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Marvel's Wolverine Test: Logan fährt die Krallen aus
Insomniac verlässt mit Marvel's Wolverine die offene Spielwelt und schickt dich auf einen linearen, brutalen Trip. Der Test zeigt, was das Actionspiel wirklich kann.
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Nach den offenen Spider-Man-Abenteuern schlägt Insomniac mit Marvel's Wolverine einen anderen Weg ein: linear, düster und deutlich blutiger. Ob dir das Solo-Abenteuer von Logan gefällt, hängt stark davon ab, was du dir von einem Actionspiel erwartest. Wir haben getestet, was hinter den Adamantium-Krallen steckt.
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Was ist Marvel's Wolverine?
Mit den Spider-Man-Spielen hat Insomniac gezeigt, wie gut sich Marvel-Helden in offenen Welten anfühlen können. Bei Marvel's Wolverine geht das Studio bewusst einen anderen Weg. Statt New York zum Durchschwingen gibt es ein lineares, cineastisches Action-Adventure, das eher an God of War oder Uncharted erinnert als an die bisherigen Insomniac-Superheldenspiele.
Das zeigt sich auch am Ton: Wolverine bekommt in Deutschland ein USK-18-Rating. Kämpfe sind explizit erwachsen, brutal und das Spiel hebt sich stilistisch klar von der familienfreundlichen Spider-Man-Reihe ab. Wer damit nichts anfangen kann, findet in den Optionen aber genug Regler, um Gewaltdarstellung, Blut und Verstümmelungen einzuschränken.
Für die Hauptstory solltest du mit etwa 15 bis 18 Stunden rechnen, je nachdem, wie viele optionale Nightmare-Tore und Sammelgegenstände du mitnimmst. Nach dem Abspann lassen sich einzelne Kapitel erneut spielen, außerdem gibt es einen New-Game-Plus-Modus.
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Story-Fokus auf Team X
Professor X, Magneto und die klassischen X-Men suchst du in diesem Spiel vergeblich. Stattdessen spielt Marvel's Wolverine im Earth-1048-Universum, in dem sich Logan einer Gruppe namens Team X angeschlossen hat. Angeführt wird sie vom mysteriösen Nathaniel Essex, verkörpert von Troy Baker. Mit dabei sind unter anderem Sabretooth und die gestaltwandelnde Mystique, während auch die Sentinels eine Rolle spielen.
Der Einstieg präsentiert sich spannend: Logan, der sich zuvor mit dem Team überworfen hatte, soll Essex aus den Fängen des Mutantenhassers Bolivar Trask befreien. Daraus entwickelt sich eine größere Verschwörung rund um die systematische Jagd auf Mutant:innen, die das Spiel mit klaren Anleihen an reale Themen wie Vorurteil und Verfolgung erzählt.
Die übergeordnete Handlung um Team X und die Mutantenjagd ist solide erzählt, aber schon früh vorhersehbar. Deutlich mehr Tiefe bekommt die Beziehung zwischen Logan und Jean Grey, die im Spielverlauf zum Team stößt. Ihre Dynamik liefert den emotionalen Kern des Spiels, die Marvel's Wolverine hervorragend inszeniert.
Auffällig ist außerdem die Charakterisierung von Logan selbst: Statt des klassischen, wortkargen Rage-Berserkers zeigt Marvel's Wolverine einen auffällig sanften, verletzlichen und empathischen Helden, der seine Wutausbrüche über weite Strecken unter Kontrolle hat. Wichtige Hintergründe zu seiner Vergangenheit und der von Jean erfährst du dabei größtenteils optional in sogenannten Nightmare-Toren, kurzen Herausforderungen abseits der Hauptstory.
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Mit Krallen und Klauen: Das Kampfsystem
Das Kampfsystem macht natürlich einen Großteil des Marvel's Wolverine Gameplays aus und das zeigt sich sehr abwechslungsreich. Im Zentrum steht ein klassisches Schema aus Angreifen, Ausweichen und Parieren. Logans Adamantium-Klauen sind dabei nicht nur Waffe, sondern auch Schutzschild gegen Fernkämpfer. Ein Ampelsystem zeigt an, welche Angriffe sich parieren lassen und welche nicht.
Zusätzlich füllt sich im Kampf eine dreistufige Rage-Leiste. Auf der höchsten Stufe schaltest du Gegner mit Finishern in Sekundenschnelle aus. Die Rage-Stufen sind gleichzeitig an die Heilung gekoppelt: Ohne mindestens eine Stufe Wut kann sich Logan nicht mehr regenerieren, was dem eigentlich nahezu unsterblichen Mutanten zusätzliche Tiefe liefert.
