziplinenwertungen gewann: Abfahrt, Super-G, Riesenslalom und Kombination. Insgesamt verzeichnet der Allrounder einen Olympiasieg, vier WM-Titel, vier Siege im Gesamtweltcup, elf weitere Siege in Disziplinenwertungen und 40 Weltcupsiege.
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Didier Cuche (16. August 1974 in Le Pâquier)
Was lange währt, wird endlich gut: Didier Cuche hatte zu Beginn seiner Karriere 1998 Olympiasilber im Super-G geholt, galt aufgrund ausbleibender Siege danach aber als „ewiger Zweiter“. Erst mit über 30 Jahren hagelte es Erfolge. Cuche holte vier WM-Medaillen, darunter Gold im Super-G 2009. Zwischen 2006 und 2011 gewann er viermal den Abfahrtsweltcup sowie jeweils einmal die Disziplinenwertung in Super-G und Riesenslalom. Sechsmal siegte er auf der berüchtigten Streif in Kitzbühel.Cuche hält die Rekorde als ältester Sieger eines Weltcuprennens in den Disziplinen Abfahrt, Super-G und Riesenslalom, zudem ist er der älteste Weltcupsieger überhaupt: 37 Jahre und sechs Monate war er alt, als er in der Saison 2011/12 in Crans-Montana (SUI) den Super-G gewann. In Erinnerung geblieben ist er auch mit seinem „Ski-Salto“ nach erfolgreicher Fahrt im Zielbereich: Bindung lösen, Ski mit Schwung durch die Luft wirbeln, mit der Hand fangen!
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Michael von Grünigen (11. April 1969 in Schönried)
Michael von Grünigen ist ein echter Riesenslalomspezialist. In seiner Lieblingsdisziplin holte „MvG“ 23 Weltcupsiege, zweimal WM-Gold (1997 und 2001) sowie je einmal Bronze bei einer WM und Olympischen Spielen (1998). Viermal sicherte er sich die Riesenslalom-Disziplinenwertung. Nicht ganz so gut lief es im Slalom: 1996 holte er im Stangenwald von Sierra Nevada WM-Bronze, und zweimal verpasste er den Weltcupsieg als Zweiter nur knapp ausgerechnet beim Heimrennen in Wengen! Eine besondere Herausforderung bewältigte er, als er mit 30 Jahren seine Schwungtechnik umstellen musste: Als in der Saison 1999/2000 der neue Carvingstil im Weltcup aufkam, blieb MvG erstmals seit 1994 ohne Sieg. Daraufhin passte er seine Fahrweise an, gewann in der darauffolgenden Saison WM-Gold in St. Anton und feierte bis zu seinem Karriereende 2003 noch viele weitere Erfolge.
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Peter Müller (6. Oktober 1957 in Adliswil)
An Peter Müller kam ab Ende der 1970-Jahre keiner vorbei, der eine Weltcupabfahrt gewinnen wollte. Zweimal sicherte er sich die „kleine Kristallkugel“ für die Weltcup-Disziplinenwertung in der Abfahrt, 19-mal landete er in seiner Karriere ganz oben auf dem Treppchen eines Downhills. Damit ist Müller hinter dem Österreicher Franz Klammer der zweiterfolgreichste Abfahrer der Geschichte. Der ganz grosse Einzelerfolg blieb ihm jedoch lange verwehrt: Erst 1987 gewann er in Crans-Montana den WM-Titel in der Abfahrt; 1985 und 1989 holte er Silber. 1984 und 1988 verpasste er Olympiagold knapp und wurde ebenfalls Zweiter. Zu Beginn seiner Karriere wurde ihm nachgesagt, dass er nur auf Strecken gewinnen könne, auf denen er seine Fähigkeiten als Gleiter ausspielen konnte. Diese Kritik verstummte 1980, als Müller die extrem anspruchsvolle Lauberhornabfahrt in Wengen gewann.
