Champéry–Les Crosets–Morgins: 10 Downhill-Strecken und 4 MTB-Seilbahnen.
© BENJAMIN PELLET
Bike

Bike-Trails für Champions

Sich mit anderen Ridern auf harten Racetracks messen: Das ist Red Bull Downtime. Hier sind die vier Bikeparks, wo ihr das tun könnt. Plus: Ein Shaper verrät, wie man einen perfekten Trail baut.
Autor: Nicola Berger
6 min readPublished on
Jérôme Hunziker bastelte bereits als Teenager an Kurven und Rampen – auch wenn er dafür oft keine Erlaubnis hatte. Heute bauen er und sein Bruder mit ihrem Unternehmen die besten Trails der Schweiz. Ein Gespräch über die ideale Linie, künstlerische Freiheit und seine Lieblingsstrecke.
Profi-Shaper Jérôme Hunziker weiß, was gute Bikeparks ausmacht.

Profi-Shaper Jérôme Hunziker weiß, was gute Bikeparks ausmacht.

© PHIL WENGER

Wie baut man den perfekten Bike-Trail?

Jérôme Hunziker: Wenn wir ein neues Projekt in Angriff nehmen, haben wir eine Idealvorstellung. Und dann schauen wir, was möglich ist. Die Ausgangslage ist nicht so, dass wir auf den Bagger steigen und nach Lust und Laune präparieren können. Es gibt viele Auflagen; Amts- und Fachstellen schauen einem auf die Finger, was ja auch gut ist.

Wie viel Kompromissbereitschaft braucht es bei so einem Projekt?

Jérôme Hunziker: Wir können meist nicht fünf Strecken an einem Berg bauen, dafür fehlt der Platz. Wir versuchen darum, in einen Trail so viele Schwierigkeitsgrade einzubauen wie möglich. Das heisst: Die rechte Seite ist vielleicht eher etwas für Einsteiger und Gelegenheitsfahrer. Und links gibt es dann die Finessen, mit denen routinierte, anspruchsvolle Biker angesprochen werden. So funktionieren progressive Trails. Es gibt bestimmt Tiefbauunternehmen, die besser baggern können als wir. Aber ihnen fehlt dann vielleicht das Form­verständnis. Einen Flowtrail, auf dem man fast mit den Stützrädern runterkommt – wir sagen dazu «Chügelibahn» –, kann ­jeder bauen. Aber es kommt eben auf die Nuancen an.

Seit wann beschäftigt ihr euch mit dem Bau von Trails und Bikeparks?

Jérôme Hunziker: Wir waren schon als Teenager begeisterte Biker und haben die Tage damit verbracht, im Wald oder auf den Feldern von Bauern Schanzen und Trails zu basteln, auch wenn wir dafür nicht immer die Erlaubnis hatten. Ernsthaft angefangen haben wir 2009 mit einem Slopestyle-Event in der Eishalle Thun. So sind wir in die Bau­szene reingerutscht. Als blutige Anfänger. Wir profitierten davon, dass mein Bruder Ramon einer der besten Freerider im Land war und als erster Schweizer überhaupt an der Red Bull Rampage teilgenommen hat. Das hat uns gewisse Kredibilität gegeben, mein Bruder war in den Anfangsjahren fast immer das Versuchskaninchen. Heute beschäftigen wir 15 Mitarbeiter. Und jeder, der bei uns arbeitet, ist selbst ein aktiver Fahrer.

Das heisst, ihr baut die Trails auch für euch?

Jérôme Hunziker: Auch, ja! Für uns fühlt sich das schon ein bisschen so an, als könnten wir unsere Träume ausleben. Nicht jeder hat das Privileg, sein Hobby zum Beruf zu machen. Wir sind oft auf dem Velo. Und holen uns so Inspiration. Selbst wenn wir mal einen Trail fahren, der uns nicht behagt, erweitert das den Horizont. Dann weiss man, wie man es nicht machen will. Im Ausland beobachten wir, dass die Trailbauer teilweise echte Künstler sind. Da wird tagelang an einer Trockenmauer gearbeitet, die man für einen winzigen Sprung nutzen kann. In der Schweiz ist so etwas nicht zu finanzieren.