Im Verlauf des Spiels schaltest du bis zu sechs Spezialfähigkeiten frei, von denen du maximal vier gleichzeitig ausrüsten kannst. Dazu kommt ein separates System namens Adaptionen: Passive Boni, die du über zehn Slots kombinierst und die dein Logan-Build zumindest leicht in Richtung Heilung, Sammelgegenstände oder Rage-Management lenken.
Was besonders gefällt ist, wie befriedigend sich einzelne Kämpfe anfühlen, besonders in den aufwendig inszenierten Bossfights. Auf Dauer wirkt das Kampfsystem allerdings etwas repetitiv. Da Logans Klauen so gut wie jeden Gegnertyp gleich effektiv erledigen, gibt es wenig Anreiz, das eigene Vorgehen zu variieren.
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Linear und fokussiert: Das Leveldesign
Statt einer offenen Stadt reist du durch drei unterschiedliche Schauplätze: das winterliche Kanada, den fiktiven Inselstaat Madripoor und Tokio. Die Level sind eher mit einem Action-Plattformer vergleichbar als mit einer offenen Welt, echte Nebenmissionen gibt es nicht. Marvel's Wolverine ist deutlich linearer aufgebaut und führt dich von einem Ziel zum nächsten. Das fühlt sich frisch und fokussiert an, dürfte aber nicht jedem gefallen.
Abseits der Hauptroute findest du gelegentlich Abzweigungen mit Materialkisten für neue Anzüge, Whiskyflaschen mit Hintergrundgeschichten und die bereits erwähnten Nightmare-Tore. Die Qualität der Level schwankt dabei jedoch spürbar. Die kanadische Wildnis überzeugt optisch mit stimmigem Effektgewitter, während Tokio detailreich, aber einen Tick zu verwinkelt und chaotisch daherkommt.
Der Verzicht auf offene Spielwelt und klassische Nebenquests ist aber durchaus positiv zu sehen, denn Marvel's Wolverine hält das Spieltempo damit konstant hoch. Wer aber gerade den Umfang und die Erkundung der Spider-Man-Spiele an Insomniac schätzt, muss sich hier umstellen.
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Die technische Seite
Optisch bewegt sich Marvel's Wolverine auf dem gewohnt hohen Niveau der Insomniac-Engine, vor allem in Zwischensequenzen und bei den Kampfeffekten. Insomniac zaubert hier ein echtes Effektgewitter auf den Bildschirm, bei dem dir ein ums andere Mal die Kinnlade herunterklappt. Auf der PS5 stehen ein Performance-Modus mit 60 fps und ein Qualitätsmodus mit 30 fps zur Verfügung, beide unterstützen VRR und optional 120 Hz. Auf der PS5 Pro kommen erweiterte Raytracing-Effekte hinzu, der Qualitätsmodus läuft dort mit aktivierter 120-Hz-Option bei rund 40 fps.
Besonders bei den Barrierefreiheitsoptionen fällt Marvel's Wolverine positiv auf: Fünf Schwierigkeitsgrade, ein Screenreader, umfangreiche Einstellungen für Hörvermögen, Bewegungsempfindlichkeit sowie motorische und visuelle Einschränkungen gehören zum Umfang. Auch einzelne Tonfrequenzen lassen sich gezielt herausfiltern. Und: Wer die brutalen Kampfeffekte etwas herunterschrauben will, erhält im Menü ebenfalls die Möglichkeit dazu.
Allerdings zeigt sich das Game immer wieder von kleinen technischen Ungereimtheiten geplagt, von denen der Day-1-Patch jedoch einen Großteil beheben soll. Dazu zählen beispielsweise etwa hakelige Interaktionen mit Objekten oder vereinzelt Gegner, die in der Umgebung feststecken.
Auch die Vertonung von Marvel's Wolverine weiß zu gefallen. Insbesondere die Musik und Soundeffekte präsentieren sich wuchtig und atmosphärisch. Wer kann sollte unbedingt auf die englische Original-Synchronisation zurückgreifen.
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Marvel's Wolverine: Ein Action-Brett, aber nicht für jeden
In der Summe seiner Teile ist Marvel's Wolverine ein gelungenes, actionlastiges Solo-Abenteuer mit klarer Handschrift. Besonders die Charakterisierung von Logan, seine Chemie mit Jean Grey und die filmreife Inszenierung überzeugen. Wer brachiale Kämpfe und eine geradlinige Superhelden-Story mag, bekommt hier ein rundes Paket.
Frei von Schwächen bleibt Logan's Abenteuer allerdings nicht. Das Kampfsystem bleibt über die gesamte Spielzeit mechanisch simpel, die Haupthandlung um Team X ist vorhersehbar und Umfang sowie Spielwelt fallen im Vergleich zu Insomniacs eigenen Spider-Man-Spielen deutlich kleiner aus.