Wie baut man den perfekten Bike-Trail?
Wenn wir ein neues Projekt in Angriff nehmen, haben wir eine Idealvorstellung. Und dann schauen wir, was möglich ist. Die Ausgangslage ist nicht so, dass wir auf den Bagger steigen und nach Lust und Laune präparieren können. Es gibt viele Auflagen; Amts- und Fachstellen schauen einem auf die Finger, was ja auch gut ist.
Wie viel Kompromissbereitschaft braucht es bei so einem Projekt?
Wir können meist nicht fünf Strecken an einem Berg bauen, dafür fehlt der Platz. Wir versuchen darum, in einen Trail so viele Schwierigkeitsgrade einzubauen wie möglich. Das heisst: Die rechte Seite ist vielleicht eher etwas für Einsteiger und Gelegenheitsfahrer. Und links gibt es dann die Finessen, mit denen routinierte, anspruchsvolle Biker angesprochen werden. So funktionieren progressive Trails. Es gibt bestimmt Tiefbauunternehmen, die besser baggern können als wir. Aber ihnen fehlt dann vielleicht das Formverständnis. Einen Flowtrail, auf dem man fast mit den Stützrädern runterkommt – wir sagen dazu «Chügelibahn» –, kann jeder bauen. Aber es kommt eben auf die Nuancen an.
Seit wann beschäftigt ihr euch mit dem Bau von Trails und Bikeparks?
Wir waren schon als Teenager begeisterte Biker und haben die Tage damit verbracht, im Wald oder auf den Feldern von Bauern Schanzen und Trails zu basteln, auch wenn wir dafür nicht immer die Erlaubnis hatten. Ernsthaft angefangen haben wir 2009 mit einem Slopestyle-Event in der Eishalle Thun. So sind wir in die Bauszene reingerutscht. Als blutige Anfänger. Wir profitierten davon, dass mein Bruder Ramon einer der besten Freerider im Land war und als erster Schweizer überhaupt an der Red Bull Rampage teilgenommen hat. Das hat uns gewisse Kredibilität gegeben, mein Bruder war in den Anfangsjahren fast immer das Versuchskaninchen. Heute beschäftigen wir 15 Mitarbeiter. Und jeder, der bei uns arbeitet, ist selbst ein aktiver Fahrer.
Das heisst, ihr baut die Trails auch für euch?
Auch, ja! Für uns fühlt sich das schon ein bisschen so an, als könnten wir unsere Träume ausleben. Nicht jeder hat das Privileg, sein Hobby zum Beruf zu machen. Wir sind oft auf dem Velo. Und holen uns so Inspiration. Selbst wenn wir mal einen Trail fahren, der uns nicht behagt, erweitert das den Horizont. Dann weiss man, wie man es nicht machen will. Im Ausland beobachten wir, dass die Trailbauer teilweise echte Künstler sind. Da wird tagelang an einer Trockenmauer gearbeitet, die man für einen winzigen Sprung nutzen kann. In der Schweiz ist so etwas nicht zu finanzieren.
Fliesst auch Feedback aus der Community in die Strecken ein?
Auf jeden Fall. Wir haben viele Biker, die uns bei Bauprojekten immer wieder unter die Arme greifen. Generell ist die Szene ja recht unübersichtlich geworden. Rund um unsere Heimatstadt Thun gibt es ein ganzes Netz an Bikeparks, Pumptracks und Trails, in der Bike-Infrastruktur hat sich extrem viel getan. Wenn dir früher am Thunersee ein Biker entgegenkam, hat man den persönlich gekannt. Heute ist das Mountainbiken Volkssport.
Ist das Publikum anspruchsvoller geworden?
Ich glaube, das war es schon immer. Ich finde es erfreulich, wie viele Menschen sich heute für diesen Sport begeistern. Die Jugend von heute fährt auch viel besser, als wir das früher taten. Mit vierzehn hatten wir keine Ahnung, heute schauen die Teenager sich die Red Bull Rampage-Videos an und können schon die schwierigsten Trails fahren. Da staune ich immer wieder.
Gibt es eine Lieblingsstrecke?
Für mich persönlich Les Dents du Midi/Champéry, die ja auch Teil von Red Bull Downtime ist (siehe Infokasten rechts unten; Anm.). Schnell und steil ist es da, das mag ich.
Gibt es Trends in der Bike-Szene, die ihr beim Streckenbau berücksichtigt?
Ja, aktuell beschäftigt uns, dass die Trails flüssig zu fahren sind, aber doch naturbelassen bleiben. Das heisst: Man baggert einen Hügel eben nicht weg, sondern macht eine Welle daraus. Es darf auch Wurzeln und Steine im Trail haben.
Apropos Nachhaltigkeit: Wie sieht es mit dem Unterhalt aus?
Der hängt von der Frequenz ab. Bereits bei der Planung und beim Bau wird der Erosion durch Wetter und Nutzung Rechnung getragen. Da konnten wir über die Jahre viel Erfahrung sammeln. Aber grundsätzlich werden die Trails jedes Jahr mit unserer Spezialmaschine bearbeitet. Da werden Bremslöcher geflickt, Steine weggeräumt, Entwässerungen durchgeführt. Und alle drei bis vier Jahre gibt’s eine leichte Sanierung.
Wie lange dauert es, bis ein Projekt fertiggestellt ist?
Das ist unterschiedlich. Im besten Fall ein Jahr, bei Pumptracks in Sportzonen ist das so, wenn man wirklich Vollgas geben kann. Wir haben aber auch Anlagen, bei denen wir uns seit zehn Jahren in der Planung befinden, ohne dass je eine Schaufel in den Boden gesteckt wurde. Da gibt es hier noch ein Gutachten, dort neue Besitzverhältnisse. Aber wir haben einen langen Atem, auch das wird klappen.
Seit kurzem ist die Flying Metal Crew für den Bikepark Wiriehorn zuständig. Wie sehen eure Pläne aus?
Es ist einer der ältesten Bikeparks der Schweiz, und unser Anspruch ist es, ihn zu neuem Glanz zu führen. Wir sind dran, alle bestehenden Strecken zu sanieren und auf den neuesten Stand zu bringen. In einem zweiten Schritt werden wir neue Trails bauen. Das Potenzial ist riesig. Und natürlich freuen wir uns, dass das Wiriehorn ein Red Bull Downtime-Stopp ist. Das ist ein wichtiges Gütesiegel und steht exemplarisch für das Vertrauen, das man uns entgegenbringt.