Thaller, Tertinegg und Burgstaller, das Gründungsteam von Coinfinity
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Entrepreneurship

Coinfinity – die Bitcoin-Puristen

Krypto hat aktuell zwar einen schlechten Ruf, die Urwährung Bitcoin erhält aber dennoch Zulauf. Davon profitiert Coinfinity, der älteste Bitcoin-Broker Österreichs: „Wir sehen eine echte Renaissance.“
Von: Nikolaus Jilch
4 min readPublished on
Leichte Tage sind es nicht. Bitcoin, Krypto: War da nicht was …?
Der Kollaps der Börse FTX und die möglicherweise kriminelle Backstory dahinter rücken Krypto-Währungen in ein schlechtes Licht. Mal wieder. FTX war nicht die erste Börse, die den Geist aufgibt. Nicht der erste potenzielle Gauner in der Branche. „Wer lang genug dabei ist, kennt das schon“, sagt Thomas Burgstaller.
Herkunft: Graz. Körpergröße: 202 cm. Spitzname: Fichte. So kennen ihn auch die anderen „Bitcoiner“ auf Twitter, wo sie sich gerne rumtreiben. Burgstaller ist Teil des Teams von Coinfinity. Das Grazer Start-up steht seit 2014 für Bitcoin. Und zwar „nur für Bitcoin“, wie Burgstaller betont: „Nur Bitcoin. Das ist auch meine Antwort, wenn jemand nach FTX fragt.“

Graz statt Bahamas

Bei Coinfinity ist so ziemlich alles anders als bei der zusammengebrochenen Börse, die bezeichnenderweise auf den Bahamas registriert war. Die Grazer haben schon mehrere der teils rasanten Berg- und Talfahrten von Bitcoin erlebt. Sie haben schon viele Rattenfänger kommen und gehen sehen, die mit Krypto das schnelle Geld machen wollten – und teilweise auch gemacht haben.
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Wir glauben, dass Bitcoin eine revolutionäre Technologie ist.
Thomas Burgstaller, Coinfinity
Dabei ist man den Grundprinzipien immer treu geblieben: „Wir glauben, dass Bitcoin eine revolutionäre Technologie ist. Daher setzen wir sehr stark auf Beratung und Aufklärung. Und raten auch mal von einem Investment ab, selbst wenn uns das Umsatz kosten sollte“, sagt Burgstaller.
Vor allem aber: Coinfinity hält kein Geld für die Kunden. Die digitalen Münzen werden sofort der Selbstverwahrung übergeben. Das ist zwar technisch ein wenig aufwendig und erfordert viel Erklärarbeit, entspricht aber dem Ethos der Bitcoiner: „Not your keys, not your coins“ – nicht dein Schlüssel (zum digitalen Tresor), nicht deine Bitcoins!

Bitcoin: Geld => Information

Denn das ist das Revolutionäre an Bitcoin, erklärt Burgstaller: „Es verwandelt Geld in Information. Ich kann jederzeit über mein Vermögen verfügen, es nutzen und bewegen, wie es mir passt – ohne Überwachung durch Staat und Unternehmen, ohne Angst vor Hacks oder so haben zu müssen.“ Was Coinfinity auch anders macht: Die Beratung wird sogar persönlich angeboten. In der Grazer Innenstadt gehört man längst zum Stadtbild.
Begonnen hat aber alles mit einem Song auf YouTube. Max Tertinegg, der Gründer von Coinfinity, ist nämlich Musiker – und hat bereits 2011 einen der ersten Songs über Bitcoin geschrieben. Einen Song über Bitcoin?? „Ja, ich war von der Technik einfach fasziniert und wollte etwas beitragen. Dann hab ich einfach einen Song gemacht“, erzählt Max. „Und mich gewundert.“ Denn es gab schon damals eine Community. Und die war sogar bereit, sich erkenntlich zu zeigen – Tertinegg erhielt Spenden in Bitcoin. Spenden, die heute ein kleines Vermögen wert wären.
Thomas Burgstaller, Ko-Gründer von Coinfinity

Thomas Burgstaller, Ko-Gründer von Coinfinity

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Denn die digitale Währung stieg seitdem um tausende Prozent im Wert. Nach einem Hoch bei 69.000 Euro im vergangenen Jahr, „grundelte“ sie zuletzt bei rund 16.000 Euro herum – das ist zwar viel weniger als an der Spitze des letzten „Bullenmarktes“, aber immer noch verdammt viel.
Jetzt allerdings passiert etwas, das Tertinegg überrascht: „Es fühlt sich gerade echt an wie 2014, als wir Coinfinity gegründet haben. Die Leute kommen vorbei und erkundigen sich über die Technologie und ihre Möglichkeiten. Es geht weniger um das schnelle Geld, sondern um konkrete Probleme in ihrem Leben.“

Krisen als Beschleuniger für Krypto

Pandemie, Krieg, Inflation und die Neugier von Staaten und Unternehmen, denen die Privatsphäre der Menschen zuwider ist, sorgen bei Bitcoin für Zulauf. Auch viele Glücksritter von früher wenden sich von der Zockerei am Kryptomarkt ab und kehren zum Original zurück. "Wir sehen eine echte Renaissance von Bitcoin. Technik und Ökonomik hinter Bitcoin, das war in den letzten Jahren nur selten ein Thema. Aber jetzt haben die Leute wieder ein genuines Interesse an Bitcoin.“
Coinfinity setzt daher jetzt mehr denn je auf Aufklärung und Content. Mit Fabio Tröndle, dem Gründer des Bitcoin-Verlags Aprycot Media, hat man sich einen „Head of Education“ ins Haus geholt, das Team veranstaltet auch wieder Events in Graz und Wien. Und das Geschäftslokal ist sowieso stets offen.
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Wir sehen eine echte Renaissance von Bitcoin.
Thomas Burgstaller, Coinfinity
Coinfinity hat inzwischen 25 Mitarbeiter, einen Umsatz im hohen zweistelligen Millionenbereich. Die Bestandskunden kommen vor allem aus Österreich, im DACH-Raum (Deutschland, Österreich, Schweiz) wolle man jetzt wachsen, danach im Rest Europas.
Dafür hat man ein neues Web-Portal gestartet – und neue Apps für die Generation Smartphone an den Start gebracht. Auch das so genannte Lightning-Protokoll soll integriert werden. Das erlaubt Bitcoin-Zahlungen in Echtzeit und zu praktisch keinen Kosten ¬– und macht Bitcoin zu einer echten Alternative im Alltag. Eines der wichtigsten Features für die Hardcore-Bitcoiner, die die aktuelle Renaissance ja schließlich tragen.