Fliesst auch Feedback aus der Com­munity in die Strecken ein?

Jérôme Hunziker: Auf jeden Fall. Wir haben viele Biker, die uns bei Bauprojekten immer wieder unter die Arme greifen. Generell ist die Szene ja recht unübersichtlich geworden. Rund um unsere Heimatstadt Thun gibt es ein ganzes Netz an Bikeparks, Pumptracks und Trails, in der Bike-Infrastruktur hat sich extrem viel getan. Wenn dir früher am Thunersee ein Biker entgegenkam, hat man den persönlich gekannt. Heute ist das Mountainbiken Volkssport.

Ist das Publikum anspruchsvoller geworden?

Jérôme Hunziker: Ich glaube, das war es schon immer. Ich finde es erfreulich, wie viele Menschen sich heute für diesen Sport begeistern. Die Jugend von heute fährt auch viel ­besser, als wir das früher taten. Mit vierzehn hatten wir keine Ahnung, heute schauen die Teenager sich die Red Bull Rampage-Videos an und können schon die schwierigsten Trails fahren. Da staune ich immer wieder.

Gibt es eine Lieblingsstrecke?

Jérôme Hunziker: Für mich persönlich Les Dents du Midi/Champéry, die ja auch Teil von Red Bull Downtime ist (siehe Infokasten rechts ­unten; Anm.). Schnell und steil ist es da, das mag ich.

Gibt es Trends in der Bike-Szene, die ihr beim Streckenbau berücksichtigt?

Jérôme Hunziker: Ja, aktuell beschäftigt uns, dass die Trails flüssig zu fahren sind, aber doch natur­belassen bleiben. Das heisst: Man baggert einen Hügel eben nicht weg, sondern macht eine Welle daraus. Es darf auch Wurzeln und Steine im Trail haben.

Apropos Nachhaltigkeit: Wie sieht es mit dem Unterhalt aus?

Jérôme Hunziker: Der hängt von der Frequenz ab. Bereits bei der Planung und beim Bau wird der Erosion durch Wetter und Nutzung Rechnung getragen. Da konnten wir über die Jahre viel Erfahrung sammeln. Aber grundsätzlich werden die Trails jedes Jahr mit unserer Spezialmaschine be­arbeitet. Da werden Bremslöcher geflickt, Steine weggeräumt, Entwässerungen durchgeführt. Und alle drei bis vier Jahre gibt’s eine leichte Sanierung.

Wie lange dauert es, bis ein Projekt ­fertiggestellt ist?

Jérôme Hunziker: Das ist unterschiedlich. Im besten Fall ein Jahr, bei Pumptracks in Sportzonen ist das so, wenn man wirklich Vollgas geben kann. Wir haben aber auch Anlagen, bei denen wir uns seit zehn Jahren in der Planung befinden, ohne dass je eine Schaufel in den Boden gesteckt wurde. Da gibt es hier noch ein Gutachten, dort neue Besitzverhältnisse. Aber wir haben einen langen Atem, auch das wird klappen.

Seit kurzem ist die Flying Metal Crew für den Bikepark Wiriehorn zuständig. Wie sehen eure Pläne aus?

Jérôme Hunziker: Es ist einer der ältesten Bikeparks der Schweiz, und unser Anspruch ist es, ihn zu neuem Glanz zu führen. Wir sind dran, alle bestehenden Strecken zu ­sanieren und auf den neuesten Stand zu bringen. In einem zweiten Schritt werden wir neue Trails bauen. Das Potenzial ist riesig. Und natürlich freuen wir uns, dass das Wiriehorn ein Red Bull Downtime-Stopp ist. Das ist ein wichtiges Gütesiegel und steht exemplarisch für das Vertrauen, das man uns entgegenbringt.