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Carlo Janka (15. Oktober 1986 in Obersaxen)
Mit elf Weltcupsiegen zählt Carlo Janka zu den erfolgreichsten aktiven Schweizer Skifahrern. Allerdings liegen seine Erfolge schon einige Jahre zurück. Er erlebte seinen Durchbruch 2008 bei seiner dritten Weltcupabfahrt, als er in Lake Louise mit Startnummer 65 auf den zweiten Platz fuhr. Zwei Wochen später stand er beim Riesenslalom in Val-d’Isère erstmals ganz oben auf dem Podest. Am gleichen Ort holte er zwei Monate danach WM-Gold im Riesenslalom. Auch die folgende Saison lief glänzend: In Vancouver wurde er Riesenslalom-Olympiasieger, und nach Siegen in sechs Weltcuprennen entschied er die Weltcup-Gesamtwertung für sich. Dann jedoch der Rückschlag: Herzrhythmusstörungen nach einer Viruserkrankung sowie chronische Rückenbeschwerden verhinderten zunächst weitere grosse Erfolge. Erst 2015 holte er wieder einen Weltcupsieg. Janka ist weiter aktiv, konnte aber seit 2016 keinen Weltcup mehr gewinnen.
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Bernhard Russi (20. August 1948 in Andermatt)
Bernhard Russi war in den frühen 1970er-Jahren einer der dominierenden Abfahrer der Welt und prägte die Anfangszeit des FIS Ski World Cups entscheidend mit. Seinen internationalen Durchbruch schaffte er 1970 bei den Weltmeisterschaften in Val Gardena/Gröden, wo er Abfahrts-Weltmeister wurde.
Bei den Olympischen Spielen 1972 in Sapporo feierte Russi seinen grössten Triumph: Er gewann Olympiagold in der Abfahrt und wurde damit zum neuen Gesicht des Schweizer Speed-Teams. Vier Jahre später, 1976 in Innsbruck, holte er in derselben Disziplin Olympiasilber und bestätigte damit seine Ausnahmestellung in der Königsdisziplin.
Im Weltcup gewann Russi mehrfach die Abfahrtswertung und sammelte zahlreiche Siege und Podestplätze auf den schwierigsten Pisten der Welt. Nach seiner aktiven Karriere blieb er dem Skisport treu – als TV-Experte und vor allem als Kursdesigner für Abfahrtsstrecken bei Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen. Damit hat Russi den alpinen Skisport nicht nur als Athlet, sondern auch als Gestalter der spektakulärsten Abfahrten nachhaltig geprägt.
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Honorable Mention: Roger Staub (1936-1974)
Das Ski-DB Super Ranking berücksichtigt nur Erfolge von Fahrern seit der Einführung des FIS Ski World Cups 1967. Aber natürlich gab es auch davor schon erfolgreiche Schweizer Skirennläufer. Einer davon ist Edy Reinalter (1920-1962), der nach seinem Triumph bei den Olympischen Winterspielen 1948 in seinem Heimatort St. Moritz der erste Schweizer ist, der im Slalom Olympiasieger wurde. Weitere internationale Erfolge hat Reinalter jedoch nicht zu verzeichnen im Gegensatz zu Roger Staub. Der Mann aus Arosa landete bei den Olympischen Winterspielen 1956 in der Abfahrt zwar nur auf dem vierten Platz. Bei der Ski-WM zwei Jahre später in Badgastein holte er dann aber drei Medaillen: Silber in der Abfahrt, Bronze im Riesenslalom und Bronze in der Kombination! 1960schliesslich die Krönung: Staub gewann bei den Olympischen Spielen Gold im Riesenslalom. Der Jubel kam allerdings erst spät: Der Stadionsprecher hatte nach seiner Zieleinfahrt eine falsche Zeit angegeben, so dass Staub glaubte, wieder nur Zweiter geworden zu sein. Erst nach einer Viertelstunde stand sein Olympiasieg definitiv fest!
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Marco Odermatt (8. Oktober 1997 in Stans)
Marco Odermatt hat das Schweizer Herren-Ski-Team in eine neue Ära geführt. Spätestens seit Mitte der 2020er-Jahre gehört er endgültig zur absoluten Weltelite in einer Reihe mit Namen wie Jean-Claude Killy, Hermann Maier und Pirmin Zurbriggen.
Odermatt ist der erste Mann, der in einer Saison vier Kristallkugeln gewonnen hat, seit Skilegende Hermann Maier dies in der Saison 2000/01 geschafft hat. In der Saison 2023/24 holte der Nidwaldner die grosse Gesamtwertung sowie die Disziplinenkugeln in Abfahrt, Super-G und Riesenslalom. Er war damit auch der erste Schweizer Skifahrer seit Pirmin Zurbriggen 1986/87, der in einer Saison sowohl den Gesamtweltcup als auch drei Disziplinenwertungen gewann.
