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Florian Lipowitz: Wie der Rising Star acht Wochen seinem Alltag entfloh
The Show must go on?! Der Tour de France-Dritte konterte nach einer bahnbrechenden Saison mit einer wochenlangen Auszeit. Hier verrät "Lipo" erstmals Insights aus dieser Zeit.
7652 Kilometer in 52 Tagen: Diese Stats hatte Florian Lipowitz am Ende seiner Saison 2025 für Red Bull - BORA - hansgrohe auf dem Tacho. Was jedoch erst ein genauerer Blick auf Trainingsplan und Rennkalender offenbaren, war die achtwöchige Pause - mehr als doppelt so lang wie gewöhnlich für einen Klassement-Fahrer - im Herbst letzten Jahres.
Schuld war nicht der Körper, sondern der anhaltende Hype über das Tour de France-Podium, das den eher stillen Schwaben einfach nicht zur Ruhe kommen ließ. Im Gespräch mit Red Bulletin verrät "Lipo" nunmehr Insights aus der Pause und wie schwer es war, mit dem plötzlichen Rampenlicht im Alltag umzugehen.
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Was passierte bei der Tour de France 2025?
Sensation White: Das weiße Trikot verteidigte "Lipo" gegen Oscar Onley!
© Maximilian Fries / Red Bull Content Pool
Die Tour de France aus der Sicht von Florian Lipowitz gleicht einem Märchen, wie es beim härtsten Straßenrennen der Welt nur alle Jubeljahre passiert:
- Erste Tour de France-Teilnahme als Joker und Edelhelfer
- Zurückhaltende erste Tour-Woche an der Seite von Kapitän Primoz Roglic
- Von Tag zu Tag stärker und Solo-Attacke bzw. Verfolgung von Jonas Vingegaard auf der 12. Etappe
- Aufstieg zum Kapitän von Red Bull - BORA - hansgrohe und Übernahme des Weißen Trikots (Maillot blanc)
- Platz 3 im Gesamtklassement, hinter den unantastbaren Superstars Pogacar und Vingegaard, sowie Träger des Weißen Trikots als bester Fahrer unter 25 Jahren.
Dieses Tour-Verlauf machte ihn über Nacht von einem relativ unbekannten Fahrer zum Rising Star im UCI World Tour-Zirkus. Doch die damit verbundene Aufmerksamkeit erwies sich als Daily Struggle für den jungen Schwaben. Angefangen bei der dritten Tour-Woche, wo Florian Lipowitz mit einem vollgepackten Programm aus Medienterminen und Auftritten nach den Etappen, jonglierte. Zeit zum Abschalten oder mentale Regeneration? Pas possible, wie die Franzosen sagen. Das Level an Intensität? Ebenso hoch wie im Vorfeld der Tour.
Zusammen mit dem Trainingslager war der gesamte Sommer von "Lipo" quasi auf Anschlag gebaut. Vier Monate vor der Tour de France zog der 25-Jährige auf den Pico del Teide (kurz Teide) nach Teneriffa – in ein karges Zimmer im einzigen Hotel des Bergs auf 2.200 Metern Höhe. Drei Wochen lang, vier- bis fünfstündige Einheiten pro Tag.
In der Höhe zwingt die dünnere Luft den Körper dazu, sich anzupassen, indem er mehr rote Blutkörperchen produziert, die die Sauerstoffversorgung und die Ausdauer verbessern. Die Vorteile können monatelang anhalten, weshalb viele World Tour-Teams jedes Frühjahr auf dem Teide trainieren.
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Warum hat Lipowitz eine zweimonatige Pause eingelegt?
Jubelnde Fans, Spotlight, Siegerehrung: Lipowitz und die Normalität!
© Maximilian Fries / Red Bull Content Pool
Selbst auf dem Zielstrich des Champs Élysées riss der Lipo-Hype nicht ab. Im Gegenteil: Er ging erst richtig los und verfolgte den Schwaben bis zum Elternhaus in Laichingen.
Ich hatte keine Ruhe, konnte nicht abschalten. Zehn bis zwölf Mal pro Tag klingelte es an der Tür.
Wildfremde Menschen klingelten zehn- bis zwölfmal am Tag an der Haustür seiner Eltern. Dazu Interview-Anfragen, Nachrichten-Overload auf dem Handy, ständige Aufmerksamkeit – für einen, der das Rampenlicht eigentlich meidet, schlicht zu viel. By the Way: Glückwünsche kamen aus ganz Deutschland, bis hinauf zum Bundeskanzler.
Im Gespräch mit Red Bulletin sagte Lipowitz: "Ich hatte keine Ruhe, konnte nicht abschalten." Ein Umstand, dem er auch gesundheitlich Tribut zollen musste. Mehrfach wurde der 25-Jährige krank, unterzog sich außerdem einer Operation an der Nasenscheidewand. Rückblickend stellte er fest, dass diese Erfahrung ihn daran gehindert hatte, den größten Erfolg seiner Karriere in vollen Zügen zu genießen.
Daraufhin traf er eine - für einen Spitzensportler in der Prime - seltene Entscheidung: Er stellte sein Rad für acht Wochen in die Ecke, legte sich am Gardasee auf eine Luftmatratze und tauchte ab. Erst aus der Distanz reifte die Erkenntnis: "Ich hätte mich mehr freuen sollen über den dritten Platz." Der Tour-Dritte dachte auch darüber nach, dass er einen Podiumsplatz bei der Frankreich-Rundfahrt vielleicht nur einmal im Leben erlebt, weshalb es umso wichtiger ist, den Moment zu genießen.
Jetzt rollt der Deutsche wieder dorthin, wo 2025 alles begann. Bei der Tour de France 2026 führt Lipowitz Red Bull – BORA – hansgrohe gemeinsam mit Neuzugang Remco Evenepoel an. Gestartet wird am 4. Juli in Barcelona – mit einem 19,6 Kilometer langen Mannschaftszeitfahren.