Für Gea geben die hellen «Light Leaks» dem Shot genau den richtigen Vibe.
© Benoit Gea
Bike

Bike-Fotograf Ben Gea: So sieht BMX-Streetstyle aus

Zehn Jahre lang war er selbst BMX-Profi. Mittlerweile nimmt Benoît «Ben» Gea andere Rider in den Fokus seiner Kamera – und erschafft eine verträumte Action-Welt in Schwarz-Weiss.
Autor: Pauline Krätzig
3 min readPublished on
Schnell und oft improvisiert: Das ist BMX. Für ein Medium wie die Fotografie, das oft nur den Bruchteil eines Augenblicks einfängt, ist das eine ziemliche Herausforderung. Benoît «Ben» Gea hat da gleich mehrere Vorteile: Als ehemaliger BMX-Profi sieht er, welchen Trick ein Rider gerade vorbereitet. Und als Fotograf weiss er, wie er mit Lichteffekten auf den Bildern Tempo macht. Er selbst braucht bei der Arbeit Ausdauer. «Den Jungs bei einer Street-Session zu folgen, ist manchmal echt heavy. Deshalb trage ich auf Fototour ­möglichst wenig Zeug mit mir rum.»
Gea liess BMX-Flatland-Weltmeister Matthias Dandois ganz in Weiss antanzen.

Gea liess BMX-Flatland-Weltmeister Matthias Dandois ganz in Weiss antanzen.

© Benoit Gea

Gea dokumentiert die ­kreative Seite der Szene, vor allem Freestyle-BMX und das ganze Drumherum – die Anspannung, die ­Vorbereitung eines Tricks, die Stürze, alles, was dazugehört. «Ich will mit meinen Bildern Ge­schichten erzählen, nicht nur ein schönes Foto machen», erklärt er. «BMX‑Fotos kon­zentrieren sich oft nur auf den Rider. Ich versuche, noch eine zusätz­liche Ebene oder andere Elemente einzubauen. Die Strasse ist dafür perfekt. Dort passiert ­immer etwas. Und alles, was das Bild lebendig macht, darf mit drauf.» Genau das gibt seinen Bildern ihren einzigartigen Drive. Auch, dass Gea mit den ­meisten ­Fahrern, die er mit der Kamera ­begleitet, zu Profizeiten bereits geshreddet hat oder lange mit ihnen befreundet ist. Man versteht sich ohne Worte, kommuniziert mit Blicken – auch mal via Headset, wenn das Timing von Trick und «Klick!» on point sein muss.
Benoît «Ben» Gea, 36, aus Pau in Frankreich, war über 10 Jahre BMX-Profi.

Benoît «Ben» Gea, 36, aus Pau in Frankreich, war über 10 Jahre BMX-Profi.

© Benoit Gea

Weichzeichner

BMX-Fahrer Jo Gass, ein Freund von Fotograf Ben Gea.

BMX-Fahrer Jo Gass, ein Freund von Fotograf Ben Gea.

© Benoit Gea

Streetfotografie ist spontan und echt. Ein Blick hinter die Fas­sade. «Mein Kumpel Jo (Gass, Anm.) wirkt mit seinen kurzen Haaren und seinem Style wie ein Bad Boy. Das Bild mit den zwei Kampfhunden beweist: Lasst euch nicht vom Äusseren täuschen. Alle drei beissen nicht.»

Und: Action!

Bei «Slides» grindet der Fahrer über ein Rail oder eine Kante (Ledge).

Bei «Slides» grindet der Fahrer über ein Rail oder eine Kante (Ledge).

© Benoit Gea

Im BMX-Sport gibt es grob gesagt zwei Arten von Tricks: Aerials – Moves in der Luft. Und Slides – dabei grindet der Fahrer über ein Geländer (Rail) oder eine Kante (Ledge). Gea: «Slides sind fotografisch oft weniger spektakulär. Ich bringe Spannung rein, indem ich mit der Belichtungszeit spiele. Die Bewegungsunschärfe wirkt superdynamisch.»

Konkurrenzlos

Matthias Dandois vor dem Musée des Confluences in Lyon.

Matthias Dandois vor dem Musée des Confluences in Lyon.

© Benoit Gea

Mit seiner futuristischen Architektur erinnert das Musée des Confluences in Lyon an eine schwebende Kristallwolke. «Ein visuell extrem starker Spot», sagt Gea. «Das Umfeld ist bei meinen Bildkompositionen ­extrem wichtig.»
Quotation
Mich inspirieren Regisseure wie Stanley Kubrick oder David Lynch und ihre präzise komponierten, atmosphärisch aufgeladenen Szenen.
Benoit Gea

Flugobjekte

Gea mag keine verkrampften Gruppenfotos. Die Lösung: Tauben.

Gea mag keine verkrampften Gruppenfotos. Die Lösung: Tauben.

© Benoit Gea

Gruppenfotos sind oft gruselig gestellt. Gea wirbelt das verkrampfte Posing gerne auf – mit Tauben. «Für mich symbolisieren sie das pure Street-Feeling. Ausserdem sind sie ­unberechenbar und sorgen immer für eine Überraschung auf dem entwickelten Bild.»

Cool bleiben

Photobombing der guten Art – Benoit Gea mag solche «Effekte».

Photobombing der guten Art – Benoit Gea mag solche «Effekte».

© Benoit Gea

Die meisten Menschen sind ­genervt, wenn eine fremde Person mitten durchs Bild läuft. Gea begrüsst spontanen Besuch wie diese unbekannte Lady vor der Linse. «Genau diese Mischung aus Street- und BMX-Fotografie liebe ich.»

Aufwirbeln

Jo Gass unterwegs in Bordeaux.

Jo Gass unterwegs in Bordeaux.

© Benoit Gea

Bilder können den Blick auf die Welt verändern. Mit seiner alten Hasselblad 500  C schafft es Gea, die Aufmerksamkeit der Betrachter auf Details wie ein Hinterrad zu shiften. «Die Kamera ist dasselbe ­Modell, das die Crew von ­Apollo 17 1972 auf dem Weg zum Mond dabeihatte.»
Quotation
BMX-Fotos konzentrieren sich oft nur auf den Rider. Ich versuche, noch andere Elemente ein­zubauen. Die Strasse ist dafür perfekt. Dort passiert immer etwas.
Benoit Gea

Freundeskreis

Der «Trip Apache» lockt jährlich französische BMX-Fahrer ins Baskenland.

Der «Trip Apache» lockt jährlich französische BMX-Fahrer ins Baskenland.

© Benoit Gea

Seit 2008 treffen sich jährlich über 80 Freunde aus ganz Frankreich, um die ikonischen Bowls im Baskenland zu shredden. Gea findet: «Der ‹Apache Trip› fühlt sich wie ein Festival an. Man rollt entspannt mit einem Drink in der Hand über Betonwellen.»

Teil dieser Story

Matthias Dandois

Er ist zwar erst Anfang 20, doch Matthias Dandois gehört zu den besten BMX-Flatland-Ridern der nächsten Generation und hat eine lange Karriere vor sich.

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