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14 Jahre war der britische MI6-Agent von der virtuellen Bildfläche verschwunden. Dann kam Hitman-Macher IO Interactive. Und dann das: 007 First Light ist das Bond-Spiel, auf das Fans seit GoldenEye gewartet haben und vielleicht sogar das beste der Geschichte. Unser Test.
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Was ist 007 First Light?
Ein Bond-Spiel muss Stil haben. Swagger. Es braucht die Ästhetik, die Bond-Fantasie wirklich zu leben. Nicht mit Call-of-Duty-Mechaniken und Dauerfeuer im Smoking, sondern mit echtem Verständnis dafür, was den britischen Kult-Agenten ausmacht. Das hat IO Interactive, das Kopenhagener Studio hinter der Hitman-Trilogie, offensichtlich verstanden. Herausgekommen ist 007 First Light.
Ein Third-Person-Action-Adventure, das intensive Stealth-Passagen, gefährliche Infiltrationen, Gadget-Eskapaden und explosionsreiche Action so nahtlos verbindet wie kein Bond-Spiel zuvor und damit die Bond-DNA perfekt einfängt. Ein Hauch Uncharted, eine ordentliche Prise Hitman und frische Ideen machen First Light zu einem der heißesten Spiele des Jahres.
Die Hitman-Macher aus dem hohen Norden beweisen eindrucksvoll, dass sie nicht nur ihr Handwerk verstehen sondern auch eine klare Vision davon haben, wie ein 007-Spiel aussehen muss. Actionreich, taktisch, atmosphärisch und mit einer gehörigen Prise Humor.
Die Kampagne selbst dauert rund 20 Stunden, kann aber deutlich länger werden, wenn du die Welt auskundschafst. Für ein Lizenzspiel ist das beachtlich. IO Interactive hat zudem Updates angekündigt, die den Launch-Content noch erweitern werden.
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Die Story: Agent in Ausbildung
007 First Light spielt im Hier und Jetzt, doch der Bond darin ist jung. Sehr jung. Patrick Gibson (bekannt aus The OA und Shadow and Bone) spielt einen 26-jährigen James Bond, der zu Beginn noch als Royal Navy-Crewman unterwegs ist. Nach einem improvisierten Alleingang gerät er ins Visier von MI6, wird ins 00-Training aufgenommen und muss sich mit sechs weiteren Rekruten beweisen. Den 007-Status trägt er die gesamte Spielzeit über noch nicht. Er muss ihn sich erst verdienen.
Das klingt riskant, funktioniert aber hervorragend. Gibsons Bond ist gesprächiger, frecher und aufmüpfiger als sein gealterter Kino-Kollege. Aber mit derselben Autorität, die man von einem zukünftigen Doppelnull-Agenten erwartet. Sein Charisma macht das Action-Adventure zu einem gelungenen, cineastischen Erlebnis, das selbst komplexe Szenen hervorragend hinbekommt.
Mentor John Greenway, gespielt von Lennie James (The Walking Dead), ist ein weiterer Volltreffer. Sein Skeptizismus gegenüber Bond und die daraus entstehende Reibung ziehen sich als trockener, unterhaltsamer Faden durch die gesamte Kampagne. Moneypenny, M und Q sind ebenfalls dabei. Modernisiert und doch gut erkennbar für Fans der Bond-Reihe.
Die Story selbst ist ein klug konstruierter Thriller: ein schattenhaftes Netzwerk, eine rückkehrende 009, KI-gestützte Bedrohungen, politische Machtspielchen. Alles mit dabei. Wer die Daniel-Craig-Ära kennt, wird DNA aus Skyfall, Spectre und No Time to Die erkennen. Vorwissen aus dem 007-Universum setzt First Light allerdings nicht voraus. Fans freuen sich jedoch über zahlreiche Anspielungen und Details.
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So geht Bond-Gameplay
IO Interactive baut 007 First Light auf dem Hitman-Gerüst auf, ein Novum für ein Bond-Game. Dabei geht das Entwicklerstudio aber dennoch eigene Wege. Die offenen Missionsabschnitte funktionieren nach vertrautem Prinzip: große, belebte Areale, mehrere Herangehensweisen, viel Spielraum für Improvisation. Wer Hitman kennt, fühlt sich sofort zuhause. Doch First Light ist keine Reskin.
In den Stealth-Abschnitten gehst du vor wie Bond: Gespräche belauschen für wertvolle Infos, Taschendiebstahl, Schlüsselcodes aus Safes klauen, unbemerkt durch gesperrte Bereiche navigieren. Der Q-Lens-Scanmodus markiert Feinde, Ressourcen und interaktive Punkte auf Knopfdruck, ohne die Atmosphäre zu brechen.
Das Highlight des Gameplay-Systems ist aber der Bluff-Mechanismus. Wirst du beim Schleichen erwischt, kannst du per Tastendruck improvisieren und dem Wachmann erklären, warum du hier bist. Mechaniker, verlorener Tourist, verärgerter Manager: Bond findet immer einen Ausweg. Naja... meistens jedenfalls. Bluffs sind begrenzt und manche NPCs sind immun. Das macht daraus kein Freilos, sondern ein echtes Werkzeug. Es passt perfekt zur Bond-Fantasie und ist gleichzeitig eines der frischesten Stealth-Konzepte seit Jahren.
