Schnell und oft improvisiert: Das ist BMX. Für ein Medium wie die Fotografie, das oft nur den Bruchteil eines Augenblicks einfängt, ist das eine ziemliche Herausforderung. Benoît «Ben» Gea hat da gleich mehrere Vorteile: Als ehemaliger BMX-Profi sieht er, welchen Trick ein Rider gerade vorbereitet. Und als Fotograf weiss er, wie er mit Lichteffekten auf den Bildern Tempo macht. Er selbst braucht bei der Arbeit Ausdauer. «Den Jungs bei einer Street-Session zu folgen, ist manchmal echt heavy. Deshalb trage ich auf Fototour möglichst wenig Zeug mit mir rum.»
Gea dokumentiert die kreative Seite der Szene, vor allem Freestyle-BMX und das ganze Drumherum – die Anspannung, die Vorbereitung eines Tricks, die Stürze, alles, was dazugehört. «Ich will mit meinen Bildern Geschichten erzählen, nicht nur ein schönes Foto machen», erklärt er. «BMX‑Fotos konzentrieren sich oft nur auf den Rider. Ich versuche, noch eine zusätzliche Ebene oder andere Elemente einzubauen. Die Strasse ist dafür perfekt. Dort passiert immer etwas. Und alles, was das Bild lebendig macht, darf mit drauf.» Genau das gibt seinen Bildern ihren einzigartigen Drive. Auch, dass Gea mit den meisten Fahrern, die er mit der Kamera begleitet, zu Profizeiten bereits geshreddet hat oder lange mit ihnen befreundet ist. Man versteht sich ohne Worte, kommuniziert mit Blicken – auch mal via Headset, wenn das Timing von Trick und «Klick!» on point sein muss.
Weichzeichner
Streetfotografie ist spontan und echt. Ein Blick hinter die Fassade. «Mein Kumpel Jo (Gass, Anm.) wirkt mit seinen kurzen Haaren und seinem Style wie ein Bad Boy. Das Bild mit den zwei Kampfhunden beweist: Lasst euch nicht vom Äusseren täuschen. Alle drei beissen nicht.»
Und: Action!
Im BMX-Sport gibt es grob gesagt zwei Arten von Tricks: Aerials – Moves in der Luft. Und Slides – dabei grindet der Fahrer über ein Geländer (Rail) oder eine Kante (Ledge). Gea: «Slides sind fotografisch oft weniger spektakulär. Ich bringe Spannung rein, indem ich mit der Belichtungszeit spiele. Die Bewegungsunschärfe wirkt superdynamisch.»
Konkurrenzlos
Mit seiner futuristischen Architektur erinnert das Musée des Confluences in Lyon an eine schwebende Kristallwolke. «Ein visuell extrem starker Spot», sagt Gea. «Das Umfeld ist bei meinen Bildkompositionen extrem wichtig.»
Mich inspirieren Regisseure wie Stanley Kubrick oder David Lynch und ihre präzise komponierten, atmosphärisch aufgeladenen Szenen.
Flugobjekte
Gruppenfotos sind oft gruselig gestellt. Gea wirbelt das verkrampfte Posing gerne auf – mit Tauben. «Für mich symbolisieren sie das pure Street-Feeling. Ausserdem sind sie unberechenbar und sorgen immer für eine Überraschung auf dem entwickelten Bild.»
Cool bleiben
Die meisten Menschen sind genervt, wenn eine fremde Person mitten durchs Bild läuft. Gea begrüsst spontanen Besuch wie diese unbekannte Lady vor der Linse. «Genau diese Mischung aus Street- und BMX-Fotografie liebe ich.»
Aufwirbeln
Bilder können den Blick auf die Welt verändern. Mit seiner alten Hasselblad 500 C schafft es Gea, die Aufmerksamkeit der Betrachter auf Details wie ein Hinterrad zu shiften. «Die Kamera ist dasselbe Modell, das die Crew von Apollo 17 1972 auf dem Weg zum Mond dabeihatte.»
BMX-Fotos konzentrieren sich oft nur auf den Rider. Ich versuche, noch andere Elemente einzubauen. Die Strasse ist dafür perfekt. Dort passiert immer etwas.
Freundeskreis
Seit 2008 treffen sich jährlich über 80 Freunde aus ganz Frankreich, um die ikonischen Bowls im Baskenland zu shredden. Gea findet: «Der ‹Apache Trip› fühlt sich wie ein Festival an. Man rollt entspannt mit einem Drink in der Hand über Betonwellen.»