01

Champéry – Les Crosets – Morgins

Der Aderenalinkick
Dieser Bikepark ist weit über die Landesgrenzen hinaus berüchtigt für seine waghalsigen Abfahrten. Der ehemalige britische Profi-Rider Ben Walker hat auf franzö­sischem und Schweizer Boden weit verzweigte Trails in die Alpenlandschaft gezaubert. Wer auf Speed, Nervenkitzel und technische Herausforderungen steht, ist hier goldrichtig.
Champéry–Les Crosets–Morgins: 10 Downhill-Strecken und 4 MTB-Seilbahnen.

Champéry–Les Crosets–Morgins: 10 Downhill-Strecken und 4 MTB-Seilbahnen.

© BENJAMIN PELLET

02

Wiriehorn

Der Traditionelle
Dieses kleine, aber feine Urgestein unter den Schweizer Bikeparks befindet sich in einer Transformationsphase und wird von den Trailbauern der Flying Metal Crew behutsam in die Moderne überführt: Bestehende Trails werden modernisiert, neue Attraktionen befinden sich in der Mache. Jérôme Hunziker von der ­Flying Metal Crew sagt: «Wir wollen das Wiriehorn zurück in die Top 5 der hiesigen Bikeparks bringen. Das Potenzial ist enorm.»
03

Verbier

Der Pulstreiber
19 Kilometer an Pisten mit Rampen und Sprüngen für Biker aller Niveaus.

19 Kilometer an Pisten mit Rampen und Sprüngen für Biker aller Niveaus.

© Jey Crunch

Downhill, Enduro, Crosscountry - Verbier hat viel zu bieten.

Downhill, Enduro, Crosscountry - Verbier hat viel zu bieten.

© Jey Crunch

Unter der Ägide von Fabrice «Trifon» Tirefort ist im Unterwallis ein berauschender Bike-Spielplatz für Adrenalinjunkies entstanden. Schon heute jagen neun Downhill-Trails den Puls hoch, bald wird zwischen Verbier und Le Châble mit 1600 Metern die grösste Höhendifferenz der Schweiz zu bewältigen sein. Neben den wag­halsigen Abfahrtsstrecken gibt es etliche Enduro-/xC-/E-Bike-Trails, auf welchen nicht nur routinierte Biker auf ihre Kosten kommen.
04

Lenzerheide

Das Weltcup-Erlebnis
Von 19. bis 21. Juni gastiert der MTB Weltcup-Tross ­erneut in ­Lenzerheide, auf der Strecke, auf welcher der Lokalmatador und Bike-Kingdom-Botschafter Nino Schurter 2015 Weltmeister wurde. Knapp 80 Prozent der Weltcup-Strecke «STRAIGHTline» sind im Park befahrbar, was jedem Rider die einmalige Möglichkeit gibt, das unvergleichliche Weltcup-Feeling unabhängig vom Datum selbst zu erleben.
5 Freeride Strecken von gemütlich bis sportlich gibt's in Lenzerheide.

5 Freeride Strecken von gemütlich bis sportlich gibt's in Lenzerheide.

© Nathan Hughes

Red Bull Downtime ist die Chance, dein Downhill-Können unter Beweis zu stellen. In den vier ausgewählten Bikeparks kannst du an den folgenden Renn-Weekends sooft du willst an den Start gehen und deine persönliche Bestzeit fahren. Die schnellsten Rider jedes Tracks werden an einen Red Bull Bike Event in Europa eingeladen – als Gäste, wohlgemerkt.
Termine: Verbier: 25.– 26. Juli, Champéry – Les Crosets – Morgins: 15. August, ­Lenzerheide: 22. August, Wiriehorn: 19.– 20. September