Mwita, 33, hat tansanische Wurzeln, kommt aus Salzburg und lebt in Wien.
© Atila Vadoc
Music

Mwita Mataro: Indie-Rock goes Austropop

Nach der Doku „Austroschwarz" legt der At Pavillon-Frontmann nun mit seinem Solo-Album „Austrodrama“ nach. Hier spricht Mwita Mataro über harte Jobs, kreative Stützräder und musikalisch langen Atem.
Autor: Nina Kaltenböck
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Was ist in den vergangenen drei Jahren seit At Pavillons Album „Personal Development Deals“ passiert? Ist doch eine scharfe Kurve zu Austropop.

Mwita Mataro: Ich hab letztes Jahr die Kino-Doku „Austroschwarz“ gemacht und habe mich für den Film mit Austropop befasst. An dem Film haben wir fünf Jahre gearbeitet. Das war ein schöner Exkurs. An Sprache gibt es viele Herangehensweisen. Und ich wollte dann an einen Song mit Augenzwinkern arbeiten, an „Magdalena“. In dem Song verlege ich für einen Crush am Arbeitsplatz den Kellner-Job vom Kaffee Alt Wien ins Cafe Prückel.

Du arbeitest seit acht Jahren nebenbei als Kellner. Was hat dich der Job über das Leben und die Menschen gelehrt?

Mwita Mataro: Ich hab jetzt viel mehr Empathie für Menschen in der Gastro, die gestresst und unfreundlich sind. Das ist ein knallharter Job und geht nach acht oder neun Stunden am Tag an die Substanz. Immer freundlich, empathisch und respektvoll sein, no matter what. Aber man kann super networken. Ich hab die halbe Wiener Kulturbranche bedient.

Die Frage ist halt – Henne oder Ei? Ist zuerst der Grant da oder zuerst der mühsame Gast?

Mwita Mataro: Ja, das kann man philosophisch betrachten. An meinem Arbeitsplatz sagt man mir immer, ich sei viel zu freundlich zu allen. Ich mach es mir zur Aufgabe, wenn ich an einen schlecht gelaunten Gast gerate, ihn mit einem Lächeln wieder nach Hause zu entlassen.

Diesen Job und deine anderen Tätigkeiten eingeschlossen – worauf bist du stolz?

Mwita Mataro: Darauf, dass ich immer noch voll daran interessiert bin, Musik und Kunst zu machen, obwohl vieles dagegenspricht. Ich bin immer noch Teilzeit in der Gastro. Daneben arbeite ich an der Musik oder anderer Kunst. Ich wollte schon nach dem ersten At Pavillon-Album aufhören, da hat mir dann aber der Slivo von 5/8erl in Ehr’n Mut zugesprochen.

Welche schöne Erinnerung mit deiner Band At Pavillon trägt dich bis heute?

Mwita Mataro: Als ich auch mal bei At Pavillon gesagt habe, dass ich aufhören möchte. Und meine Bandkollegen meinten: „Jetzt chill einmal, du Drama Queen.“ Wir haben dann Konzerte weitergespielt und ich fand es sehr berührend, dass sie meine Entscheidung nicht als endgültig gesehen haben. Da bin ich sehr dankbar, dass sie mir Raum und Zeit gegeben haben.

… du gehst den Weg des Musikmachens, weil du trotz allem on fire bist?

Mwita Mataro: Viele Friends von mir werden grad Eltern oder haben andere Verpflichtungen und ich denke, dass ich mir als Single-Mann das noch erlauben kann. Wäre ich jetzt Vater würde ich verstehen, wenn meine Partnerin sagen würde „Hawara, die Tour und so zahlt sich nicht aus, wenn du mit null Euro nach Hause gehst.“ Ich glaube, dann würde ich wahrscheinlich im Keller Sounds machen und wäre ein cringer Vater, der sagt: „Komm, Sohn, machen wir einen Song!“

Wann bist du kreativ?