Die großen Kapitel folgen einem klaren Rhythmus: Die erste Hälfte ist das Bad in der Menge. Eintauchen, Informationen sammeln, Tarnung aufrechthalten. Gepaart mit exzellentem Schleich-Gameplay, Verfolgungsjagden mit verschiedenen Vehikeln und intensiven Bossfights schnürt 007 First Light hier ein packendes und atmosphärisches Gesamtpaket.
Zwischen den Missionsabschnitten gibt es Raum zum Atmen und Erkunden. In den abwechslungsreichen Locations rund um den Erdball kann man einfach mal die Seele baumeln lassen und den NPCs bei ihren Interaktionen beiwohnen, Sammelitems suchen oder die Kulisse auf sich wirken lassen.
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Q packt die Trickkiste aus
Das Gadget-System ist eines der Stärken des Spiels. Q stattet dich mit einer wachsenden Auswahl aus: chemische Darts, die Wachen vorübergehend krank machen und Wege freiräumen, ein Laser, der metallene Schlösser wegschmilzt, Bluetooth-Earbuds als Rauchgranaten. So muss das sein. Außerdem kann die Q-Watch elektronische Geräte hacken, Wachen ablenken und sogar Elektroschocks einsetzen. Alle Gadgets sind dabei optional, wie du vorgehen willst, um eine Mission abzuschließen, liegt ganz bei dir.
Das Kampfsystem teilt sich in drei Bereiche. Stealth ist der Standard. Wirst du entdeckt, schaltet das Spiel entweder in lautlosen Nahkampf oder den Actionmodus. Letzterer wird automatisch aktiviert, sobald ein Feind eine Waffe zieht.
Bond als Nahkämpfer lässt Agent 47 weit hinter sich. Es gibt Ausweichmanöver, Konter und umgebungsgestützte Angriffe: Bücher in Regale rammen, Kaffeebecher ins Gesicht werfen, Tastaturen als Schlagwerkzeug nutzen. Wenn Geschirr nicht festgeschraubt ist, landet es in den nächsten Minuten in einem Söldnergesicht. Das macht den Faustkampf roher und befriedigender als erwartet. Wenn auch stellenweise etwas unübersichtlich, wenn Bond von mehreren Gegnern gleichzeitig angegangen wird.
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Eine Welt zum Verlieben
Die atmosphärische Spielwelt von 007 First ist der heimliche Star des Spiels. Londoner Apartment, MI6-Hauptquartier, Q-Lab mit schrulligen Testläufen, das alles wirkt durchdacht und lebendig, nicht wie Kulisse. Die Schauplätze reichen von Mauritanien über Vietnam bis zu einer verschneiten slowakischen Burg, die sich beim Einfahren hinter einer Kurve spektakulär entfaltet.
Das Detailniveau ist bemerkenswert. Der literarische Bond hatte eine lange, vertikale Narbe auf der rechten Wange und auch der virtuelle Gibson trägt sie. Im MI6-Trainingslager auf Malta steht ein 2006er Aston Martin mit verwitterten Felgen, abgeklebten Verkleidungsteilen und den Spuren einer intensiv genutzten Trainingsschleuder. Dieses Kult-Auto der Filme ist nur kurz zu sehen, trägt aber einen enormen Detailgrad.
Es gibt Momente, die in jedem anderen Spiel Zwischensequenzen wären: ein dramatischer Einzug auf einem slowakischen Schloss, eine Trainingssequenz, die zwischen Verfolgungsjagd, Schleichen und Schießen wechselt und gleichzeitig die Beziehungen zwischen den 00-Rekruten entwickelt. In First Light spielst du diese Momente selbst, was für einen frischen Wind und eine greifbare Atmosphäre sorgt.
Hinzu kommen ein orchestraler Score mit Bond-typischen Brass-Motiven, der sich dynamisch anpasst, sowie exzellent vertonte Dialoge und Figuren.
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007: Die Lizenz zum Spielen
007 First Light ist das Bond-Spiel, das die Franchise verdient hat. IO Interactive hat nicht einfach Hitman neu angestrichen, sondern ein eigenständiges, liebevoll konstruiertes Action-Adventure gebaut, das tief versteht, was James Bond ist. Auch wenn nicht alle Spielelemente aufgehen (wie Quick-Time-Events oder etwas schwachen Fahr-Passagen), ergibt sich hier ein intensives und rundes Gesamtpaket.
Patrick Gibson überzeugt als jüngerer Bond. Die Story trägt. Die Welt lebt. Das Gameplay-Gerüst aus Stealth, Bluffen und Action gehört zum Frischesten, was das Genre seit Jahren gesehen hat. Und dass IO Interactive nach Jahrzehnten des Hitman-Sandkasten-Designs eine so schlagkräftige lineare Erzählung abliefert, ist die eigentliche Überraschung. Das alles macht 007 First Light nicht nur zu einem Pflichttitel für Bond-Fans sondern für alle, denen der Sinn nach einem gelungenen neuen Stealth-Abenteuer steht.