Seine Dominanz setzte er fort: Auch in den Saisons 2024/25 und 2025/26 gewann Odermatt den Gesamtweltcup. Damit steht er bei fünf grossen Kristallkugeln in Serie und ist einer der erfolgreichsten Gesamtweltcup-Sieger der Geschichte. Dazu kommen zahlreiche Kristallkugeln in den Disziplinen Riesenslalom, Super-G und Abfahrt.
Auf der ganz grossen Bühne glänzte Odermatt ebenfalls: 2022 krönte er sich in Peking zum Olympiasieger im Riesenslalom, 2023 wurde er in Courchevel/Méribel Weltmeister in seiner Paradedisziplin. Bei den Olympischen Winterspielen 2026 in Mailand/Cortina gewann er Silber im Riesenslalom, Silber in der Team-Kombination und Bronze im Super-G. Damit ist er mehrfacher Olympia-Medaillengewinner in technischen wie in Speed-Disziplinen.
Mit seiner Mischung aus aggressiver, aber extrem kontrollierter Fahrweise dominiert Odermatt vor allem den Riesenslalom, hat sich aber in den Speeddisziplinen vom Aussenseiter zum Siegfahrer entwickelt. Mit einer beeindruckenden Anzahl an Weltcupsiegen gehört er schon jetzt zu den grössten Skifahrern, die die Schweiz je hervorgebracht hat.
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Franjo von Allmen (24. Juli 2001 in Boltingen)
Franjo von Allmen gehört zur jungen Garde der Schweizer Speed-Spezialisten und ist innert weniger Jahre vom Talent zum Seriensieger bei Grossanlässen aufgestiegen. Der Berner machte zunächst im Nachwuchsbereich und im Europacup auf sich aufmerksam, bevor er den Sprung in den Weltcup schaffte. Seine Stärken liegen klar in den schnellen Disziplinen Abfahrt und Super-G.
Spätestens seit der WM 2025 in Saalbach ist klar, dass von Allmen zur absoluten Weltspitze gehört: Dort wurde er Abfahrts-Weltmeister und gewann zudem Gold in der Team-Kombination. Den ganz grossen Durchbruch auf der globalen Bühne feierte er dann bei den Olympischen Winterspielen 2026 in Mailand/Cortina. Dort gelang ihm ein historischer Coup:
- Gold in der Abfahrt
- Gold im Super-G
- Gold in der Team-Kombination
Dieses olympische Speed-Triple machte ihn über Nacht zu einem der erfolgreichsten Schweizer Abfahrer überhaupt und liess Erinnerungen an die grossen Zeiten von Peter Müller, Franz Heinzer, Didier Cuche oder Beat Feuz aufleben. Von Allmen gilt als einer der prägendsten Speedfahrer seiner Generation und seine Karriere ist noch lange nicht zu Ende.
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Loïc Meillard (29. Oktober 1996 in Neuenburg)
Loïc Meillard stand lange ein wenig im Schatten von Überflieger Marco Odermatt, ist aber selbst einer der vielseitigsten und konstantesten Techniker im Weltcup. Der Romand bewegt sich seit Jahren in mehreren Disziplinen auf höchstem Niveau vor allem im Riesenslalom und Slalom, aber auch in Parallelbewerben und Kombinationen. Er feierte mehrere Weltcupsiege in unterschiedlichen Disziplinen und etablierte sich als Eckpfeiler des Schweizer Technik-Teams.
Mit seinen Erfolgen bei der WM 2025 in Saalbach und den Olympischen Winterspielen 2026 in Mailand/Cortina hat Meillard seine Karriere gekrönt: In Saalbach wurde er Slalom-Weltmeister und holte zudem Gold in der Team-Kombination. Ein Jahr später erreichte er auf olympischer Bühne das Maximum im Stangenwald:
- Olympisches Gold im Slalom in Mailand/Cortina 2026
- Silber in der Team-Kombination
- Bronze im Riesenslalom
Damit ist Meillard in beiden technischen Kerndisziplinen olympisch dekoriert und zählt zu den erfolgreichsten Schweizer Slalomfahrern überhaupt. Als „Honorable Mention“ steht er knapp ausserhalb der absoluten Allzeit-Topliste, dennoch ist er eine Schlüsselfigur der aktuellen Ära und ein zentraler Grund dafür, dass die Schweiz im technischen Bereich so stark besetzt ist wie selten zuvor.
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