Mwita Mataro: Immer, wenn ich es sein muss. Bei den Heartbreak-Songs „Magdalena“ oder „Netz“ will ich einfach Emotionen verarbeiten. Und sonst ist es eine Übungssache. Ich nehme einfach am Handy Ideen auf oder mach mir vorm Schlafengehen Notizen. Oder ich treff den Hubert Weinheimer der Band Das Trojanische Pferd um 13 Uhr auf einen Tee und schreib sehr officemäßig an einem Text mit ihm. Der Hubert ist so ein gutes … wie heißen die Dinger an Kinderrädern, so ein gutes Stützrad. Weil er auch so ein Nerd ist mit Worten.

Wer oder was inspiriert dich vor dem künstlerischen Prozess?

Mwita Mataro: Podcasts von Kunstschaffenden. Austropop wie Laurenz Nikolaus. Und Random-Geschichten wie Friedensreich Hundertwasser. Ich mag Leute, die die Norm in Frage stellen.

Gibt es einen legendären Austropopper, den du respektierst?

Mwita Mataro: Als ich die Single „Austrodrama“ bei Zebo Adam (Musikproduzent u.a. von Bilderbuch und Wanda, Anm.) aufgenommen habe und dann fürs Mixen zum Fire gegangen bin, meinte Fire zu Zebo: „Das klingt ja wie Hansi Lang.“ Zebo dann: „I waß eh!“ Das wurde mir dann auch noch von einer Kollegin gesagt. Und meine Live-Band sieht das ähnlich. Das war ziemlich unheimlich.

Mwita Mataros Debütalbum „Austrodrama“ erscheint am 23. Oktober.

Mwita Mataros Debütalbum „Austrodrama“ erscheint am 23. Oktober.

© Las Vegas Records

Welche Songzeilen von deinem Album taugen dir ganz besonders?

Mwita Mataro: Die Zeilen, die ich mit Manuel Poppe von Wanda für die Single „Grüße Sie“ geschrieben habe: Hoch am Himmel kreist der Adler übers Land / Kann er mich von meinem Schmerz befreien / Hoch vom Himmel landet er auf meiner Hand / Auf einmal seh ich, dass er weint /

Welche drei Songs von dir muss die Welt kennen?

Mwita Mataro: „Austrodrama“ als Einstieg. Eben „Grüße Sie“. Und dann „Kalenderjahr“.

Wenn es dann zu Live-Konzerten geht – wie gehst du mit Nervosität um?

Mwita Mataro: Ich habe Respekt davor und bin extrem hyped. Es spielt auch viel mit, wie man zur Location kommt, wie die Stimmung im Team ist. Wenn alle entspannt und alle Bedürfnisse gestillt sind, ist das ein Indiz dafür, dass es ein echt feiner Abend wird.

Gibt es einen Gig von dir, der dir speziell in Erinnerung geblieben ist?

Mwita Mataro: Wir haben während der Hitzewelle beim Kultursommer gespielt. Das war ein Sitzkonzert, aber ich habe die Leute animiert, dass sie aufstehen und die Stühle in den Himmel heben. Die sind dann voll gehyped Richtung Bühne gelaufen. Das hat mich sehr gefreut.

Wovon träumst du?

Mwita Mataro: Mal das Arena Open Air auszuverkaufen. Und von Bookings bei Sommerfestivals wie Rock im Dorf, dem Szene Openair und dem Noppen Air.

Wenn du Musik von internationalen Artists hörst, welches Album macht dir immer gute Laune?

Mwita Mataro: „Wolfgang Amadeus Phoenix“ der Indie-Band Phoenix. Da bin ich echt ein die-hard Fan. Das ist perfekt produziert. Die haben dafür einen Grammy gewonnen und ich hör es jeden Monat.

Wie sieht dein Leben 2040 aus?

Mwita Mataro: Ich will weiterhin Musik machen und einen coolen Teamsport für mich finden.

Was ist der Sinn des Lebens?

Mwita Mataro: Wenn man sich beim Aufstehen auf den Tag freut und es kaum erwarten kann, Sachen zu erleben.

Mwita Mataro Live